Hamburg - Es war ein Wechselbad der Gefühle, wie es in dieser Intensität im Sport selten vorkommt. Da war Borussia Mönchengladbach in Hamburg am letzten Spieltag zwischenzeitlich dem Klassenerhalt nahe, musste wenig später wieder um den Verbleib in der Bundesliga zittern, um dann am Ende trotz des Erreichens der Relegation (noch) mit leeren Händen dazustehen.

"Die Saison ist noch nicht zu Ende. Wir haben jetzt noch zwei Spiele. Und darauf sollten wir uns ab sofort konzentrieren", erklärte Marc-Andre ter Stegen nach dem 1:1 beim HSV im bundesliga.de-Interview. In seinem Gesichtsausdruck war von Erleichterung über das Erreichen des Minimalzieles Platz 16 nichts zu erkennen. Gegen den VfL Bochum, der ebenfalls erst am letzten Spieltag den 3. Rang der 2. Bundesliga sicherte, fangen beide Teams bei null an.

"Ziel noch nicht erreicht"

"Wenn uns jemand nach der Hinrunde mit zehn Punkten und dem letzten Tabellenplatz gesagt hätte, ihr erreicht am Ende die Relegation, hätten wir dankend angenommen. Wir haben uns die Chance, in der Bundesliga bleiben zu können, hart erarbeitet und wollen die Aufholjagd nun natürlich auch mit diesen zwei Spielen positiv abschließen. Denn unser Ziel haben wir bisher noch nicht erreicht und werden daher weiter hart und konzentriert arbeiten", meinte Abwehrchef Martin Stranzl.

Mittelfeld-Star Marco Reus stellte vor dem ersten Duell am 19. Mai schon einmal deutlich heraus, wie die Rollenverteilung im rewirpowerSTADION sein wird: "Als Bundesligist sind wir der Favorit, und so wollen wir auch in beide Spiele gehen." Dass der Zweitligist naturgemäß als Außenseiter gilt, davon wollte Lucien Favre aber so gar nichts wissen. "Viele sagen, wir sind in der Relegation der Favorit. Ich sage, es gibt keinen Favoriten. Die Chancen stehen 50 zu 50", sagte Gladbachs Trainer.

Regeneration vor der Relegation

Der Schweizer sieht sogar einen Vorteil auf Seiten der Bochumer. "Wir haben den Druck, nicht der Gegner. Das müssen wir akzeptieren", meinte er, fügte jedoch hinzu: "Aber ich bin sehr optimistisch." Um seine Spieler bestmöglich auf die zwei Endspiele einzustimmen, wird er ihnen den nötigen Freiraum lassen. "Was wir bis Donnerstag machen, ist mehr Erholung als Training. Wir werden nur regenerieren. Die Relegation ist etwas ganz anderes als die Bundesliga, wir dürfen da nur positive Gedanken haben", verkündete Favre.

Das versuchten die Spieler auch schon in den Katakomben der Imtech-Arena nach dem Remis gegen den HSV. "Wir müssen uns jetzt sehr schnell wieder fangen und alle Konzentration auf den nächsten Gegner richten", forderte Stürmer Mike Hanke. Denn "egal wie, aber wir müssen die Klasse halten. Vor sechs Wochen hat uns jeder abgeschrieben, aber wir haben an uns geglaubt. Jetzt sind wir heiß auf diese beiden Spiele."

Aus Hamburg berichtet Michael Reis