Frankfurt - "Ich werde die Euphorie nicht bremsen. Ich wäre enttäuscht, wenn wir jetzt nicht Deutscher Meister werden", scherzte Frankfurts Trainer Armin Veh nach dem 4:0-Sieg in Hoffenheim. Auch wenn sich Veh mit dieser Aussage selbst ein bisschen aufs Korn genommen hat, symbolisiert sie gleichzeitig die neue Leichtigkeit am Main.

Der Aufsteiger steht dank dem besten Saisonstart seit 13 Jahren nach zwei Spielen auf dem 2. Tabellenplatz, nur Bayern München steht vor den Hessen. Doch was steckt hinter dem Erfolgslauf der Frankfurter?

Die Neuzugänge



Obwohl die Eintracht den "Betriebsunfall" Abstieg mit dem sofortigen Wiederaufstieg reparierte, sah Trainer Armin Veh in der Sommerpause die Notwendigkeit eines größeren personellen Umbruchs. Bei der Suche nach Neuzugängen konzentrierte man sich bei der Eintracht fast ausschließlich auf den deutschen Markt, nur Innenverteidiger Vadim Demidov (Spanien), sowie Leih-Spieler Dorge Kouemaha (Belgien) kamen aus dem Ausland.

Die restlichen neuen Spieler kann man in drei Kategorien einteilen: Zum einen holte Frankfurt Top-Spieler aus der 2. Bundesliga wie Takashi Inui (VfL Bochum), Stefan Aigner (1860 München) oder Torjäger Olivier Occean (Greuther Fürth), der sich in der vergangenen Saison zusammen mit Frankfurts Alexander Meier die Torjägerkrone sicherte (jeweils 17 Treffer).

Zudem verpflichtete die Eintracht mit Martin Lanig (1. FC Köln) und Kevin Trapp (1. FC Kaiserslautern) zwei Spieler von Bundesliga-Absteigern.

Zur dritten Kategorie zählen Spieler wie Bastian Oczipka (Bayer Leverkusen) oder Stefano Celozzi (VfB Stuttgart), die bei ihren Ex-Clubs ohne sportliche Perspektive waren und eine neue Herausforderung suchten.

Die Offensivstärke



Aus den Neuzugängen und den bereits vorhandenen Spielern formierte Veh eine schlagkräftige Truppe, die mit zwei Auftaktsiegen vollends überzeugte.

Der Erfolg ist auf die mutige Spielweise der Eintracht zurückzuführen: Während viele Aufsteiger ihr Heil in der defensiven Kompaktheit suchen und vorwiegend auf Konter lauern, präsentierten sich die Hessen sehr offensiv wie Neuzugang Ozcipka bestätigt: "Wir wollen das Risiko, wir wollen das Spiel machen und uns nicht hinten reinstellen."

Abschlussfreudig und zweikampfstark



Dass die Mannschaft diese Philosophie bereits sehr gut umsetzen kann, beweist ein Blick auf die Zahlen: Die Veh-Elf erspielte sich in 180 Spielminuten zehn Großchancen, nur der FC Bayern kann da mithalten. Insgesamt gaben die Frankfurter gegen Leverkusen (20) und gegen Hoffenheim (18) 38 Torschüsse ab (Bayern 35).

Doch nicht nur die Vorwärtsbewegung funktioniert bei der Eintracht schon außerordentlich gut, auch die "Basics", wie Zweikampfstärke und gute Ballzirkulation hat der Aufsteiger eine Spielklasse höher drauf.

Beleg dafür ist eine sowohl gegen Leverkusen (51 Prozent) als auch gegen Hoffenheim (53 Prozent) positive Zweikampfbilanz sowie der Fakt, das die Veh-Elf in beiden Partien mehr Ballbesitz als der Gegner hatte (53 bzw. 63 Prozent).

Führungsspieler in Topform



Ein weiterer Faktor für den Traumstart sind die Neuzugänge, die sich größtenteils sehr gut ins Eintracht-Spiel eingeführt haben (gegen Leverkusen und Hoffenheim standen sechs Neue in der Startelf). Doch besonders zwei Spieler, die schon länger in Frankfurt unter Vertrag stehen, spielten sich zum Saisonstart neben den ganzen Neuen in den Fokus: Alexander Meier und Pirmin Schwegler.

Meier, der etwas zurückgezogen hinter Stoßstürmer Olivier Occean aus dem offensiven Mittelfeld heraus agiert, glänzte vor allem beim 4:0 in Hoffenheim mit zwei Treffern bei vier Torversuchen, nachdem er gegen Leverkusen noch drei Großchancen vergab.

Kapitän Pirmin Schwegler ist als Taktgeber im defensiven Mittelfeld ebenso unverzichtbar für Armin Veh. Alleine im Spiel gegen die TSG hatte der Schweizer 120 Ballkontakte, gewann 73 Prozent seiner Zweikämpfe und erzielte als Krönung mit einem sehenswerten Distanzschuss das 2:0 für die Eintracht.

Sebastian und Sebastian: Der nächste Schritt



Für die defensive Stabilität sorgt aber nicht nur Schwegler allein. Nebenmann Sebastian Rode assistiert dem Kapitän tadellos. Der ehemalige Offenbacher erkämpfte sich bei den Eintracht-Fans einen hohen Stellenwert, trotz seiner sportlichen Vergangenheit beim Erzrivalen.

Ähnlich souverän wie Rode hat Rechtsverteidiger Sebastian Jung den Schritt zurück ins Oberhaus genommen, nachdem er mit der Eintracht in seinem ersten Profijahr abstieg. Das Eigengewächs ist nun genau wie sein Namensvetter, auf dem besten Weg, den nächsten Schritt in seiner Entwicklung zu gehen.

Dies trifft auch auf den gesamten Club zu, und die Vorzeichen stehen nach sechs Punkten aus zwei Spielen nicht schlecht: In der Geschichte der Bundesliga sind nur drei Mannschaften abgestiegen, die nach den ersten beiden Spieltagen sechs Punkte auf ihrem Konto hatten (Karlsruhe 1982/83, Hansa Rostock 1991/92, 1. FC Köln 2005/2006).

Doch wenn die Eintracht so weiterspielt, wird die Veh-Elf ohnehin mehr mit dem Kampf um den Titel zu tun haben, als mit dem Abstiegskampf.

Christoph Gailer