München - Gut eine Stunde war am Samstag zwischen dem FC Bayern München und dem VfB Stuttgart gespielt, als auf den Tribünen der Allianz Arena ohrenbetäubender Applaus aufbrandete. Der Grund dafür war mitnichten ein Treffer der Gastgeber, die zu diesem Zeitpunkt souverän mit 1:0 führten. Es war lediglich der Tatsache geschuldet, dass sich Franck Ribery seinen Trainingsanzug ausgezogen und auf den Weg zum Aufwärmen gemacht hatte.

Damit deutete sich der erste Einsatz des Franzosen in einem Pflichtspiel seit dem DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund am 17. Mai an. Und nachdem Ribery gegen die Schwaben 22 Minuten lang ein nicht nur wegen seines Treffers zum 2:0 überzeugendes Comeback gefeiert hatte, waren es nicht nur die Fans des FC Bayern, die sich über seine Rückkehr freuten. Mit einem gleichermaßen schwungvollen wie unberechenbaren Auftritt gab er dem Offensivspiel der Münchner eine zusätzliche Komponente, die gerade in den anstehenden Wochen mit wichtigen Partien im Drei-Tage-Rhythmus unverzichtbar sein wird.

Guardiola: "Wir brauchen Franck"

Insofern war die klare Aussage, die Trainer Pep Guardiola nach dem Schlusspfiff tätigte, wenig verwunderlich. "Wir brauchen Franck", betonte der Spanier. "Ich weiß, wie wichtig er für uns ist." Mario Götze, der für das 1:0 gesorgt hatte, merkte an, dass "wir uns alle freuen, dass er wieder zurück ist, wieder fit ist und wieder spielen kann. Das tut uns gut." Dass Ribery auf Einsätze brennt und vor Spielfreude nur so strotzt, stellte er sorfort unter Beweis: 3,3 Kilometer spulte er in 22 Minuten ab, war ständig als Anspielstation verfügbar und brachte 95 Prozent seiner Pässe zum eigenen Mitspieler.

"Es ist immer schön, wenn du wieder auf dem Platz bist. Ich musste lange warten. Ich freue mich, dass ich wieder bei der Mannschaft bin", sagte Ribery selbst. Dessen neuer Rauschebart steht mit seiner Wildheit geradezu sinnbildlich für seine unorthodoxe und für den Gegner kaum zu verteidigende Spielweise. "Ich bin natürlich noch nicht bei 100 Prozent. Ich habe sehr viel gearbeitet, aber Training und ein Spiel sind komplett anders. Ich brauche ich wieder Rhythmus."

Bereit für die Champions League

Den wird sich der Außenbahnspieler holen können. Beginnend mit dem Champions-League-Spiel gegen Manchester City am Mittwoch (ab 20.30 Uhr im Liveticker), warten auf den FC Bayern in den kommenden 14 Tagen fünf Partien. Guardiola ist mit Blick auf die Topspiele froh, auf einen Spieler "für den Unterschied" zurückgreifen zu können. "Ich mag Ballbesitz-Fußball, aber in den letzten zehn bis 15 Metern brauchen wir Spieler für Eins-gegen-eins-Situationen", führte der Coach aus. "Am Mittwoch brauchen wir eine gute Leistung", erklärte auch Thomas Müller. "Dabei kann und Franck helfen."

Ob Franck Ribery gegen Manchester City schon wieder eine Option für die Startelf ist, ließ Guardiola offen. Sicher ist hingegen, dass er bereit ist, beim FC Bayern wieder für spezielle Momente zu sorgen - und damit nicht nur die Fans, sondern auch seinen Trainer zu verzücken.

Aus München berichtet Jonathan Stockitt