München - Wenn nur die letzten sechs Spieltage berücksichtigt werden, ist der 1. FC Nürnberg mit gerade mal zwei erspielten Punkten das mit Abstand schlechteste Team der Bundesliga. Alle anderen Vereine haben mindestens fünf Punkte auf ihrem Konto. Dabei fing die Saison für die Franken gut an. Nach dem 6. Spieltag belegte der "Club" mit zehn Punkten noch Platz 8. bundesliga.de sucht nach Gründen, warum Nürnberg sich im freien Fall befindet.

Mit der Partie in Gladbach (0:1) am 7. Spieltag begann eine unerklärliche Talfahrt. Die zu Saisonbeginn so kompakte Defensive wurde von den Gegnern teilweise mühelos ausgespielt. In den vergangenen sechs Partien kassierte der "Club" die meisten Gegentore aller Teams (14 - nach nur sechs in den ersten sechs Spielen). Besonders bei Zweikämpfen in der Luft waren die Nürnberger anfällig.

Unerklärliche Kopfballschwäche

Während der FCN in den ersten acht Pflichtspielen dieser Saison kein einziges Kopfball-Gegentor hinnehmen musste (an den ersten sieben Bundesliga-Spieltagen plus der Pokalpartie in Bielefeld), bekamen die Franken in den jüngsten sechs Partien immer mindestens eines (beim Pokal in Aue sowie in den letzten fünf Bundesliga-Spielen) vom Gegner eingeschenkt.

Das geht zu Lasten der Innenverteidigung, die nicht nur z.B. beim Kopfballtor von Mario Gomez zum 0:1 bei den Bayern viel zu weit vom Gegner weg war. So gewann Timm Klose an den ersten sechs Spieltagen 71 Prozent seiner Zweikämpfe, vom 7. bis 12. Spieltag waren es nur 58 Prozent. Ähnlich sieht es bei Philipp Wollscheid aus.

Der 22-Jährige siegte an den ersten sechs Spieltagen in 80 Prozent seiner Zweikämpfe, aber in den letzten sechs Partien nur 64 Prozent. Die vielen Gegentore lassen sich aber nicht nur an der Innenverteidigung festmachen: Insgesamt steht der "Club" längst nicht mehr so kompakt und überließ dem Gegner zuletzt häufig die Initiative und zu viel Raum.

Kein Aufbäumen beim FCN

An den ersten sechs Spieltagen hatten die Franken im Schnitt 53 Prozent der Ballkontakte, in den letzten sechs Partien waren es nur 44 Prozent. Zudem hat sich die Anzahl der gegnerischen Torschüsse verdoppelt und die Anzahl der Großchancen sogar verdreifacht. Weiterhin verursachten die Nürnberger nach zwölf Spieltagen mehr Elfmeter als es sonst der Fall war.

Die Strafstöße (alle wurden verwandelt) kosteten wertvolle Punkte, vier Mal schon verlor der "Club" nach einem Elfmeter gegen sich anschließend mit einem Tor Differenz und einmal gab es ein Remis. Zu guter Letzt kommt noch das Verletzungspech hinzu. Besonders der Ausfall von Torwart und Kapitän Raphael Schäfer war nicht zu kompensieren. Am nächsten Spieltag reisen die Nürnberger nach Gelsenkirchen. Ob Schalke der richtige Aufbaugegner ist, bleibt fraglich.