München - Fünf Mal ist Friedhelm Funkel als Trainer mit seinen Mannschaften in die Bundesliga aufgestiegen. Mit Bayer Uerdingen gelang ihm das zwei Mal, je ein Mal mit dem MSV Duisburg, dem 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt.

Kaum jemand sonst kann so gut beurteilen, worauf es für einen Aufsteiger jetzt ankommt. Im Interview mit bundesliga.de schätzt der 58-Jährige die Chancen von Fürth, Frankfurt und Düsseldorf ein.

bundesliga.de: Herr Funkel, die SpVgg Greuther Fürth, Eintracht Frankfurt und Fortuna Düsseldorf sind in die Bundesliga aufgestiegen. Worauf kommt es für einen Aufsteiger jetzt vor allem an?

Friedhelm Funkel: Ganz wichtig ist, dass die handelnden Personen der Realität ins Auge blicken. Jeder Aufsteiger muss erst einmal das Ziel haben, den Klassenerhalt zu schaffen. Man muss der Mannschaft, die aufgestiegen ist, ein gewisses Vertrauen entgegen bringen und sie wenn möglich punktuell verstärken. Der Teamgeist muss im Vordergrund stehen. Und die Verantwortlichen müssen Geduld haben und auch dann ruhig bleiben, wenn Rückschläge kommen. Und die werden kommen.

bundesliga.de: Wie groß ist die Umstellung von der 2. Bundesliga auf die Bundesliga? Wo lauern die Gefahren?

Funkel: Es ist immer möglich, dass ein Aufsteiger einmal fünf, sechs oder sieben Spiele am Stück nicht gewinnt. Das beste Beispiel dafür, dass es sich dennoch auszahlt, ruhig zu bleiben, ist der FC Augsburg in der vergangenen Saison. Da war sehr früh klar, dass es extrem hart werden würde. Aber der Trainer, der mit der Mannschaft erfolgreich gearbeitet hat und aufgestiegen ist, wurde zu keiner Phase in Frage gestellt. Dieses Vertrauen wurde belohnt. Die Verantwortlichen müssen wie gesagt vor allem Geduld bewahren. Sie dürfen nicht anfangen zu träumen. Ein Aufsteiger weiß, was auf ihn zukommt. Trotzdem wird dann oft schnell etwas zu negativ gesehen. Man darf sich vom Umfeld, den Gremien und den Fans aber nicht unter Druck setzen lassen.

bundesliga.de: Wie schätzen Sie die aktuellen drei Aufsteiger ein?

Funkel: In diesem Jahr sehe ich bei den Aufsteigern die Gefahr eher weniger, dass die handelnden Personen schnell die Geduld verlieren. Heribert Bruchhagen ist in Frankfurt ein besonnener Mann, in Fürth ist die Bundesliga Neuland. Und Fortuna Düsseldorf hat schon bei dem Fehlstart mit sechs Niederlagen vor zwei Jahren gezeigt, dass der Vorstand am Trainer festhielt.

bundesliga.de: Wie sehen Sie die Perspektive Ihres Ex-Vereins Eintracht Frankfurt?

Funkel: Eintracht Frankfurt besitzt eine Mannschaft mit vielen erfahrenen Spielern wie Alexander Meier, Benjamin Köhler, Oka Nikolov und anderen. Die kennen die Bundesliga. Mit dem Stadion und den Fans sollte die Eintracht sich in der Bundesliga etablieren können. In der Hinsicht ist sie gegenüber Fürth und Düsseldorf im Vorteil. Ich schätze die Eintracht als den stärksten Aufsteiger ein.

bundesliga.de: Warum?

Funkel: Die Mannschaft verfügt über viel Erfahrung und wurde nach jetzigem Kenntnisstand gut verstärkt. Wenn sie noch einen guten Innenverteidiger holen, haben sie eine richtig gute Mannschaft. Dazu ist Armin Veh ein erfahrener, guter Trainer. Ich erwarte die Eintracht zwischen Platz 10 und 14.

bundesliga.de: Sie haben in Frankfurt fünf Jahre lang gearbeitet und kennen das Umfeld. Wie schwierig ist es?

Funkel: Das Frankfurter Umfeld kann schwierig sein. Aber durch den Abstieg ist jetzt eine gewisse Demut eingekehrt. Keiner hatte für möglich gehalten, dass die Eintracht absteigen könnte. Und doch ist es eingetreten. Das hat auch die Fantasten eines Besseren belehrt, die glaubten, dass die Eintracht im oberen Drittel mitmischen könnte. Jedes Jahr Bundesliga ist für Frankfurt unglaublich toll. Ich glaube, dass die Hessen sich etablieren werden und der Abstieg im Vorjahr ein Ausrutscher war.

bundesliga.de: Zweitliga-Meister wurde aber die SpVgg Greuther Fürth noch vor der Eintracht. Wie beurteilen Sie die Chancen der Franken, die Klasse zu halten?

Funkel: Die SpVgg Greuther Fürth ist nicht mit Frankfurt zu vergleichen. Sie sind erstmals aufgestiegen und haben den Aufstieg nach den vielen Jahren guter Arbeit mehr als verdient. Sie müssen über die mannschaftliche Geschlossenheit kommen. Mike Büskens ist ein Trainer, der die positive Aggressivität, Besessenheit und das Erfolgsdenken vorlebt. Hinter ihm steht mit Helmut Hack ein Mann, der vernünftig wirtschaftet und Ruhe ausstrahlt. Fürth kann die Rolle spielen, die Augsburg in der vergangenen Saison gespielt hat.

bundesliga.de: Und Fortuna Düsseldorf? Sind die Rheinländer nach ihren viele personellen Änderungen so etwas wie die große Wundertüte?

Funkel: In der Tat, Fortuna Düsseldorf ist die große Wundertüte. Und das meine ich nicht negativ. Für die Fortuna wird die neue Saison ein Abenteuer. Sie gehen seit über vier Jahren ein unglaublich erfreulichen Weg. Die handelnden Personen Präsident Peter Frymuth, Sportchef Wolf Werner und Trainer Norbert Meier haben den Verein permanent verbessert. Das Problem der Fortuna ist, dass sie gezwungen war, die erfolgreiche Aufstiegsmannschaft zu verändern. Es wird sehr schwer, 15 oder 16 neue Spieler in der Bundesliga zu einer neuen Mannschaft zu formen. Mit Sascha Rösler, Thomas Bröker und Maximilian Beister ist die komplette Offensive weg. Aber in Düsseldorf herrscht dennoch nach der Bundesliga-Rückkehr nach 15 Jahren eine große Euphorie, sie haben ein tolles Stadion und ein großartiges Publikum. Ich bin gespannt wie sich das alles entwickelt.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski