Hoffenheim - Als 1899 Hoffenheim das bisher einzige Mal so gut war wie derzeit, wurden die Kraichgauer ein wenig übermütig. Mit der sensationellen Herbstmeisterschaft in der Bundesliga vor Augen ließ sich der damalige Trainer Ralf Rangnick im Aufstiegsjahr 2008 zu seiner legendären Kampfansage an den FC Bayern München hinreißen: "Wer flotte Sprüche hören will, muss nach München fahren. Wer flotten Fußball sehen will, muss uns anschauen."

Es folgte der Absturz, am Ende der Saison landeten die Überflieger der Hinrunde auf dem siebten Platz. Danach folgte der Niedergang des Clubs, der mit dem Fast-Abstieg im vergangenen Jahr vorerst endete. Dieselben Fehler wie damals möchten die aktuellen Macher auf keinen Fall nochmal machen. Deshalb wird so tief gestapelt, wie es nur geht - obwohl das ungeschlagene Team hinter den Bayern auf dem zweiten Tabellenplatz steht.

"Positive Entwicklungen nicht einbremsen"

"Die TSG nach dem 7. Spieltag als Spitzenteam auszurufen, wäre grob fahrlässig, illusorisch und erübrigt sich eigentlich von selbst", sagte Sportdirektor Alexander Rosen: "Wir werden positive Entwicklungen sicher nicht einbremsen, aber wir werden bestimmt nicht den Fehler machen und uns zu diesem Zeitpunkt auf Tabellenplätze konzentrieren."

Die Bescheidenheit der Hoffenheimer, die wie vor sechs Jahren 13 Punkte auf dem Konto haben, wird von ganz oben vorgegeben. "Wir sollten die Realität nicht aus den Augen verlieren. Unser Ziel bleibt es, uns in der Bundesliga zu etablieren", äußerte Dietmar Hopp im 'kicker': "Wir haben aus unseren Fehlern gelernt, gleichwohl ist man vor Rückschlägen nie sicher."

Nur noch zwei Herbstmeister von 2008 im Team

Und Rückschläge mussten die Badener, bei denen nur noch zwei Herbstmeister von 2008 (Andreas Beck und Sejad Salihovic) aktiv sind, in den vergangenen Jahren immer wieder verkraften. Nach dem Abgang von Rangnick und Manager Jan Schindelmeiser scheiterten fünf Trainer (Marco Pezzaiuoli, Holger Stanislawski, Markus Babbel, Frank Kramer, Marco Kurz) und zwei Sportchefs (Ernst Tanner, Andreas Müller).

Erst Coach Markus Gisdol und Rosen konnten den Klub mit ihrer neuen Philosophie stabilisieren. "Wir lassen uns gerne an der Entwicklung der Spieler, der Mannschaft und des Clubs messen", sagte Rosen und erklärte den Ansatz der beiden Verantwortlichen: "Nur durch das Ausrufen forscher Ziele holen wir keinen Punkt mehr."

SID