Hamburg - Als Joker Jan Moravek in der 76. Minute das Siegtor im Volksparkstadion gegen den Hamburger SV schoss, war es das perfekte "Happy End" für den FC Augsburg. Die Schwaben waren nach zwölf Spieltagen mit sechs Punkten noch am Tabellenende, ehe sie in den vergangenen fünf Partien 13 Punkte einfahren konnten. Mit 19 Zählern stehen die Augsburger auf Platz zwölf. Damit hat das Team von Trainer Markus Weinzierl die Hinrunde noch ordentlich abgeschlossen und kann die Rückrunde optimistisch in Angriff nehmen.

"Nach zwölf Spieltagen waren wir mausetot. Die Mannschaft hat einen Riesencharakter. Wir haben uns aus der Krise herausgekämpft“, erklärte Alexander Esswein. Der FC Augsburg hat in der Bundesliga einen sehr langen Atem bewiesen. Vor der Saison hatten viele Experten geunkt, ob die Fuggerstädter mit der Doppelbelastung mit Bundesliga und Europa League zurechtkommen würden. Zunächst bestätigten sich die Zweifel, denn die Augsburger zierten nach sechs Spieltagen das Tabellenende.

Verhaegh: "Abgezockt und clever"

Doch je höher die Belastung wurde, umso besser wurden das Weinzierl-Team. "Nach dem schlechten Start konnte es so nicht weitergehen. In der Länderspielpause im September haben wir uns zusammengesetzt und unser Spiel analysiert. Wir haben dann viel und gut trainiert und haben vor allem in der Defensive besser harmoniert. Danach lief es mit 13 Punkten aus fünf Spielen sensationell", freute sich Philipp Max nach der letzten Partie in Hamburg. Nicht einmal Herbstmeister Bayern München holte so viele Zähler in dieser Zeit wie Schwaben (12).

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Neben der verbesserten Defensive und dem "Quäntchen Glück", so Max, warfen die Augsburger vor allem ihre große Erfahrung in die Waagschale. Mit knapp 28 Jahren Altersdurchschnitt gehört der Kader zu den ältesten in der Bundesliga. Die Mannschaft weiß, wie sie sich die Kräfte einzuteilen hat. "Wir haben gegen Hamburg abgezockt und clever gespielt. Nach der Führung haben wir das Ergebnis nach Hause gefahren. Schade, dass jetzt Winterpause ist", ärgerte sich Kapitän Paul Verhagh und Neuzugang Max ergänzte. "Es ist egal, wer bei uns auf dem Platz steht. Ich habe sofort gemerkt, dass ich in einer intakte Mannschaft spiele."

Auch ein Kräfteverschleiß nach den anstrengenden Spielen in der Bundesliga, Pokal und in der Europa League war bei den Augsburgern nicht zu verzeichnen. Ganz im Gegenteil. Späte Tore sind ein Markenzeichen der Schwaben in den letzten Woche. Beim Auswärtscoup in Belgrad erzielten die Augsburger in der Schlussminute das 3:1. Am vergangenen Sonntag rang der FCA durch ein spätes Tor den FC Schalke mit 2:1 nieder. Und auch in Hamburg waren die Fuggerstädter am Ende fitter als der HSV, der in der Hinrunde acht Spiele weniger absolviert hatte. Trotzdem war der FCA am Ende fitter als die Hanseaten. Im Volksparkstadion lautete das Torschussverhältnis acht zu fünf aus Augsburger Sicht.

Moravek: "Überrascht, dass wir mehr Kraft hatten"

Auch der Torschütze Jan Moravek, der nach langer Verletzungspause ein traumhaftes Comeback feierte, wunderte sich über die Fitness der Ausgburger. "Überraschenderweise hatten wir mehr Kraft als die Hamburger. Unser Trainer hatte uns in der Halbzeit noch gesagt, dass der HSV sehr viele Gegentore in der Schlussviertelstunde kassiert, das haben wir ausgenutzt", so Moravek, der sich bei der ganzen Mannschaft und dem ganzen Verein für die Unterstützung während seiner langen Leidenszeit bedankte. "Nach dieser langen Verletzungszeit bin ich einfach froh, dass ich dem Team mit dem Tor helfen konnte. Alle haben mich unterstützt, der Treffer ist ein Bonus", freute sich Moravek, der Weihnachten bei seiner Familie in Prag verbringen wird.

Nach der spektakulären Aufholjagd in der Bundesliga und dem zwölften Tabellenplatz, können die Augsburger beruhigt Weihnachten feiern. "Ich bin froh, dass jetzt Pause ist, wir müssen uns regenerieren. Ich hoffe, dass wir 2016 dann noch mehr Punkte holen als in der Hinrunde", so Max. Am Samstag, 23. Januar, geht es dann mit einem Auswärtsspiel bei der Berliner Hertha in die Rückrunde. Zweieinhalb Wochen später folgt dann für die Augsburger das i-Tüpfelchen der bisherigen Saison, die beiden Duelle mit dem FC Liverpool in der Zwischenrunde der Europa League.

Besonders freuen sich die Spieler auf das Rückspiel an der Anfield Road. "Da geht ein Kindheitstraum in Erfüllung", so Außenverteidiger Max und Teamkollege Esswein bekommt schon an den Gedanken an den Auftritt in Liverpool Gänsehaut: "Das wird absolut geil. Ich freue mich schon ins Stadion einzulaufen, wenn die Fans 'You'll never walk alone singen'. Aber auch gegen Liverpool werden wir uns nicht verstecken."

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage