München - Der Hamburger SV wird nach langer Trainersuche endlich fündig. Bayern-Torhüter Manuel Neuer verpasst nur knapp einen neuen Bundesliga-Rekord. Borussia Dortmund findet zurück in die Erfolgsspur. Und zwei ehemalige "Junge Wilde" finden einen neuen Verein.

Zusammen haben sie sechs Jahre lang für den VfB Stuttgart gespielt. Andreas Hinkel und Timo Hildebrand haben viele Erfolge bei den Schwaben gefeiert und sich einst als "Junge Wilde" an der Seite von Mitspielern wie Aliaksandr Hleb, Cacau oder später auch Mario Gomez einen Namen gemacht. Dann zog es sie in die weite Welt.

Hinkel heuert im Breisgau an

Hinkel ging 2006 nach Spanien zum FC Sevilla, verpasste dort zwar die überraschende Stuttgarter Meisterschaft 2007, wurde aber UEFA-Cup-Sieger und spanischer Pokalgewinner. Später wechselte er nach Schottland zu Celtic Glasgow und gewann dort die schottischer Meisterschaft und den Pokal. Dann kam eine Verletzung und die Arbeitslosigkeit.

Ähnlich erging es Timo Hildebrand, der nach der Meisterschaft mit dem VfB ebenfalls in Spanien sein Glück suchte. Mit dem FC Valencia wurde er auf Anhieb Pokalsieger, ehe es rapide bergab ging. Erst wurde er kurz vor der EM 2008 aus dem deutschen Kader gestrichen, dann konnte er in Hoffenheim nicht mehr an seine alte Form anknüpfen. Sein Gastspiel bei Benfica Lissabon endete auf der Ersatzbank. Seit dem Sommer dieses Jahres war auch er ohne Job.

Jetzt sind Andreas Hinkel und Timo Hildebrand wieder in der Bundesliga. Hinkel spielt beim SC Freiburg und kommt dort auch zu ersten Einsätzen, Hildebrand ist beim FC Schalke 04 gelandet und vorerst nur für die Bank vorgesehen. Nach der Verletzung von Ralf Fährmann, Schalkes etatmäßiger Nummer 1, überzeugt nämlich dessen Vertreter Lars Unnerstall auf ganzer Linie.

Basels Erfolgscoach wechselt zum "Dino"

Huub Stevens  Bilanz mit den "Knappen" kann sich sehen lassen. Ende Oktober steht Schalke nach vier Siegen in fünf Spielen unter dem Niederländer auf Platz 2 hinter den Bayern. Dass sein Engagement in Hamburg nicht zu Stande kam, dürfte Stevens nicht mehr jucken.

Die Hamburger haben ihrerseits aber endlich ihren neuen Trainer bekommen. Es ist Thorsten Fink, der vom Schweizer Meister FC Basel losgeeist werden konnte. Der ehemalige Bayern-Star übernimmt den HSV auf Platz 18 mit dem Auftrag den "Bundesliga-Dino" ins Mittelfeld zu führen. Der Einstand des "Wunschtrainers" von Frank Arnesen verläuft mittelprächitg. In den beiden Heimspielen gegen die Mitkonkurrenten Wolfsburg und Kaiserslautern reicht es nur zu zwei 1:1-Remis.

An der Tabellenspitze hat sich Ende des Monats der FC Bayern erstmals mit vier Punkten von der Konkurrenz absetzen können. Bei ihren Heimspielen genügen den Münchenern meistens starke 15 bis 20 Anfangsminuten, um sich einen komfortablen Vorsprung herauszuschießen und gegen Hertha und Nürnberg locker mit jeweils 4:0 zu gewinnen. Auswärts lässt die Heynckes-Truppe in Hoffenheim und Hannover Punkte liegen.

Das Ende einer Serie

Bei den Niedersachsen endet am 10. Spieltag auch die großartige Serie von Bayern-Keeper Manuel Neuer. Nach 771 gegentorlosen Minuten rappelt es wieder in seiner Kiste. Dem 96-Stürmer Mohammed Abdellaoue bleibt es vorbehalten, per Elfmeter zu treffen und Hannovers 2:1-Sieg einzuläuten. Neuer fehlen zum Bundesliga-Rekord von Timo Hildebrand 114 Minuten. Hinter dem Schwaben und Oliver Kahn reiht sich der Nationaltorhüter auf Platz 3 der Rekordliste ein.

