München - Im Tabellenkeller der Bundesliga tut sich etwas. Augsburg und Hoffenheim haben die Mission Aufholjagd durchaus vielversprechend gestartet, auch Fürth hat noch alle Chancen. Dagegen schwächelten Düsseldorf und Nürnberg etwas. Friedhelm Funkel, langjähriger Bundesliga-Trainer und durch seine Engagements bei Köln, Hertha und Frankfurt und Abstiegskampf-Experte, verrät im Interview mit bundesliga.de, wie er die Lage einschätzt.

bundesliga.de: Herr Funkel, die Vereine im Tabellenkeller versuchen auf verschiedene Arten zum Erfolg zu kommen. Während Hoffenheim auf die Defensive setzte und gegen Mönchengladbach 0:0 spielte, ging Augsburg beim 3:2-Sieg in Düsseldorf forscher zu Werke.

Funkel: Bei Hoffenheim ist es verständlich, dass der neue Trainer Marco Kurz die Abwehr verstärkt hat. Die Mannschaft hat in der Hinrunde sehr viele Gegentore bekommen. Das ging schon los mit dem 0:4 im Pokal beim Regionalligisten Berliner AK. Sie haben es in der gesamten Hinrunde nicht geschafft, kompakt zu stehen. Dass sie dann im ersten Spiel im neuen Jahr versuchen, ein bisschen kompakter zu stehen, ist völlig normal. Mit ein bisschen Glück hätten sie das Spiel gegen Mönchengladbach sogar noch in der allerletzten Sekunde gewonnen.

bundesliga.de: Ist Hoffenheim im Tabellenkeller im Nachteil, weil dort niemand auf Abstiegskampf eingestellt war?

Funkel: Nein. Ich glaube schon, dass sie in Hoffenheim inzwischen so realistisch sind, dass sie genau wissen, dass sie ursprüngliches Ziel überhaupt nicht mehr erreichen können. Sie kämpfen nur um die Zugehörigkeit zur Bundesliga. Der Mannschaft traue ich trotz allem am meisten zu. Sie können sich noch zwei, drei Plätze nach oben orientieren.

bundesliga.de: Wie hat Ihnen der FC Augsburg gefallen?

Funkel: Der FC Augsburg hat wirklich gut gespielt. Sie haben mutig nach vorne agiert, waren sehr laufstark. Auch wenn die Tore letztendlich glücklich zustande gekommen sind, haben sie verdient gewonnen. Die Spielanlage hat mir gut gefallen. Augsburg hat der Fortuna große Probleme bereitet.

bundesliga.de: Was lief bei Düsseldorf schief?

Funkel: Fortuna war an diesem Tag einfach nicht da. Sie haben die Aggressivität und die Laufbereitschaft, die sie zuletzt ausgezeichnet hat, vermissen lassen. Sie werden ihre Lehren aus dem Spiel ziehen. In der zweiten Halbzeit haben sie schon besser gespielt. Trotzdem dürfen und werden sie sich auch nicht zu sicher fühlen. Dafür kenne ich auch Norbert Meier zu gut. Sie hätten mit einem Sieg einen Riesensprung machen können. Den haben sie verpasst. Jetzt werden sie vielleicht wieder ein bisschen nervöser.

bundesliga.de: Wie groß ist die Gefahr, dass die Fortuna noch in einen Negativstrudel gerät?

Funkel: Das kann passieren. Sich dann daraus wieder zu befreien, wird nicht einfach. Man denke nur an die Frankfurter Eintracht vor zwei Jahren oder der 1. FC Köln im letzten Jahr. Allerdings waren in Köln viele Probleme hausgemacht. Das wird es bei Fortuna nicht geben. Sie haben eine erstklassige Führung. Wenn es so kommen sollte, werden sie in Düsseldorf mit Sicherheit kühlen Kopf bewahren. Deshalb glaube ich, dass Fortuna in der Bundesliga bleiben wird. Allerdings wird es wie gesagt noch einmal eng, wenn sie in den nächsten zwei, drei Spielen keinen Sieg einfahren. Und dann kommen vielleicht die Angst und die Erinnerung an die Rückrunde der 2. Bundesliga in der letzten Saison dazu. Die Fortuna muss jetzt schleunigst ein Spiel gewinnen.

bundesliga.de: Wie gefährdet schätzen Sie den 1. FC Nürnberg ein?

Funkel: Auch Nürnberg darf sich wie Düsseldorf nicht zu sicher sein. Sie können auch noch unten reinrutschen. Sie haben mit Dieter Hecking eine Persönlichkeit verloren, der diesen Verein in den letzten drei Jahren geprägt hat. Nürnberg hat aber das Glück, dass der Co-Trainer Armin Reutershahn weiterhin da ist. Er ist ein erfahrener Mann und seit über 20 Jahren in der Bundesliga. Er wird den neuen Trainer Michael Wiesinger mit Sicherheit unterstützen. Nürnberg scheint mir defensiv gefestigt zu sein, sie haben mit Balitsch, Schäfer, Pinola und Nilsson erfahrene Spieler. Ich glaube nicht, dass es für den Club noch einmal richtig eng wird, aber er muss natürlich aufpassen. Er ist noch nicht durch.

bundesliga.de: Gibt es noch Hoffnung für Fürth?

Funkel: Der Abstand von Fürth auf den Relegationsplatz ist nicht hoffnungslos. Die Fürther haben sehr viel Lehrgeld zahlen müssen in der Hinrunde. Sie haben gute Spiele gemacht, aber einfach nicht das Tor getroffen. So begeisternd und torgefährlich sie in der 2. Bundesliga gespielt haben, so glücklos waren sie in der Hinserie. Sie tun mir auch ein bisschen leid, weil sie so viel investieren. Sie haben noch eine Chance, aber sie müssen einmal damit anfangen, Spiele zu gewinnen. Für Fürth wird es am allerschwersten.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski