Köln - Im Mai konnte Eintracht Frankfurt über die Relegation den Abstieg knapp vermeiden. Jetzt mischen die Hessen mit einer neuen Mannschaft die Spitzengruppe der Bundesliga auf. Im Interview mit bundesliga.de spricht Fredi Bobic, Vorstand Sport der Eintracht, über die Entwicklung der letzten Monate, die Saisonziele und die Partie gegen Hertha BSC.

bundesliga.de: Herr Bobic, viele Experten haben der Eintracht eine schwere Saison prophezeit. Nun hat die Mannschaft neun Punkte aus vier Partien geholt. Haben die Erfolge auch Sie ein wenig überrascht? Wie bewerten Sie den Start in die neue Spielzeit?

Fredi Bobic: Wir waren und sind von unserem Kader von Beginn an überzeugt. Dennoch ist bei einem Saisonstart dann natürlich immer eine besondere Anspannung vorhanden. Dass wir nun schon neun Punkte gesammelt haben, tut uns gut. Das hilft bei unserem Prozess. Doch darf nun kein Millimeter nachgelassen werden.

bundesliga.de: Ihre Vorstellung als Vorstand Sport wurde im Frankfurter Umfeld auch mit einiger Skepsis gesehen. Dann haben Sie mit viel Fantasie und Geschick den neuen Kader zusammengestellt. Einige Transfers wie die von Jesus Vallejo oder Omar Mascarell scheinen Glücksgriffe zu sein. Wie erleben Sie in diesen Tagen die Wahrnehmung Ihrer Person in Frankfurt? Wie viel Zuspruch erfahren Sie?

Bobic: Das ist für mich nicht wichtig. Ich bin nicht in Frankfurt, um geliebt zu werden. Natürlich nehmen die Schulterklopfer nun zu. Doch davon lasse ich mich ebenso wenig beeinträchtigen, wie von den kritischen Stimmen zu Beginn meiner Amtszeit. Wir haben einen klaren Plan, von dem wir überzeugt sind und den wir verfolgen.

bundesliga.de: Vor zwei Wochen waren Sie 100 Tage im Amt. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus? Was waren Ihre wichtigsten Entscheidungen und Weichenstellungen bisher?

Bobic: Meine Bilanz ist vor allem, dass mir die Arbeit vom ersten Tag an viel Spaß gemacht hat. Jede Entscheidung hat seine Bedeutung im großen Ganzen, stellt ein Puzzlestein dar. Da möchte ich keine hervorheben.

"Dürfen Ibisevic nicht zum Zug kommen lassen"

© gettyimages / Alex Grimm/Bongarts

bundesliga.de: Der Saisonstart ist gelungen, auch der Rückschlag von Darmstadt wurde gemeistert. Wie stabil ist das neue Mannschaftsgefüge Ihrer Meinung nach bereits? Lässt sich schon erahnen, wohin die Reise in dieser Saison geht?

Bobic: In der Mannschaft steckt ein sehr guter Charakter. Aber für eine exakte Aussage zur Stabilität ist es noch zu früh. Auch an den Saisonzielen werden wir nichts ändern: Wir wollen besser abschneiden als im Vorjahr. Umso früher eine Rettung gesichert ist, umso besser können wir dann die nächste Saison vorbereiten.

bundesliga.de: Am Samstag empfängt die Eintracht im Spitzenspiel Hertha BSC. Sie haben selbst eine Berliner Vergangenheit. Was ist von Ihrer Zeit bei der Hertha hängen geblieben - vor allem der Kontakt zum heutigen Eintracht-Trainer Niko Kovac?

Bobic: Da gibt es noch viele Freundschaften auf völlig privater Ebene, da ja meine Familie inzwischen auch wieder in Berlin lebt. Aus dem Vorstand der Hertha habe ich zu Michael Preetz und Paul Keuter hervorragende Kontakte und auch noch zu weiteren Personen im Umfeld.

bundesliga.de: Wie stark schätzen Sie die Berliner ein? Wo liegt für die Eintracht der Schlüssel zum Erfolg in diesem Spiel?

Bobic: Hertha hat eine sehr homogene Mannschaft, die schnell über die Außen nach vorne kommt. Die Verletzung von Vladimír Darida, der eine unglaubliche Präsenz auf dem Spielfeld hat, kommt uns ein wenig entgegen. Wichtig wird sein, Vedad Ibisevic in der Nähe des Strafraums nicht zum Zug kommen zu lassen.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski