Wenn gestandene Fußballprofis zu Franck Ribéry befragt werden, kommen sie ins Schwärmen. Harte Kerle klingen plötzlich, als hätten sie sich gerade eine klassische italienische Oper angesehen oder das Naturschauspiel der Niagarafälle hautnah erlebt.

Ribéry verzückt sie alle. Mitspieler, Gegenspieler, Fans, Medien und Vereinsbosse. In London und Madrid sucht man vergebens nach einer Möglichkeit, den Ausnahmespieler von der Isar weg zu locken. Doch nicht immer wurde der Franzose so gefeiert. Erst viele Lehrjahre ließen diesen Diamanten glänzen.

Schwere Kindheit

Aus der Ärmelkanal liegenden französischen Arbeiterstadt Boulogne-sur-Mer stammend hatte Ribéry in seiner Kindheit mit Hänseleien zu kämpfen. Er gehörte schon damals nicht zu den körperlich Größten und seit frühester Kindheit erinnert ihn eine Narbe im Gesicht an einen schweren Autounfall. Als Ribéry zwei Jahre alt war knallte er bei einem Crash durch die Windschutzscheibe.

Immer wieder antwortete er auf das Gespött mit aggressivem Verhalten. Trotz seines früh vorhandenen Talents hatte er es schwer, sich in einem Verein zu integrieren. Dennoch kam er im Jugendinternat des OSC Lille unter. Doch auch dort blieb er nicht lange. Der Grund waren schlechte Schulnoten.

Schuften auf dem Bau

Ribéry schlug sich schon in seiner Teenagerzeit bei kleineren Clubs rum. Für 150 Euro im Monat kickte er beim US Boulogne. Später versuchte er sein Glück in Alès. Das Engagement endete, nachdem der Verein den begnadeten Mittelfeldspieler nicht bezahlen konnte.

Er kehrte nach Hause zurück und arbeitete eine Zeit lang auf dem Bau. Es schien, als sei das Abenteuer Fußball beendet gewesen. "Sämtliche Erdarbeiten" habe er gemacht, "Leitungen legen, Löcher machen und schließen, all das", sagte Ribéry. "An der Seite meines Papas zu arbeiten war eine Lehre für mich."

Durchbruch in Marseille

Das Raubein fing an, an sich zu arbeiten. Er erkannte, dass er nur mit viel Disziplin und einem eisernen Willen ganz weit kommen konnte. Die neue Einstellung gefiel dem FC Metz. Der bot Ribéry 2004 seinen ersten Profivertrag an. Der kleine Ballzauberer spielte eine geniale Hinrunde, wurde dann aber nach Istanbul abgegeben.

Mit Galatasaray gewann er den türkischen Pokal. Doch erneut gab es Probleme mit dem Gehalt. Und so wechselte er zu Olympique Marseille. Schon in seiner ersten Saison 2005/06 entwickelte sich Ribéry zum absoluten Leistungsträger. Keine unangemeldeten Discobesuche, keine Raufereien, pünktliches Gehalt: der "neue Zidane" war erwachsen geworden und spielte sich in die Herzen der Franzosen.

In München verehrt

2006 verhalf er Frankreich zur Vizeweltmeisterschaft. Ein Jahr später wechselte Ribéry zum FC Bayern München. Ein Coup, der sich bezahlt machte. Auf Anhieb wurde er Deutscher Meister und Pokalsieger. Es folgten unzählige nationale und internationale Ehrungen.

In München wird Ribéry verehrt, gefeiert und sogar - zumindest eine Zeitlang auf einem Plakat - als König von Bayern gehuldigt. Vom Straßenjungen zum Straßenfeger. Die Geschichte des Franck Ribéry ist eine, die eben nur der Fußball schreiben kann…

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