Zusammenfassung

  • Seit Jahren steigt der Anteil der Franzosen in der Bundesliga kontinuierlich
  • Nur Österreich stellt aktuell mehr Gastarbeiter
  • Die Verpflichtung junger Talente aus dem Nachbarland hat sich in den letzten Jahren als große Erfolgsgeschichte entpuppt

Köln – Der Trend zeichnet sich schon länger in der Bundesliga ab: Jedes Jahr verpflichten die Clubs mehr Spieler aus dem Land des aktuellen Weltmeisters. Inzwischen stellen die Franzosen mit 24 Spielern nach Österreich den zweitgrößten Anteil an ausländischen Spielern in der Bundesliga. Und dabei sind vor allem die hoch veranlagten Talente begehrt.

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Zum Vergleich: In der Saison 2012/13 waren gerade einmal drei Akteure aus dem Nachbarland in der Bundesliga unter Vertrag. Seither kamen jährlich mehr Spieler hinzu. 2015/16 waren es acht, 2016/17 bereits 14 und in der vergangenen Spielzeit schon 20. Und dabei sind noch nicht einmal jene Spieler berücksichtigt, die zwar in Frankreich geboren sind, sich aber für die Nationalmannschaft einer anderen Nation entschieden haben – etwa Amine Harit vom FC Schalke 04.

Doch woher kommt der Trend?                                 

Für beide Parteien entsteht letztlich eine Win-Win-Situation. Die Vereine finden in Frankreich junge Spieler vor, die in den dortigen Jugendakademien auf höchstem Niveau ausgebildet wurden. "Er kombiniert sehr gute Anlagen mit einem physischen Spielstil", sagt Mainz' Sportvorstand Rouven Schröder über Moussa Niakhate, nach Jean-Philippe Mateta bereits der zweite Neuzugang der Mainzer aus Frankreich in diesem Sommer. Und Schröder hat damit gute Erfahrungen gemacht: Im letzten Jahr verpflichtete er einen bis dato noch unbekannten Abdou Diallo von der AS Monaco, der sich auf Anhieb zum Abwehrchef mauserte und schließlich von zahlreichen Top-Clubs umworben war. Eine Erfolgsgeschichte, auch wenn es Diallo nach einem Jahr weiter zu Borussia Dortmund zog. Niakhate soll nun in die Fußstapfen Diallos treten.

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Der Mainzer Neuzugang Jean-Philippe Mateta © imago / Martin Hoffmann

Die Spieler hingegen finden in Deutschland perfekte Möglichkeiten vor, um sich auf höchstem Niveau zu entwickeln. "Jean-Philippe Mateta hat sich bewusst für uns und gegen zahlreiche andere Interessenten aus England entschieden, weil er von unserem sportlichen Konzept und unserer Philosophie als Aus- und Weiterbildungsverein überzeugt war", sagt Schröder über seinen neuen Angreifer, der von AC Le Havre zu den Mainzern kam.

Große Tradition französischer Bundesliga-Spieler

Und selbstverständlich gibt es in der Bundesliga auch eine Tradition von zahlreichen Erfolgsgeschichten mit Franzosen, auf die die jungen Talente – der Großteil von ihnen ist unter 25 Jahre alt - aufblicken können: Allen voran Bixente Lizarazu, der während seiner Zeit beim FC Bayern München sechs Mal Deutscher Meister, Champions-League-Sieger, Welt- und Europameister wurde, über den genialen Spielmacher Johan Micoud, der den SV Werder Bremen 2004 zum Doublegewinn führte, bis hin zu den jüngsten Erfolgsgeschichten von Benjamin Pavard und Corentin Tolisso, die als aktuelle Bundesliga-Spieler den WM-Pokal in den Moskauer Nachthimmel stemmen durften.

Video: Franzosen in der Bundesliga

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Und eine besondere Erfolgsgeschichte hat natürlich auch Franck Ribery vom FC Bayern München geschrieben. Im Mai wurde der 35-Jährige zum achten Mal Deutscher Meister – öfter hat das in der Historie der Bundesliga noch kein Spieler geschafft. Ribery gehört dabei mit Jonathan Schmid (FC Augsburg) und Josuha Guilavogui (VfL Wolfsburg) zu der Fraktion der bereits länger etablierten Franzosen. Auch Riberys Mannschaftskollege Kingsley Coman hat sich zuletzt mit tollen Leistungen in die Stammelf des Rekordmeisters gespielt, verpasste die WM jedoch aufgrund einer Verletzung.

Fünf neue Franzosen kommen 2018/19

Die meisten der 24 Spieler konnten vor allem in der vergangenen Spielzeit 2017/18 erstmals nachhaltig auf sich aufmerksam machen. Zu ihnen zählen etwa die Leipziger Dayot Upamecano, Ibrahima Konate und Jean-Kevin Augustin sowie die bereits genannten Weltmeister Corentin Tolisso und Benjamin Pavard, Sebastien Haller und Simon Falette von Eintracht Frankfurt, Gladbachs Youngster Michael Cuisance und natürlich Abdou Diallo, der Kapitän der französischen U21 und aktueller Königstransfer von Borussia Dortmund.

Alassane Plea (Mitte) wird bei Borussia Mönchengladbach vorgestellt © imago / Jan Huebner

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Umso gespannter sein darf man auf die neuen Gesichter aus Frankreich, die 2018/19 die Bundesliga bereichern werden. Mit Alassane Plea (Borussia Mönchengladbach), Nordi Mukiele (RB Leipzig), Moussa Niakhate, Jean-Philippe Mateta (beide 1. FSV Mainz 05) und Evan N'Dicka (Eintracht Frankfurt) haben sich diesen Sommer erneut hoch veranlagte Franzosen der Bundesliga angeschlossen. Ihre Erfolgsgeschichte muss erst noch geschrieben werden. Doch wenn sie es ähnlich gut machen wie ihre zahlreichen Vorgänger, steht diesem Vorhaben nichts im Wege.

 

Karol Herrmann

Die Franzosen in der Bundesliga 2018/19

Name (Verein/Alter/Position)

Franck Ribery (FC Bayern München/35/Mittelfeld)

Corentin Tolisso (FC Bayern München/23/Mittelfeld)

Kingsley Coman (FC Bayern München/22/Mittelfeld)

Benjamin Stambouli (FC Schalke 04/27/Abwehr)

Abdou Diallo (Borussia Dortmund/22/Abwehr)

Dan-Axel Zagadou ((Borussia Dortmund/19/Abwehr)

Dayot Upamecano (RB Leipzig/19/Abwehr)

Ibrahima Konate (RB Leipzig/19/Abwehr)

Jean-Kevin Augustin (RB Leipzig/21/Angriff)

Nordi Mukiele (RB Leipzig/20/Abwehr)

Sebastien Haller (Eintracht Frankfurt/24/Angriff)

Simon Falette (Eintracht Frankfurt/26/Abwehr)

Evan N'Dicka (Eintracht Frankfurt/18/Abwehr)

Benjamin Pavard (VfB Stuttgart/22/Abwehr)

Alassane Plea (Borussia Mönchengladbach/25/Angriff)

Michael Cuisance (Borussia Mönchengladbach/18/Mittelfeld)

Mamadou Doucoure (Borussia Mönchengladbach/20/Abwehr)

Jonathan Schmid (FC Augsburg/28/Mittelfeld)

Moussa Niakhate (1. FSV Mainz 05/22/Abwehr)

Jean-Philippe Mateta (1. FSV Mainz 05/21/Angriff)

Geaten Bussmann (1. FSV Mainz 05/27/Abwehr)

Yoric Ravet (Sport-Club Freiburg/28/Mittelfeld)

Josuha Guilavogui (VfL Wolfsburg/27/Mittelfeld)

Paul-Georges Ntep (VfL Wolfsburg/25/Mittelfeld)