Bremen. Elf Partien lang war Werder Bremen ungeschlagen, ehe es am vergangenen Spieltag wieder eine Niederlage setzte. Trotzdem haben die Grün-Weißen auf Platz acht immer noch die Chance, sich für die Europa League zu qualifizieren. Neben dem überragend spielenden Max Kruse hat sich auch Fin Bartels in den letzten Wochen ins Rampenlicht gespielt. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 30-Jährige über das Saisonfinale und die überragende Rückrunde des Werder Bremen.

bundesliga.de: Herr Bartels, im vergangenen Jahr spielte Werder bis zum Schluss um den Klassenerhalt. Jetzt winkt die Europa League, das muss doch ein tolles Gefühl sein, oder?

Fin Bartels: Seitdem ich bei Werder bin, hatten wir immer eine Phase in der Saison, wo es nicht lief. In der vergangenen Saison war es extrem als wir uns erst im letzten Heimspiel zuhause gegen Frankfurt gerettet haben. Natürlich bin ich jetzt schon erleichtert, dass wir zwei Spieltage vor Schluss nicht diesen extremen negativen Druck haben und gegen den Abstieg spielen, sondern einen positiven, dass man noch etwas erreichen kann.

Bundesliga.de:Hätten Sie zu Beginn des Jahres als Werder viermal in Folge verlor noch davon geträumt, dass die Saison so ein schönes Ende nehmen würde?

Bartels: Wir haben mit Sicherheit daran geglaubt, dass wir besser Fußball spielen können und es besser laufen würde. Zu diesem Zeitpunkt nach den vier Niederlagen wären alle froh gewesen, wenn wir den Klassenerhalt rechtzeitig eingetütet hätten. Dass es jetzt so gelaufen ist, ist natürlich umso schöner.

Video: So lief das Hinspiel Hoffenheim gegen Werder

Bundesliga.de: Was hat den Ausschlag gegeben, dass Werder nach dieser Niederlagenserie den Schalter umgelegt hat und dann diese Serie von elf ungeschlagenen Spielen gestartet hat?

Bartels: Wir haben halt trotz der Niederlagen akribisch weiter an uns gearbeitet. In der Winterpause haben wir dann auch taktisch noch einmal etwas geändert und die Dreierkette eingeführt. Wir waren auf einem guten Weg Anfang des Jahres und die Spiele haben das auch gezeigt. Aber wir hatten dann auch mit Dortmund und Bayern zwei sehr starke Gegner, wo wir dann nicht die entsprechenden Ergebnisse eingefahren haben und dann haben wir auch noch in Augsburg verloren. In Mainz haben wir dann, obwohl wir da nicht überragend gespielt haben, gewonnen. Genauso war es in Wolfsburg. Das war wichtig, um dann selbstbewusst in die nächsten Partien zu gehen.

Bundesliga.de: Zurück zur aktuellen Ausgangslage. Werder steht nach der Niederlage in Köln auf Platz acht und muss mindestens noch zwei Plätze gutmachen, um ganz sicher zumindest die Europa League sicher zu haben. Hat Werder zusammen mit den fünftplatzierten Freiburgern den Vorteil am wenigsten Druck zu haben? Hertha BSC und der 1. FC Köln standen die gesamte Saison auf Kurs Europa. Diese Mannschaften können eigentlich nur verlieren, Werder kann nur gewinnen?

Bartels: Ja, das sehen wir auf jeden Fall so, dass wir die Chance haben etwas Einmaliges zu erreichen. Aber ich denke auch für Hertha und für die Kölner war es nicht selbstverständlich, dass sie in diesen Tabellensphären landen, da hätte man andere Teams erwartet. Deswegen ist es für diese vier Teams eine tolle Saison. So oder so.

Bundesliga.de:Werder hat von den verbliebenen Teams, die um die Europa League spielen vielleicht das schwierigste Restprogramm. Am Samstag geht es im Weserstadion gegen die TSG Hoffenheim, am letzten Spieltag reist Werder nach Dortmund. Keine leichte Aufgabe.

Bartels: Ja, natürlich ist das ein knackiges Programm. Es ist aber auch sehr reizvoll diese Mannschaften vor der Brust zu haben. Wir haben jetzt ein Heimspiel, da wird es im Weserstadion noch einmal brennen und wir werden alles reinlegen, um Hoffenheim zu schlagen. Auch wenn es eine Herkulesaufgabe wird. Wenn wir die Partie gewinnen, hätten wir ein Endspiel in Dortmund, dass wäre als Fußballer doch eine richtige tolle Situation, die wir uns am Samstag aber erst einmal hart erarbeiten müssen.

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Bundesliga.de: Mit der TSG kommt eine der Mannschaften der Saison. Was kommt da am Samstag auf Werder zu?

Bartels: Eine super Truppe, die immer versucht Fußball zu spielen. Die vor Selbstbewusst strotzt. Da wird Einiges auf uns zukommen. Wir dürfen nicht nur reagieren sondern müssen agieren und versuchen ihnen unser Spiel aufzuzwingen.

Bundesliga.de: Ist es zwei Spieltage vor Schluss eigentlich auch egal gegen wen man spielt? Eine Mannschaft, die gegen den Abstieg kämpft, wäre sicherlich auch nicht viel leichter zu bespielen, oder?

Bartels: Ich glaube für uns wäre es egal, wer kommt. Wir haben trotz der Niederlage in Köln immer noch dieses Selbstvertrauen aus den letzten Wochen und Monaten. Wir glauben an uns, glauben an unsere Stärken. Wir dürfen da jetzt nicht einen Metern weniger machen, denn sonst wird es schwierig.

Bundesliga.de: Der Einzug in die Europa League wäre das I-Tüpfelchen auf eine überragende Werder-Saison. Wäre das für Sie persönlich auch das Größte, was Sie bislang als Fußballer erreicht haben?

Bartels: Ja, ganz klar. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in meiner Karriere mal so einen Lauf gehabt habe. Das ist echt sensationell, was hier gerade abläuft, aber die Saison ist noch nicht vorbei. Zwei Spiele müssen wir noch Vollgas geben, um das I-Tüpfelchen zu erreichen.

Bundesliga.de: Gerade für Sie wäre so ein Saisonende sicherlich ein Traum. In Ihrer Karriere sind Sie immerhin schon viermal abgestiegen.

Bartels: Ja, klar, da träumt jeder Fußballer von mal auf der internationalen Bühne spielen zu dürfen. Das wäre sicherlich ein Highlight.

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Bundesliga.de: Christian Streich (Trainer SC Freiburg, Ann. d. Redaktion) würde gerne mal international in Glasgow gegen Celtic spielen. Haben Sie auch ein Team oder ein Stadion in dem Sie gerne mal spielen würden?

Bartels: Über so etwas habe ich mir überhaupt noch keinen Kopf gemacht. Wir wollen erst einmal diese beiden Saisonspiele positiv über die Bühne bringen. Sollten wir es dann geschafft haben, kann ich mir da mal drüber Gedanken machen.

Bundesliga.de: Sollte der Traum von der Europa League platzen, wäre das Saisonfazit aber trotzdem total positiv, oder?

Bartels: Ja, ich denke schon. Vor allem wenn man die Entwicklung der Mannschaft gesehen hat. Wir sind auf einem guten Weg und dieser soll mit dem Ende der Saison auch noch nicht vorbei sein.

Bundesliga.de:Einen großen Anteil am Erfolg hat sicherlich Trainer Alexander Nouri. Was genau hat er der Mannschaft mit auf dem Weg gegeben, dass es vor allem seit Februar so gut läuft bei Werder?

Bartels: Wir haben sehr hart gearbeitet und das Trainerteam legt sehr viel Wert auf das Taktische. Wir können auf jede Situation im Spiel reagieren. In der Phase, wo es Anfang des Jahres nicht lief, sind wir im Verein einfach ruhig geblieben. Das hat den Ausschlag gegeben, dass wir auch diesen Turnaround geschafft haben.

Bundesliga.de: Auch Sie haben eine Anteil an der Bremer Erfolgsstory. Sie haben bereits sieben Tore geschossen und sieben Assists auf dem Konto. Spielen Sie die beste Saison Ihrer Karriere?

Bartels: Auf jeden Fall ist es die beste Saison als Mannschaft seitdem ich hier bin. Ich profitiere auch von der Stärke des gesamten Teams und kann so meine Stärken auch für die Mannschaft einbringen. Insgesamt macht es einfach Spaß bei uns auf dem Platz zu stehen. Jeder ist wichtig. Der Teamspritit macht uns einfach stark.

Bundesliga.de: Stichwort Teamspirit. Fast jeder Werderaner spricht in diesen Wochen von dem überragenden Mannschaftsgeist. Können Sie diesen speziellen Zusammenhalt noch einmal etwas näher definieren?

Bartels: Die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft ist einfach top. Im Team gibt es auch kein Neid. Auch aufgrund unserer vielen Verletzten in der schwierigen Phase zu Beginn des Jahres war jeder einzelne Spieler wichtig. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen und das schweißt dann auch noch einmal mehr zusammen.

