London/München - Der Zeitpunkt steht fest. Die Strecke ist festgelegt. Die Anwohner sind informiert. Sollte der FC Chelsea am Samstag das Finale der Champions League in München gegen den FC Bayern gewinnen, wird es eine Parade in London geben. Tausende werden erwartet.

Doch die "Blues", die vor rund eineinhalb Wochen den prestigeträchtigen FA-Cup gewannen, haben auch klar gemacht: Dies ist ein Plan für den Fall der Fälle, weil so etwas nicht von heute auf morgen geht - "es wird keine Parade geben, wenn wir das Champions-League-Finale verlieren."

Di Matteo denkt nicht an seine Zukunft



So oder so ist ungewiss, was beim FC Chelsea passiert, wenn das Endspiel am Samstag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) vorüber ist.

Sechs Tage zuvor ist im schicken Cobham Training Centre in Stoke D'Abernon südwestlich von London eine allgemeine Ungewissheit zu spüren - sie betrifft vor allem Roberto Di Matteo. Eventuelle Vertragsgespräche mit dem Coach, der am 4. März den Portugiesen Andre Villas Boas abgelöst hat, sind nicht vorgesehen. Bislang zumindest. Ob das Endspiel an seiner Zukunft etwas ändert? "Ich denke, das Spiel kann die Geschichte unseres Fußball-Clubs entscheiden - nur darauf kommt es an, nur daran denke ich", sagt der 41-Jährige.

Einige Personalprobleme



Abgesehen davon, dass Didier Drogba, der bullige ivorische Angreifer, am Samstag womöglich sein letztes Spiel für die "Blues" bestreiten wird, trägt auch die Personalsituation zur allgemeinen Ungewissheit bei: Der FC Chelsea muss in München ohnehin schon ohne die beiden Abwehrspieler John Terry (Rotsperre) und Branislav Ivanovic sowie die Mittelfeldspieler Raul Meireles und Ramires (alle Gelbsperre) auskommen. Nun droht auch noch der Ausfall von Florent Malouda. Der Franzose ist am Oberschenkel verletzt. "Wir müssen abwarten", sagte Di Matteo am Dienstag beim "Media Day" in Cobham. Es sieht nicht gut aus.

Immerhin, die Abwehrspieler David Luiz und Gary Cahill nahmen am Dienstag das Training wieder auf - sie hatten seit April nicht mehr gespielt. Ohnehin aber hinterlässt Di Matteo nicht den Eindruck, als sei er ein Typ, der ständig sein Leid klagt. Das Finale sei eben ein Finale, da könne alles passieren, die Chancen stünden "für beide Mannschaften bei fünfzig zu fünfzig."

Und selbst der gesperrte Kapitän John Terry, sagte der Teammanager, wird zum Erfolg beitragen: "Er und die anderen gesperrten Spieler werden den Rest des Teams unterstützen, und diese Unterstützung wird vor dem Spiel und am Spieltag wichtig sein."

Mata beschwört das Schicksal



Am wenigsten Unterstützung benötigt vermutlich noch Juan Mata. Der 24 Jahre alte Spanier ist bei Chelsea gerade zum Spieler des Jahres ernannt worden, und geht es nach ihm, dann sind die "Blues" womöglich vorbestimmt, vier Jahre nach der Niederlage im Champions-League-Finale gegen Manchester United (5:6 i.E.) diesmal den Titel zu gewinnen: "Vielleicht ist es unser Schicksal", sagt Mata. Im Achtelfinale gegen Neapel seien sie ja schließlich schon praktisch draußen gewesen. In der Premier League "haben wir nicht erreicht, was wir wollten, was wir verdient haben", ergänzt er.

Der FC Chelsea ist Sechster geworden in der Meisterschaft, um in der neuen Saison Champions League spielen zu können, müssen die "Blues" das Endspiel gewinnen, und nicht nur, weil es "das wichtigste Spiel in Europa ist", wie Mata sagt. "Du hast vielleicht nur einmal die Chance, es zu spielen, also musst du das ausnutzen." Ganz gleich, wie groß die Ungewissheit vorher ist.