München - Arjen Robben und Franck Ribery haben sich beim 4:0 gegen Hoffenheim eindrucksvoll zurückgemeldet. Das Duo lässt den FC Bayern wieder von einem versöhnlichen Saisonende träumen. Dass die Leistungssteigerung allein am Gala-Auftritt der Flügelflitzer lag, wollte beim Rekordmeister anschließend aber niemand so stehen lassen.

Bemerkenswert häufig streuten die Profis die Worte "Mannschaftsleistung", "Teamgeist" und "Zusammenhalt" in ihre Statements nach der Partie. "Unser Spiel war sehr gut, nicht nur ich und Franck, sondern die ganze Mannschaft", sagte Robben. Kapitän Philipp Lahm betonte: "Egal, wer auf welcher Position spielt: Wichtig ist, dass das gesamte Team funktioniert."

Van Gaal: "So wichtig wie Messi und Xavi für Barca"

So sehr die Spieler sich mühten, das Kollektiv herauszustellen, die harten Zahlen verrieten etwas anderes: an allen vier Toren waren entweder Robben oder Ribery direkt beteiligt. Robben brachte 85 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler, Ribery sogar 90 Prozent. Die beiden Virtuosen auf dem Flügel verliehen dem Spiel der Bayern die nötige Portion Extraklasse.

Darauf hatte der Rekordmeister immerhin sechs Monate warten müssen. Zuletzt standen Robben und Ribery im Pokalfinale gegen Werder am 15. Mai 2010 gemeinsam auf dem Platz. Ihr schwungvoller Auftritt stimmte nicht zuletzt Trainer Louis van Gaal hoffnungsfroh. "Sie sind unglaublich wichtig für den FC Bayern, wie Messi und Xavi für den FC Barcelona oder Ronaldo und Özil für Real", schwärmte der Übungsleiter.

Blutige Nase bei Robben

Nicht einmal eine blutige Nase bremste Robben an diesem Nachmittag in seinem Spieltrieb. Die handelte sich der Tempodribbler kurz nach der Halbzeit ein, als ihn der Hoffenheimer Josip Simunic unsanft stoppte. Robben, der schon die frühe Führung durch Mario Gomez (2.) vorbereitet hatte, reagierte auf seine Weise. Nach gut einer Stunde schraubte er das Ergebnis nach einem filigranen Sololauf auf 3:0. In der 81. Minute schlenzte er den Ball passgenau ins Kreuzeck. Thomas Müller hatte bereits in der 15. Minute für die Bayern erhöht.

"Ich glaube, dass ich noch besser spielen kann", gab Robben später zu Protokoll. Sein Trainer wird es mit Entzücken vernommen haben, die Konkurrenz mit Schrecken. Eine langwierige Erkältung hatte Robben zuvor außer Gefecht gesetzt.

Erfolgssystem der Vorsaison

Coach van Gaal eröffnete die Rückkehr seiner "Flügelzange" taktisch wieder mehr Möglichkeiten. Der Niederländer stellte wieder auf das Erfolgssystem der Vorsaison um, wovon Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller profitierten. Müller wirbelte in der Offensivzentrale, Schweinsteiger lenkte das Geschehen auf seiner erklärten Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld. Ein Rädchen griff wieder ins andere, ballsicher diktierten die Bayern Rhythmus und Tempo. Leidtragende waren die überforderten Gäste aus Hoffenheim. Die einzige gute 1899-Chance resultierte aus einer Unachtsamkeit der FCB-Defensive.

Hinzu kam, dass das Starensemble pünktlich vor den entscheidenden Wochen der Saison eine verbesserte Einstellung an den Tag legte. Trotz souveräner Führung drängten die Münchner in der zweiten Halbzeit auf weitere Treffer. Das war zuletzt nicht immer so. Die blamable Pleite in der Vorwoche nach 2:0-Führung in Köln habe die Mannschaft sensibilisiert, glaubt Sportdirektor Christian Nerlinger: "Das hat die Sichtweise der Mannschaft verändert."

Und das offenbar genau zum richtigen Zeitpunkt: Mainz, Inter Mailand, Dortmund und Schalke heißen die kommenden Pflichtspielgegner. Nerlinger ist sich sicher: Der Erfolg gegen 1899 "war der Startschuss für sehr wichtige Wochen".

Aus der Allianz Arena berichtet Andreas Messmer