Bundesliga.de: Sie stehen trotz Ihrer starken Leistungen im Schatten von Max Kruse, der in sensationeller Form ist. Das Scheinwerferlicht ist auf den Ex-Wolfsburger gerichtet. Sie können in seinem Windschatten wirbeln. Das gefällt Ihnen sicherlich auch ganz gut, oder?

Bartels: Der Hype um Max ist doch völlig in Ordnung. Er hat auch noch ein paar Buden mehr gemacht als ich (14). Auf der einen Seite ist es sicherlich schön, wenn man als Spieler gehypt wird, aber es kann dann auch schnell wieder nach unten gehen, deshalb bin ich ganz froh, so wie es ist. Max macht das aber auch im Moment sensationell. Er arbeitet viel für die Mannschaft und lässt uns mit seiner Laufstärke und Übersicht als Mannschaft besser aussehen. Das hilft uns ungemein.

Bundesliga.de: Die Abwehrreihen der Bundesliga konzentrieren im Duell mit Werder voll auf Kruse, ist das für Sie genau das Richtige, dass Sie im Rücken von Kruse den Platz haben, denn Sie für Ihr Spiel benötigen?

Bartels: Es funktioniert auf jeden Fall super im Moment. Wir kennen uns einfach schon sehr lange und verstehen uns auf dem Platz fast blind. Er hat das Auge und macht uns als Mannschaft besser. In der Kabine ist er auch immer für ein Späßchen zu haben. Aber auch neben Max haben wir einfach in der Offensive gerade großes Potenzial.

Bundesliga.de: In der Offensive ist Werder derzeit richtig gut besetzt, ist das momentan auch das große Plus, dass es keinen Qualitätsverlust gibt?

Bartels: Das ist sicherlich ein Qualitätsmerkmal, dass wir einen großen Konkurrenzkampf haben. Jeder drängt sich auf, es ist Spannung drin. Aber auch die Defensive ist ganz wichtig, wir stehen viel kompakter und haben so auch viel mehr Stabilität in der Offensive.

Bundesliga.de: Sie haben im vergangenen Jahr ihren Vertrag bei Werder vorzeitig bis 2019 verlängert. 2019 wären Sie 32 Jahre alt. Können Sie sich vorstellen Ihre Karriere in Bremen zu beenden und wollen Sie noch mal woanders spielen?

Bartels: Ich fühle mich in Bremen pudelwohl. Meine Familie fühlt sich hier richtig gut aufgehoben. Der Verein, die Stadt, die Fans – das passt im Moment alles perfekt. Wenn es sportlich so läuft, wie jetzt, ist es natürlich auch alles etwas angenehmer.

Bundesliga.de:Der Kapitän geht leider am Saisonende von Bord. Clemens Fritz hat sein Karrierende bekanntgegeben. Was hat er für eine Bedeutung im Team und wer kann in seine Fußstapfen treten?

Bartels: Er war auf und neben dem Platz enorm wichtig. Er hat auch mal klare Worte verloren, wenn es mal nicht so lief. Es ist schade, dass er sich so entschieden hat. Ich wünsche ihm für seine Zukunft alles Gute. Er war und ist Werder. Natürlich findet man nicht an jeder Ecke einen wie Clemens, ich aber glaube schon, dass wir Jungs im Team haben, die ähnliche Führungsqualitäten besitzen.

Bundesliga.de:Neben Fritz könnte noch ein weiterer erfahrener Spieler bei Werder aufhören. Würden Sie Claudio Pizarro empfehlen noch eine Saison dranzuhängen?

Bartels: Ja, klar. Claudio ist ein sensationeller Typ, auch jetzt in der Phase, wo er selten gespielt hat, ist er stets positiv. Man kann sich immer noch etwas bei ihm abschauen. Es ist immer ein Gewinn, wenn man jemanden wie Claudio im Kader hat.

Bundesliga.de:Abschließend noch eine Frage zu Ihrem alten Verein Holstein Kiel. Die Störche stehen kurz vor dem Aufstieg in die 2. Bundesliga. Wie sehr würden Sie sich über einen Aufstieg freuen? Verfolgen Sie Ihren ehemaligen Verein noch aus der Ferne?

Bartels: Ich verfolge das immer noch sehr intensiv. Aus der Mannschaft kenne ich auch noch einige Spieler. Kiel ist meine Heimat. Bei Holstein habe ich jahrelang gespielt. In der B- und A-Jugend und meine ersten Schritte bei den Herren in der Regionalliga. Ich wünsche der ganzen Region den Aufstieg für Holstein, der Verein hat es verdient und versucht es schon lange. Nach dem verpassten Aufstieg vor zwei Jahren haben Sie sich gefangen. Der Verein gehört in die 2. Bundesliga. Ich drück ganz fest die Daumen.

Das Interview führte Alexander Barklage