Marseille - Es ist ein traumhaftes Panorama. Vom Balkon des noblen Strandhotels "Pullmann Beach" in Marseille fällt es den Spielern des FC Bayern sicherlich ein wenig schwerer als sonst, die Konzentration auf das anstehende Viertelfinalhinspiel der "Königsklasse" gegen Olympique Marseille zu richten.

Azurblauer Himmel, das Meer kräuselt sich nur ab und an, um ein Lebenszeichen von sich zu geben, und die Sonne erwärmt die Luft auf angenehme 23 Grad Celsius. Im kleinen Sporthafen sind die Segler ob der Windstille zur Passivität verurteilt und dümpeln vor sich hin. Wer möchte da schon an Fußball denken?

Großer Respekt



Doch bei der abschließenden Pressekonferenz im Amphitheater des Hotels ließen Jupp Heynckes, Philipp Lahm und Franck Ribery keinen Zweifel daran, dass die Bayern die Operation "Finale in der heimischen Allianz Arena" weiterhin fest im Visier haben und sich nicht von optischen Höhepunkten ablenken lassen.

"Marseille hat die Gruppenphase gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund überstanden und im Achtelfinale einen Club wie Inter Mailand ausgeschaltet. Da kann man davon ausgehen, dass uns ein großer Kampf bevorsteht. Aber wir sind selbstbewusst genug, um ein gutes Resultat zu erzielen", sagte Trainer Jupp Heynckes.

Nach den Tor-Festivals gegen Hoffenheim, Basel und in Berlin mussten die Münchner zuletzt im Elfmeterkrimi im Pokal in Gladbach und beim 2:1 gegen Hannover an die Grenzen gehen. Insgesamt zeigte sich der Rekordmeister aber gefestigt. So soll es weitergehen.

Ribery trifft auf seinen Ex-Club



"Wir müssen an die Leistungen der vergangenen Wochen anknüpfen, genauso konzentriert zu Werke gehen und jeder einzelne muss Akzente setzen. Wichtig wird sein, dass wir unsere Chancen nutzen. Dann bin ich sicher, dass wir mit einem guten Ergebnis nach Hause fliegen", erklärte Philipp Lahm.

Viel wird wohl wieder davon abhängen, wie die beiden Flügelspieler Arjen Robben und Ribery im Stade Velodrome auftreten. Vor allem für Ribery könnte es bei seinem Ex-Club ein Spießrutenlauf werden. Am Flughafen wurde er aber herzlich von einigen L OM-Fans empfangen.

"Auf dem Weg im Bus zum Hotel sind viele schöne Erinnerungen aufgekommen. Die Fans haben mir Sympathie entgegengebracht. Ich habe die gleiche Mentalität wie sie. Ich liebe den Fußball und gebe immer alles", meinte Ribery.

Schweinsteiger-Einsatz noch offen



Genau das erwartet Heynckes auch vom Gegner. "Marseille besticht als kollektiv. Sie sind physisch sehr stark und haben darüber hinaus noch einige sehr talentierte Spieler in ihren Reihen. Sie werden mit sehr viel Emotionen und aggressiv zu Werke gehen", so Heynckes.

Ob der 66-Jährige angesichts dieser kampferprobten Mannschaft Bastian Schweinsteiger nach seiner Fußreizung wieder ins Gefecht werfen wird, ließ er offen. "Wir warten am Mittwoch noch das Vormittagstraining ab - dann entscheide ich, ob ich ihn mit in den Kader nehme", gab Heynckes zu Protokoll.

Sollte Schweinsteiger nicht spielen können, müsste er nicht ganz so enttäuscht sein. Denn am Sonnenstrand von Marseille dürften ihm als Rahmenprogramm vor dem Spiel etliche Möglichkeiten offen stehen.

Aus Marseille berichtet Michael Reis