Samstag, 17:34 Uhr, in der Mixed-Zone des Bremer Weser-Stadions: Ioannis Amanatidis, Stürmer von Eintracht Frankfurt, absolviert gerade die letzte Station seines Interview-Marathons und steht einem TV-Reporter Rede und Antwort.

Nach ihm ist sein Trainer Michael Skibbe dran, er wartet schon und hört zu.

"Ach, Freunde, das ist doch längst erledigt"

Als der Reporter die Frage nach dem Kapitänsamt stellt, mischt sich Skibbe lachend ein: "Ach, Freunde, das ist doch längst erledigt", sagt er und gibt Amanatidis einen jovialen Klaps. Auch dieser schmunzelt: "Es ist dazu alles gesagt, das Thema ist wirklich durch. Es ging für mich immer darum, das Beste für den Verein herauszuholen und das wird auch so bleiben."

Mit seinen zwei Toren beim 3:2-Auswärtscoup in Bremen hat der Grieche diese oft wiederholten Aussagen untermauert. In der Vorbereitung hatte die Entscheidung des neuen Coaches, Amanatidis das Kapitänsamt abzunehmen und es Christoph Spycher zu verleihen, für einigen Wirbel gesorgt.

Der Nationalstürmer, seit 2005 bei der Eintracht, war kurz darauf von allen Mannschaftsämtern zurückgetreten und im Training mit Mitspielern aneinander geraten. So, wie er aber in Bremen auftrat und in der Halbzeit mit Trainer und Kollegen abklatschte, deutet alles darauf hin, dass die Chemie im Team mittlerweile wieder hergestellt ist.

Amanatidis' starke Quote

Das Abklatschen zur Pause geschah, als die Frankfurter Spieler wieder den Rasen betraten. Amanatidis kam ihnen entgegen. Er hatte aus der ersten Halbzeit einen Pferdekuss mitgebracht und auf dem Rasen versucht, ein Verhärten des Oberschenkels zu vermeiden. Das scheiterte jedoch, er musste ausgewechselt werden und mit der Bilanz von zwei Toren aus 45 Minuten vorlieb nehmen.

Eine starke Quote, die einem starken Auftritt der gesamten Frankfurter Mannschaft geschuldet war. "Ich bin total einverstanden mit unserer Leistung, vor allem in der ersten Halbzeit", sagte Michael Skibbe nach dem überraschenden Erfolg beim Pokalsieger. Besonders im ersten Durchgang waren die Gäste den Hausherren mit einer tapferen Spielphilosophie ordentlich auf die Nerven gegangen. Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen zeigte sich hinterher entzückt: "Wir haben die Bremer mit unserem Direktspiel und unserer Präzision überrascht. Das war spielerisch sehr gekonnt."

Die Eintracht und ihr Leitmotiv

"Eine Frage des Mutes" - so fasste Ioannis Amanatidis das Leitmotiv dieses erfolgreichen Frankfurter Nachmittags zusammen. Sein Trainer bestätigte: "Man muss in der Bundesliga mitspielen können, man muss sich das trauen." Er hatte das die ganze Vorbereitung über deutlich gemacht: mit der Ankündigung, nach Möglichkeit zwei Stürmer aufzustellen und zu "attraktiven" Bundesliga-Spielen beitragen zu wollen. Und mit dem ausgerufenen Saisonziel: "So wie 2007/08!". Damals war die Eintracht Neunter geworden, das beste Ergebnis seit 1995. Skibbe hatte das mit dem Mut also deutlich vorgelebt.

In Bremen wurde er nun von einer engagierten und zielstrebigen Mannschaft belohnt. Obwohl dem Team in der zweiten Halbzeit die Sicherheit etwas verloren ging, die druckvollen Bremer sie häufig weit zurück drängten und dem 3:2 eigentlich näher waren. Bruchhagen hatte aber auch an Werders mangelnder Konsequenz vor dem Tor einen Frankfurter Anteil ausgemacht: "Sie haben in der ersten Halbzeit viel Kraft aufwenden müssen, am Ende fehlte ihnen dann die klare Linie."

Mit Zuversicht ins Nürnberg-Spiel

Zum laut Skibbe "richtigen Zeitpunkt" schlug die Eintracht ein drittes Mal zu und konnte sich zum Ende hin immer wieder "super befreien". Auch wenn letztlich allen Siegern bewusst war, dass man insgesamt schon etwas glücklich gewonnen hatte, war man doch stolz, selbst so viel zu diesem Glück beigetragen zu haben. "Ich bin nicht überrascht", sagte Michael Skibbe, "wir können das."

Dieser "sensationelle Start" (Amanatidis) lässt die Hessen nun auch mit großer Zuversicht auf die erste Heimaufgabe am 2. Spieltag gegen Nürnberg blicken. "Da gehen wir jetzt natürlich mit viel mehr Ruhe ins Spiel", so Chef Bruchhagen. "Mit einer solchen Leistung werden wir auch da gewinnen können", glaubt Amanatidis, der allerdings abweichende Ausgangsbedingungen erwartet: "Das wird ein ganz anderes Spiel, Nürnberg wird nicht so weit aufmachen wie Bremen."

Doch mit der neuen Philosophie und dem an der Weser gezeigten Mut scheint Eintracht Frankfurt auch für diese Aufgabe gewappnet zu sein.

Aus Bremen berichtet Enrico Bach