Der VfL Bochum steht nach vier Niederlagen in Folge auf dem vorletztem Tabellenplatz. Die alte Fußballweisheit "neue Besen kehren gut" trifft auf die ersten drei Wochen unter dem neuen Trainer Heiko Herrlich nicht zu.

Von "herrlichen" Zeiten ist der Bundesligist jedenfalls weit entfernt. Die Bilanz nach zwei Spielen gegen Eintracht Franfurt und den SC Freiburg: null Punkte, Tabellenplatz 17. Nur zwei Mal verließen die Bochumer bisher als Sieger den Platz.

Sechs Ausfälle bei Heimspielpremiere

Auf sechs Positionen musste Herrlich seine Mannschaft vor seiner Heimspielpremiere gegen den SC Freiburg umstellen, und dann stürzte ein erfolgreich abgeschlossener Freiburger Konter nach einer umstrittenen Situation in der allerletzten Minute die Bochumer ganz tief ins Unglück.

Herrlich war nach dem Spiel, das ein paar strittige Situationen in sich hatte, jedoch selbstkritisch: "Der Schiedsrichter hat seine Sache bestmöglich gemacht. Er macht so etwas sicherlich nicht extra. Wir sollten sehen, dass wir erstmal in unserem eigenen Hof kehren."

Einen Schritt nach dem anderen machen

Mit dem "eigenen Hof" spielte der VfL-Coach auf eine Schwäche des Teams, die sich wie ein roter Faden durch die bisherige Saison zieht, und die auch Abwehrspieler Mergim Mavraj erkannt hat: "In der ersten Halbzeit ging fußballerisch gar nichts. Die Tugenden, über den Kampf von Beginn an ins Spiel zu kommen, müssen wir einfach mehr beherzigen. Jeder muss erkennen, dass wir nur dadurch was erreichen und dass wir nicht den zweiten Schritt machen können, wenn wir den ersten noch nicht gemacht haben."

Der neue Cheftrainer Herrlich ging sogar noch weiter und attestierte seinem Team "Verhalten wie bei einer Jugendmannschaft". Dabei wollte der 37-Jährige seinen Spielern verdeutlichen, dass es wichtig ist, erst einmal die einfachen Dinge auf dem Platz umzusetzen. Das Konzept ist bisher, trotz Extra-Trainingslager, nicht aufgegangen. Die Spieler wirken überfordert, haben Herrlichs Philosophie noch nicht verinnerlicht.

Parallelen zur letzten Saison

Der VfL läuft Gefahr, den katastrophalen Fehlstart der letzten Saison (11 Punkte nach der Hinrunde) zu wiederholen. An der Moral, wird von allen Beteiligten beteuert, liege es keinesfalls, und dies bewies die Mannschaft im bisherigen Saisonverlauf auch, indem sie sich wiederholt nach Gegentoren ins Spiel zurückkämpfte. Auch der neue Trainer glaubt an eine Leistungssteigerung seines Teams ("Nach dem Rückstand zeigte die Mannschaft großen kämpferischen Einsatz und viel Leidenschaft.").

Bis zum Klassenerhalt ist es für Herrlich und den VfL Bochum noch ein langer Weg. Allerdings zeigt die Statistik, dass sich die Ruhrgebietsmannschaft seit dem Aufstieg 2006 in der Hinrunde immer schwer getan hat. Erst im Laufe der Saison platzte sonst der Knoten.

Schweres Restprogramm

Das Restprogramm der Hinrunde 2009/2010 ist mit Spielen gegen Bayern München, den VfB Stuttgart, Hannover 96, den 1. FC Köln und dem Hamburger SV auf jeden Fall anspruchsvoll. Für den VfL wird es schwer, in der Hinrunde mehr als die elf Punkte aus der vergangenen Saison zu holen.

Aus Bochum berichtet Vera Schmidt