Berlin - Ein heißer Wind fegte durchs Olympiagelände und ließ ein mediterranes Gefühl in der Hauptstadt aufkommen. In München kennen sie das Gefühl, wenn von den Bergen her der Fön durchs Alpenvorland peitscht und bei einigen geplagten Zeitgenossen die berüchtigten Kopfschmerzen auslöst.

Philipp Lahm und Jupp Heynckes machten jedoch nicht den Anschein, als ob sie sich vom verfrühten Sommer beeinträchtigen ließen. Bester Laune präsentierten sich Kapitän und Cheftrainer der Bayern bei der offiziellen Pressekonferenz und richteten sogleich ihr Augenmerk auf das erste richtige Highlight der Saison - das Pokalfinale gegen Borussia Dortmund (ab 19:45 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Pokal vor der Brust - "Finale dahoam" im Kopf



"Der Pokalsieg ist ein großes Ziel für meine Mannschaft und für mich persönlich", referierte der FCB-Coach vor den Medienvertretern. "Deswegen fokussieren wir uns erst einmal auf das Pokafinale gegen den BVB." Sprich: Die Spieler sollen möglichst die Gedanken an die Champions League ausblenden - doch geht das überhaupt? Zu omnipräsent erscheint das "Finale dahoam” in der bayerischen Landeshauptstadt.

"Das kann man natürlich nicht aus den Köpfen der Spieler streichen", ist sich Heynckes bewusst - ohne jedoch Sorge zu haben, dass seine Spieler sich davon beeinflussen ließen. Und auch für Mario Gomez ist das Großereignis eine Woche später kein Problem: "Es geht nur darum, Dortmund zu schlagen", hatte der Nationalstürmer dieser Tage offenbart, "Wir gehen auf den Platz, ohne eine Sekunde daran zu denken, was danach passiert."

"Perfekten Tag haben"



Motivation genug dürfte die Bayern allein die Tatsache ziehen, dass es gegen den Erzrivalen aus Dortmund geht, der ihnen zum zweiten Mal in Folge die Meisterschaft abspenstig gemacht hatte. "Ein Stoppschild”, kündigte Thomas Müller bereits nach dem letzten Bundesligaspieltag an, wolle man dem BVB vor die Nase setzen, nachdem es die Westfalen gewagt hatten, das bajuwarische Starensemble vier Mal in Folge in die Schranken zu weisen.

Einen besonderen Druck, den aufmüpfigen Emporkömmling zum ersten Mal seit zwei Jahren zu bezwingen, spürt Philipp Lahm indes nicht. "Bei uns herrscht immer Druck, denn wir wollen Titel gewinnen. Wenn es am Ende für keinen einzigen reicht, dann war es keine gute Saison für den FC Bayern." Und genau deshalb wolle man am Samstag damit anfangen.

Dass es gegen Dortmund jedoch keinesfalls ein Selbstläufer wird, hatte Arjen Robben bereits unmissverständlich klar gemacht. "Es wird ein enges Spiel, und kleine Details werden entscheiden. Du musst einen perfekten Tag haben. Wir werden alles versuchen, den Pokal zu gewinnen. Aber wir spielen gegen eine sehr gute Mannschaft."

Heynckes zuversichtlich



Dem pflichtet auch der Bayern-Trainer bei: "Der amtierende Meister mit seinem Rekordergebnis ist normalerweise favorisiert", sagt Heynckes. "Aber wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir den BVB schlagen können. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir diesmal dran sind."

Dass seine Schützlinge bei einem möglichen Erfolg gegen Dortmund auf Feierlichkeiten verzichten würden, um das zweite Finale nicht zu gefährden, hält Heynckes für selbstverständlich. "Bei solch einer Konstellation spricht man nicht über solche Banalitäten. Die Spieler wissen, dass sie auch nächste Woche noch ein großes Ziel haben und wie sie sich verhalten müssen."

Eine Kaltfront soll noch vor dem Finale das Sommerfeeling jäh beenden und für einen Temperatursturz in der Hauptstadt sorgen. Kopfschmerzen dürfte es für die Bayern-Profis am Samstagabend also nicht geben. Weder durch den warmen Wind, noch durch einen Kater.

Aus Berlin berichtet Johannes Fischer