Zu den Bayern-Verfolgern zählt auch wieder der Titelverteidiger. Borussia Dortmund liefert in der Bundesliga vier starke Spiele ab, deklassiert daheim und und gewinnt auch souverän in Bremen (2:0). Nur in Stuttgart reicht es beim 1:1 nicht zum Sieg. In der Champions League dagegen sind die Chancen aufs Achtelfinale nach einer peinlichen 1:3-Niederlage bei Olympiakos Piräus stark gesunken.

Besser schaut es da für Bayer Leverkusen aus, das nach einem schmeichelhaften 2:1-Erfolg über den FC Valencia einen großen Schritt Richtung K.-o.-Runde macht. In der Bundesliga hinkt die "Werkself" auf Platz 8 der Spitze noch deutlich hinterher ().

Historischer Tag für den FCA

Historisches gelingt dem FC Augsburg. Am 9. Spieltag fährt die Elf von Joos Luhukay ihren ersten Bundesliga-Sieg ein. Kurz vor dem Schlusspfiff verwandelt Jan-Ingwer Callsen-Bracker in Mainz einen Elfmeter zum 1:0-Erfolg.

In der 2. Runde des DFB-Pokals setzen sich mit einer Ausnahme die Favoriten allesamt, wenn auch teilweise recht mühsam durch. Der MSV blamiert sich beim 0:2 gegen den Viertligisten Holstein Kiel. Für MSV-Trainer Milan Sasic wird es das letzte Spiel. Er wird danach entlassen. In der 2. Bundesliga erstaunt die immer noch unschlagbare Düsseldorfer Fortuna, die am 13. Spieltag die Tabellenführung übernimmt, die Fachwelt. St. Pauli-Stürmer Marius Ebbers gelingt sein 100. Tor im Profifußball, 94 davon erzielt er in der 2. Bundesliga.

Löw-Truppe mit makelloser Bilanz

International erledigt die deutsche Nationalmannschaft ihre letzten beiden EM-Qualifikationsspiele mit Bravour. In der Türkei und gegen Belgien gewinnt die Elf von Joachim Löw jeweils mit 3:1. Damit hat die deutsche erstmals in ihrer Geschichte alle Qualifikationsspiele für sich entscheiden können. Spieler wie Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Mesut Özil und Mario Gomez befinden sich in der Form ihres Lebens.

Alles andere als reibungslos verlief die Qualifikation für eine Reihe anderer europäischer Nationen. Portugal und Kroatien müssen in der Relegation nachsitzen, ausgeschieden sind bereits die Schweiz, Serbien oder Slowenien, die zuletzt noch bei der WM 2010 dabei waren. Die ebenfalls gescheiterten Österreicher verpflichten mit dem Schweizer Marcel Koller einen neuen Nationaltrainer.


Das Spiel des Monats:

Die Bayern sind im Moment das Nonplusultra und haben in den vergangenen acht Spielen 22 von 24 Punkten geholt und nicht ein Gegentor kassiert. Dennoch reisen sie voller Respekt an diesem 10. Spieltag in die Landeshauptstadt Niedersachsens. Denn Hannover 96 hat ebenfalls einen guten Saisonstart hingelegt und ist zuhause noch unbesiegt. Auch das letzte Aufeinandertreffen ging mit 3:1 an "96".

Es wird ein intensives Spiel auf hohem Niveau. Bayern dominiert, Hannover hält dagegen und geht nach 23 Minuten durch einen von Mohammed Abdellaoue verwandelten Elfmeter in Führung. Dann fliegt Jerome Boateng nach einer Tätlichkeit vom Platz. Kurz nach dem Seitenwechsel erhöhen die Niedersachsen durch einen abgefälschten Weitschuss von Christian Pander auf 2:0.

Doch die Bayern geben sich auch in Unterzahl nicht geschlagen. Nach 63 Minuten muss auch der Hannoveraner Steven Cherundolo mit Gelb-Rot vom Platz. 20 Minuten gelingt in der hochdramatischen Schlussphase Bayern-Youngster David Alaba der Anschlusstreffer. Dann trifft Bastian Schweinsteiger den Pfosten. Es reicht aber nicht mehr zum Remis. Hannover hat die Bundesliga wieder spannend gemacht.

Tobias Gonscherowski

Das Jahr 2011 im Überblick