München - Das war ihm bisher in seiner ganzen Karriere noch nie passiert: Erst nach einer halben Stunde eingewechselt, musste Franck Ribery im DFB-Pokalfinale gegen den BVB in der zweiten Hälfte der Verlängerung wieder raus. Nach 80 Minuten war der Franzose völlig kraftlos, aber glücklich über sein viertes Double im Bayern-Trikot (nach 2008, 2010 und 2013). Bei bundesliga.de zieht er eine Saison-Bilanz.

bundesliga.de: Monsieur Ribery, wie beurteilen Sie die Saison 2013/14?

Franck Ribery: Im Endeffekt war es eine sehr gute Saison (zum Saisonfazit). Wir sind Deutscher Meister geworden - und zwar so früh wie keine andere Mannschaft zuvor. Wir haben unglaubliche Ergebnisse erzielt, wir waren 53 Spieltage ungeschlagen und die ersten 28 Spieltage in dieser Saison. Dabei haben wir auch noch attraktiven Fußball gezeigt. Dann haben wir nach einer überzeugenden Leistung im Endspiel gegen Borussia Dortmund, unserem schärfsten Konkurrent in Deutschland, den DFB-Pokal geholt. Wir haben das Halbfinale in der Champions League erreicht und sind gegen Real Madrid ausgeschieden, eine der Top-Mannschaften in Europa, was also keine Schande ist. Dann nicht zu vergessen: Wir haben auch den Uefa-Supercup gegen Chelsea gewonnen und wurden FIFA-Club-Weltmeister! Vier Titel! Insofern bin ich mit dieser Saison sehr, sehr zufrieden.

bundesliga.de: Vor dem DFB-Pokal-Finale hatten Sie noch betont, mit einer Niederlage gegen den BVB würden Sie die Saison eher als schlecht empfinden. Warum?

Ribery: Weil wir bis Ende März so gut wie perfekt gespielt haben und auf dem besten Weg waren, alle Rekorde zu brechen. Danach haben wir eine schwierige Phase durchgemacht. Wir wollten mit dem Double ein Zeichen setzen und mit erhobenem Haupt die Saison abschließen. Das ist uns gelungen.

bundesliga.de: Was hat Ihnen in dieser Saison am besten gefallen?

Ribery: Unser Champions-League-Auswärtsspiel bei Manchester City (3:1, Anm. der Red.) in der Gruppenphase. Das war Fußball vom Feinsten. Wir haben das Geschehen klar kontrolliert und dominiert. Vor eigener Kulisse hatte City gar keine Chance. Da hatte ich wahnsinnig viel Spaß. Ansonsten war es grandios, wie wir bis Ende März aufgetreten sind, mit einem unglaublichen Willen und tollen Kombinationen. Unsere Fans haben bestimmt ganz viel Spaß gehabt.

bundesliga.de: Aus welchen Gründen hat es nach der gewonnenen Meisterschaft nicht mehr so reibungslos funktioniert?

Ribery: Eigentlich wollten wir ja die erste deutsche Mannschaft sein, die eine Saison ohne eine einzige Niederlage beendet, leider ist uns das nicht gelungen. Wir haben sicherlich etwas nachgelassen und haben uns dann fast ausschließlich auf die Champions League fokussiert. Wir haben ein bisschen unseren Rhythmus verloren. Umso wichtiger war es, die Saison mit einem Sieg abzuschließen.

bundesliga.de: Welches Spiel oder Ereignis hat vor allem geschmerzt?

Ribery: Sicherlich die 0:4-Niederlage in der Allianz Arena gegen Real Madrid im Halbfinal-Rückspiel in der Champions League. Vor diesem Duell herrschte in unseren Reihen eine ausgezeichnete Stimmung, wir waren alle top motiviert und wir wollten unbedingt wieder ins Finale einziehen. Diese Niederlage war wie eine Watsch'n ins Gesicht. Das tat weh. Wir haben zu viele Fehler gemacht. In einem Champions-League-Halbfinale wird man dafür sofort bestraft. Aber so ist nun mal der Fußball. Danach sind wir wieder sofort aufgestanden. Wir haben eine tolle Moral bewiesen.

bundesliga.de: Und nun kommt die WM in Brasilien.

Ribery: Ich werde mich erst einmal drei Tage ausruhen, bevor es dann nach Paris zur Nationalmannschaft geht. Auch wenn ich am Samstag ein und dann ausgewechselt worden bin, fühle ich mich nach meinen Bandscheiben-Problemen immer besser. Ich freue mich auf meine dritte Weltmeisterschaft.

Das Gespräch führte Alexis Menuge