Herzliche Begrüßung: Friedhelm Funkel (l.) und Christian Streich beim letzten Aufeinandertreffen im Mai - © imago images / Beautiful Sports
Herzliche Begrüßung: Friedhelm Funkel (l.) und Christian Streich beim letzten Aufeinandertreffen im Mai - © imago images / Beautiful Sports
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Friedhelm Funkel gegen Christian Streich - die dienstältesten Bundesliga-Trainer im Duell

Am 6. Spieltag empfängt Fortuna Düsseldorf den Sport-Club Freiburg. Dabei stehen die beiden dienstältesten Trainer der Bundesliga an der Seitenlinie: Friedhelm Funkel (65) und Christian Streich (54). Die beiden sind die Trainer, die am längsten bei ihrem aktuellen Club unter Vertrag stehen. Und dennoch sind sie immer wieder für Überraschungen und Bemerkenswertes gut.

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Die Auszeichnungen erreichten Friedhelm Funkel spät. Manch einer, der es mit dem Trainer von Fortuna Düsseldorf hält, mag das als späte Genugtuung empfunden haben. Das Fußball-Magazin 11Freunde erklärte den gebürtigen Neusser zum Trainer des Jahres, für die Zeitschrift SportBild war er die Überraschung des Jahres - im Alter von 65 Jahren hatte Funkel also etwas geschafft, dass offenbar niemand von ihm erwartet hatte. Beim Fachblatt Kicker landete er in der Wahl zum Trainer des Jahres hinter Jürgen Klopp - gut, der hatte gerade mit dem FC Liverpool die Champions League gewonnen. Funkel hatte Aufsteiger Fortuna Düsseldorf mit einer überragenden Saison in der Bundesliga gehalten.

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Mitten in dieser Spielzeit, 2018/19 war das, entschieden die Verantwortlichen des Clubs: Es wird zur folgenden Saison einen neuen Trainer geben. Das ließ Christian Streich aufhorchen. "Brutal schade", hätte es der Coach des Sport-Club Freiburg gefunden. "Nicht gut für uns", dachte er dann, als er kurze Zeit später erfuhr, dass sein Zunft-Genosse über das Fußball-Jahr hinaus in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt bleiben würde. Streich kennt Funkel, er hatte schließlich lange genug Zeit, ihn zu beobachten. Umgekehrt verhält sich das ebenso. Denn die beiden sind die dienstältesten Trainer der aktuellen Bundesliga-Teams. Am Sonntag, 15.30 Uhr, treffen sie in Düsseldorf aufeinander.

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Erst das dritte Duell zwischen Funkel und Streich

Überraschend - und wirklich überraschend - ist dabei, dass es erst das dritte direkte Duell der beiden Trainer-Routiniers ist. Streich ist seit Dezember 2011 Trainer der Breisgauer, betreut das Team damit schon seit beinahe acht Jahren. Funkel hingegen kam im Juni 1991 zu seinem ersten Bundesliga-Job: Damals wurde er Trainer von Bayer 05 Uerdingen. Seit dem 14. März 2016 trainiert er Fortuna Düsseldorf, und ist damit nach Streich der Mann, der am längsten bei seinem aktuellen Club ist.

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Mehr als 28 Jahre nach seinem ersten Job aber ist er dazu fähig, Fußball-Kenner zu überraschen. Obwohl sein Erfolgsrezept doch ein ganz und gar probates, wenn nicht sogar selbstverständliches ist: "Ich vertraue meinen Spielern, und meine Spieler vertrauen mir", verrät er - Funkel, der Teamplayer.

Als er Mitte dieses Jahres die zwei Auszeichnungen erhielt, da nahm er den Ball auf und spielte ihn gekonnt weiter in die Richtung, die er für die richtige erachtete: "Das freut mich, aber ich weiß, dass man Erfolg nur als Team haben kann", sagte Funkel, der in dieses Team auch gleich Gattin Anja mit einschloss: "Wir unterhalten uns viel über Fußball, sie ist eine sehr große Hilfe für mich." Funkel, der Familienmensch, der zwei wichtige Grundsätze über alles stellt: "Normalität und Vertrauen".

Normal. Ganz ohne Schnickschnack hat er die Fortuna in der Bundesliga gehalten, was seinen Kontrahenten am Sonntag einerseits freut und andererseits warnt.

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Christian Streich, 54 Jahre alt und seit 2011 für den SC Freiburg verantwortlich, ist - anders als Friedhelm Funkel - ein Mensch, bei dem öffentliche Anerkennung und Bewunderung schon länger zum Tagesgeschäft gehören. Einerseits, weil er es Jahr für Jahr schafft, sein Team trotz regelmäßiger Abgänge von Leistungsträgern bei Laune zu halten und erfolgreichen Fußball zu spielen. Auf der anderen Seite, weil er ein Mann ist, der das deutliche Wort nie scheut. Ganz gleich, über was er spricht. Es lässt sich daher mit Fug und Recht behaupten, dass Streich ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher Trainer ist.

Klare Worte, deutliche Meinung - Streich ist ein bemerkenswertes Original

Seit mehr als 28 Jahren gehört er zum SC Freiburg, trainierte zunächst Jugendmannschaften des Vereins, war später von 2007 bis 2011 Co-Trainer. Dann beerbte er Marcus Sorg und führte den SCF zum Klassenerhalt. Ein Achtungserfolg, doch dabei blieb es für Streich nicht. Fast ebenso bekannt wie seine Trainer-Fähigkeiten machten ihn seine Aufsehen erregenden Pressekonferenzen und TV-Auftritte.

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Mal äußert er sich zu gesellschaftlichen Themen wie Klimaschutz, Ernährungsformen und Tierwohl. Dann zeigt er sich emotional, wenn sein Ex-Spieler Matthias Ginter im ZDF-Sportstudio lobende Worte für dessen ersten Profi-Trainer findet. Mit glasigen Augen saß er da, und jeder Zuschauer wusste, dass Streich das nicht zu spielen brauchte. Es sprach aus ihm, er ist ein bemerkenswertes Original.

Über ihn sagte Alfred Schreuder, der Trainer der TSG Hoffenheim, bei der der Sport-Club in dieser Saison mit 3:0 gewonnen hat: "Er ist ein Trainervorbild für die ganze Bundesliga."

Dominik Hamers