Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach steht auch nach dem 2. Spieltag der Bundesliga ohne Punkt da. Die Fohlen verloren nach der Auftaktniederlage in Dortmund auch zuhause gegen den 1. FSV Mainz 05 mit 1:2. Es fehlt aktuell vor allem an der defensiven Stabilität und einer konsequenten Chancenverwertung.

Im Fußball geht es manchmal rasend schnell - von unten nach oben genauso wie umgekehrt. Gladbachs Auftaktgegner Borussia Dortmund startete innerhalb eines halben Jahres von Platz 18 durch bis auf Rang 1. Und bei Borussia Mönchengladbach, der mit Abstand besten Rückrundenmannschaft der Vorsaison, läuft aktuell nicht viel zusammen. In den ersten sechs Monaten des Jahres war die Borussia noch ein eingespieltes Bollwerk, das 39 Punkte holte und nur zehn Gegentore zuließ. Jetzt sind es nach nur zwei Spieltagen null Punkte, aber bereits sechs Gegentreffer.

"Automatismen wieder bekommen"

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Noch besteht kein Grund zur Panik, doch Vorsicht ist geboten. "Wir müssen uns ein Stück weit neu finden, unsere Automatismen wieder bekommen und wieder geschlossen als Mannschaft verteidigen. Daran hapert es im Moment", hat Sportdirektor Max Eberl erkannt. Gegen Mainz wirkte die Borussia vor allem in der ersten Halbzeit defensiv unsortiert. Die Gästeführung war hochverdient und hätte sogar höher ausfallen können. Doch Latte und Pfosten des Gladbacher Gehäuses verhinderten einen ähnlich hohen Pausenrückstand wie eine Woche zuvor in Dortmund, als es nach 45 Minuten bereits 0:3 stand.

Überhaupt hat die Elf von Lucien Favre in allen drei Pflichtspielen der Saison den ersten Durchgang komplett verschlafen. Personelle Veränderungen als Ursache will Mannschaftskapitän Tony Jantschke nicht gelten lassen. "Martin Stranzl hat schon in der Rückrunde nicht viel gespielt. Drei Spieler unser Abwehr vom Mainz-Spiel haben auch schon in der vergangenen Saison verteidigt. Daran liegt es nicht", sagt der 25-Jährige. "Wir sind im Moment nicht so stabil wie in den Jahren zuvor."

Viele Chancen vergeben

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Trotz aller Probleme im Defensivverhalten hätte die Elf vom Niederrhein gegen Mainz nicht verlieren müssen. Nach dem Seitenwechsel und dem schnellen Ausgleich durch Patrick Herrmann vergaben die Borussen eine Reihe hochkarätiger Möglichkeiten. "Mainz hatte vier Chancen und hat zwei Tore gemacht, wir hatten zehn Möglichkeiten und haben nur einmal getroffen", wollte Granit Xhaka gezählt haben. So eindeutig zugunsten der Borussia war das Chancenverhältnis dann allerdings nicht.

Mönchengladbach steht nun weiterhin am Tabellenende und das in der Woche der Auslosung zur Champions-League-Gruppenphase. Dass die Spieler in Gedanken schon zu sehr bei der Königsklasse seien, wurde von allen Seiten vehement bestritten. "Die Champions League wabert um uns herum und ist allgegenwärtig. Das können wir gar nicht verhindern", sagt Max Eberl. "Langsam nervt das Gerede von der Champions League und der Auslosung", findet auch Tony Jantschke. "Es war aber immer klar, dass die Bundesliga unser Tagesgeschäft ist."

"Haben uns den Start anders vorgestellt"

Nun gilt es, Ruhe zu bewahren und hart zu arbeiten. "Es fehlen fünf Spieler, die in der letzten Saison eine wichtige Rolle gespielt haben. Es gilt eine neue Mannschaft aufzubauen. Und dieser Aufbau bedarf Zeit", erklärt Max Eberl. "Wir versuchen es durch die Neuzugänge zu kompensieren. Aber wir wissen auch, dass dies bei unserem System Zeit benötigt."

In der Bundesliga will Borussia nun am kommenden Sonntag in Bremen die Kurve zu kriegen. "Wir haben uns den Start anders vorgestellt. Aber ich bin überzeugt, dass wir in Bremen punkten", gibt sich Granit Xhaka kämpferisch. "Wir sind Männer genug, um das wieder gutzumachen." Übrigens: bei allen Vergleichen zur tollen Vorsaison bleibt festzustellen, dass die Fohlen aus den Spielen in Dortmund und gegen Mainz in der vergangenen Spielzeit auch nur einen Punkt geholt haben. Insofern ist noch nicht viel passiert.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski