Köln - Das Medieninteresse war groß, als Eintracht Frankfurt am Mittwoch seinen neuen Sportvorstand Fredi Bobic vorstellte. Der 44-Jährige, der in seiner aktiven Karriere 285 Bundesliga-Spiele bestritt, mit Stuttgart Pokalsieger, mit Dortmund Deutscher Meister und mit der deutschen Nationalmannschaft 1996 Europameister wurde, tritt bei den Hessen die Nachfolge von Heribert Bruchhagen an.

Seine Managerkarriere begann Fredi Bobic bei Tschernomoretz Burgas/Bulgarien, dem von 2010 bis 2014 ein Engagement beim VfB Stuttgart folgte. In Frankfurt ist der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig mit einem Vertrag bis 2019 ausgestattet. Bei seiner Vorstellung bezog Fredi Bobic Stellung.

Bobic über die Eintracht: "Sie müssen nur meine Vita lesen, um zu verstehen, was Eintracht Frankfurt mir bedeutet. Ich habe nur bei Traditionsclubs gespielt und gearbeitet. Traditionsclubs sind etwas Besonders, sie haben eine besondere Strahlkraft. Sie haben aber ein unglaubliches Potenzial, wenn sie sich richtig aufstellen und wenn es gelingt die Strahlkraft und Power in den sportlichen Bereich mitzunehmen.

Was in Frankfurt mobilisiert werden kann, konnte man schon im Meisterschaftsendkampf und in den Relegationsspielen sehen. Man konnte sehen, wie die Fangemeinde zusammensteht. Das hat man in den letzten Wochen gespürt, das hat mich selbst vor dem Fernseher fasziniert. Die Gespräche haben gezeigt, dass die Eintracht ein sehr solider und sehr gut geführter Verein ist. Alles in allem passt der Verein zu meiner Vita. Ich gehe die Aufgabe vom ersten Tag mit vollem Tatendrang, voller Euphorie und mit viel Spaß an."

"Werden mit den Spielern ehrlich umgehen"

© gettyimages / Deniz Calagan

Bobic über seinen Start in Frankfurt: "Die letzten Tage waren schon sehr anstrengend, anspruchsvoll, aber auch sehr inhaltsreich. Ich werde in Frankfurt leben. Ich weiß, dass es ein 24/7-Job ist. An Eintracht Frankfurt begeistert mich, dass wir ein Verein sind, der noch unglaublich viel Potenzial nach vorne besitzt. Wir wollen daran arbeiten, dieses Potenzial zu 100 Prozent auszuschöpfen. Wir sind jetzt alle und besonders ich im sportlichen Bereich an vorderster Front gefordert, die nötigen Schritte zu tun. Ich bin mir ganz sicher, dass wir das bewerkstelligen. Ich freue mich, hier zu sein. Es ist etwas Neues und Aufregendes und erfüllt mich auf jeden Fall mit Stolz, bei der Eintracht zu sein. Der Virus hat mich gepackt."

Bobic über seine Ziele und Ideen: "Ganz wichtig ist, dass wir eine Bestandsanalyse machen und natürlich auch die letzte Saison besprechen. Diese Aufgabe sind wir in den letzten Tagen und Wochen auch schon angegangen. Ferner müssen wir Personalentscheidungen besprechen. Mit den Spielern und deren Beratern werden wir sprechen, um ihnen aufzuzeigen, wie wir mit ihnen weitermachen wollen. Wir werden ehrlich mit ihnen umgehen. Ich kann Ihnen aber noch keine Namen nennen. Wir werden erst Vollzug vermelden, wenn wir ihn zu vermelden haben.

Wir sind mit den Themen noch nicht komplett durch, weil es eine sehr intensive Arbeit ist, die ich mit Bruno Hübner und Niko Kovac direkt bespreche. Die Analyse ist ebenfalls noch nicht komplett fertig, aber wir sind auf einem sehr guten Weg. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir die Relegation gespielt haben und nun die Letzten in der Kette sind, die auf dem Transfermarkt zuschlagen können. Wir werden jetzt viele Personalthemen finalisieren, die sich nicht nur auf die Spieler fokussieren, sondern auch um die Mannschaft herum."

"Heribert Bruchhagen ist eine Ikone"

© imago

Bobic über seinen Vorgänger Heribert Bruchhagen: "Was Heribert 13 Jahre lang bei der Eintracht und für den deutschen Fußball insgesamt geleistet hat, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Er ist eine Ikone und wird immer ein Gesicht der Bundesliga bleiben. Heribert Bruchhagen hat mir einen kerngesunden Verein überlassen. Dafür danke ich ihm."

Bobic über Trainer Niko Kovac: "Niko kenne ich durch die sehr intensiven zwei gemeinsamen Jahre in Berlin. Wir haben den Kontakt nie verloren. Man kennt sich und man respektiert sich. Das ist das Wichtigste. Ich schätze an ihm, dass er seinen Weg sehr gradlinig geht. Er trifft klare Aussagen und hat eine positive Ausstrahlung. Ich habe geschätzt, dass er immer vorausblickend geschaut hat. Es wurde nie von 2. Liga geredet, immer nur von Bundesliga. Es wurde nicht gejammert, über etwas, was in der Vergangenheit lag, sondern nach vorne geschaut. Es wurde mit dem Spielermaterial gearbeitet und das Beste herausgeholt, was man noch herausholen konnte. Dementsprechend hat ihm der Erfolg recht gegeben."

Bobic über die Zusammenarbeit mit Bruno Hübner: "Wir werden sehr eng zusammenarbeiten und uns mehr sehen als unsere Frauen. Mein Fokus liegt auf der Mannschaft und später auf der Jugendarbeit bei Eintracht Frankfurt. Wir haben uns vorher schon gekannt, geschätzt und respektiert. Ich möchte im Team arbeiten und brauche auch andere Meinungen. Ich werde keine Ein-Mann-Entscheidungen treffen.

"Unsere Mannschaft wird konkurrenzfähig sein"

© imago / Jan Huebner

Bobic darüber, wie die Eintracht ihre Power nutzen kann: "Der Schlüssel zum Erfolg ist, dass die Verantwortlichen in den Führungsetagen im sportlichen Bereich absolut mit einer Zunge sprechen und auch in schwierigen Situationen zusammenhalten. Das ist sehr wichtig. Die Eintracht ist ein gesunder Verein. Es gibt keine Einsparungen, ich muss nichts konsolidieren. Wir wissen, dass wir Transferüberschüsse machen müssen, dass wir Spieler entwickeln müssen und dass wir frisches Geld und fremdes Kapital reinbekommen müssen.

Erfolg definiert sich nicht über Titel, sondern über die Tabellenregionen, die du erreichst, mit den Möglichkeiten, die du hast. Unsere Basis ist, dass wir in der Bundesliga spielen und bleiben wollen. Mein Vorgänger hat treffend gesagt, dass Mittelmaß und ein fester Bestandteil der Bundesliga zu sein, ein Erfolg für Eintracht Frankfurt ist. Das wollen wir weiter auf ganz stabile Füße bekommen. Aus dieser Position kann man versuchen, sich langsam nach vorne zu arbeiten. Wir sind im TV-Ranking auf Platz 12, in der ewigen Bundesliga-Tabelle stehen wir auf Platz 12. Was sollen wir jetzt von ganz großen Zielen reden? Wir werden eine Mannschaft aufstellen, die konkurrenzfähig ist. Das Versprechen kann ich geben."

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski