Zusammenfassung

  • Felix Klaus und Hannover trumpfen in der Bundesliga auf.

  • Am Samstag gastieren die Niedersachsen beim FC Bayern.

  • Beim 4:2-Heimsieg gegen den BVB zeigte Klaus das beste Spiel seiner bisherigen Karriere.

Köln - Aufsteiger Hannover 96 spielt bisher eine starke Saison. Großen Anteil daran hat auch Felix Klaus, der kürzlich in der Partie gegen Dortmund eine Galavorstellung ablieferte. Vor dem Auswärtsspiel in München spricht der 25-Jährige im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de über die Gründe für das gute 96-Abschneiden, eigene Leistungsschwankungen und die Bedeutung seiner Tattoos.

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bundesliga.de: Herr Klaus, etwas mehr als ein Drittel der Saison ist gespielt, und Hannover 96 liegt auf Platz zehn, nur einen Punkt hinter den Europapokal-Rängen. Übertrifft das die Erwartungen, die Sie vor der Saison hatten?

Felix Klaus: Ich habe vor der Saison durchaus gedacht, dass wir in der Bundesliga eine gute Rolle spielen können. Aber dass wir zu diesem Zeitpunkt bereits 19 Punkte haben würden, das ist dann doch mehr als wir alle erwartet haben. Wir haben immer gesagt, dass wir als Aufsteiger gegen den Abstieg spielen. Deshalb schauen wir nicht nach oben, sondern achten ausschließlich darauf, dass wir nach unten genügend Abstand halten. Auf gar keinen Fall haben wir die Erwartung, dass wir die Europa League erreichen können.

Video: Aufsteiger Hannover im Aufwind

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bundesliga.de: Was sind die Gründe für das gute bisherige Abschneiden?

Klaus: Wir haben eine richtig gute Truppe beisammen, die sich durch einen tollen Teamgeist auszeichnet, und in die sich auch die Neuen von Anfang an sehr gut integriert haben. Selbstverständlich hat auch der Trainer einen großen Anteil an den bisherigen Leistungen. Andre Breitenreiter stellt uns akribisch auf den jeweiligen Gegner ein. Wir setzen beinahe in jedem zweiten Spiel auf eine neue Taktik, sodass sich der Gegner nur sehr schwer auf uns einstellen kann. Und mir gefällt sehr, dass wir richtig gut hinten raus spielen und nicht nur lange Bälle nach vorne knallen. Bei uns passt einfach alles gut zusammen.

bundesliga.de: Allerdings wurde seit dem herausragenden 4:2 gegen Borussia Dortmund in den folgenden drei Partien nicht mehr gewonnen. Gerade das Spiel in Bremen war wirklich schlecht...

Klaus: Ich denke, dass wir zum Beispiel in Leipzig durchaus gut gespielt haben, wir haben sogar 1:0 geführt. Dass man dort gegen diese Top-Mannschaft auch verlieren kann, sollte man uns nicht ankreiden. Das Spiel in Bremen war dann aber tatsächlich ein Knick in der Leistungskurve. Wir waren nicht aggressiv genug und hatten einen richtig schlechten Tag. Aber den sollte man jeder Mannschaft zugestehen. Wir wissen, dass wir in der Bundesliga kein Spiel gewinnen können, wenn wir nicht 100 Prozent geben. In Bremen war das nicht der Fall und dann kann es passieren, dass man auch mal mit 4:0 vom Gegner abgeschossen wird. Umso mehr muss ich die Mannschaft loben, dass sie in der zweiten Halbzeit gegen Stuttgart wieder richtig guten Fußball und eine tolle Moral gezeigt hat.

Ich glaube, dass die Partie gegen Dortmund mein bestes Bundesliga-Spiel bis dato war.

bundesliga.de: Mit welchen Ambitionen fährt man nun zum FC Bayern München, der nach der zweiten Saisonniederlage am vergangenen Samstag in Gladbach auf Wiedergutmachung aus sein dürfte?

Klaus: Jeder, der in der Bundesliga schon einmal in München antreten musste, weiß, dass ein Spiel gegen die Bayern immer ein Bonus-Spiel ist. Um dort etwas mitnehmen zu können, benötigt man einen Tag, an dem den Münchnern nicht viel und einem selbst möglichst alles gelingt. Die Bayern müssen zurzeit ziemlich viele Verletzte beklagen und dürften sicherlich zudem bereits im Kopf haben, dass sie drei Tage später gegen Paris Saint-Germain um den Gruppensieg in der Champions League kämpfen müssen. Auf jeden Fall werden wir versuchen, so lange wie möglich die Null zu halten und dann den ein oder anderen Konter zu fahren.

bundesliga.de: Konter kommen einem sehr schnellen Spieler wie Ihnen entgegen, wie auch beim 4:2 gegen den BVB. War das Ihr bestes Bundesliga-Spiel?

Klaus: Es stimmt, dass wir gegen Dortmund richtig gut gekontert haben. Wir haben perfekt umgeschaltet und hatten zudem mit Bebou einen Top-Spieler in unseren Reihen, dem an diesem Tag alles gelungen ist. Und ja, ich glaube tatsächlich, dass diese Partie mein bestes Bundesliga-Spiel bis dato war. Ein Sahne-Tag, an dem alles geklappt hat.

bundesliga.de: Herausragend gegen Dortmund, schwach in Bremen, stark gegen Stuttgart: Wie erklären Sie sich diese Schwankungen in Ihrer persönlichen Leistungskurve?

Klaus: Keine Frage, mit meiner Leistung in Bremen konnte ich wirklich nicht zufrieden sein. Das Spiel hat uns aber umso mehr gezeigt: In unserer Mannschaft, in der alle etwa auf demselben Niveau spielen, bedarf es immer einer kompletten Mannschaftsleistung, um bestehen zu können.

bundesliga.de: Sie haben kürzlich gesagt, Trainer Andre Breitenreiter habe Ihnen "einen kleinen Arschtritt verpasst". Man darf das kaum wörtlich nehmen, wie aber sieht ein solcher "Arschtritt" dann aus?

Klaus: Die Medien haben meine Aussage natürlich ein wenig hochgekocht. Der Trainer hat von mir einfach mehr erwartet, weil er weiß, dass ich mehr kann als ich in der Zeit vor dem Dortmund-Spiel gezeigt habe. Natürlich merkt man auch selbst, wenn man nicht gut spielt, aber dass ich dann beim Spiel in Wolfsburg nicht zum Kader gezählt habe, war doch eine kleine unangenehme Überraschung, weil ich sonst immer dabei war. Der Trainer wollte mir damit zeigen, dass er von mir erwartet, dass ich nicht weniger als 100 Prozent abrufen darf. Wir haben das in aller Ruhe besprochen, die Medien haben daraus dann aber eine große Sache gemacht.

Für mich ist es eine Ehre, dass ich bereits über 100 Bundesliga-Spiele machen durfte.

bundesliga.de: Sie sind gerade einmal 25, haben aber bereits rund 180 Spiele als Profi absolviert. Was erwartet man jetzt von sich selbst und seiner Karriere für die Zukunft?

Klaus: Für mich ist es eine Ehre, dass ich bereits über 100 Bundesliga-Spiele machen durfte. Gleichzeitig ist es für mich aber auch ein großer Anreiz, noch sehr viele Spiele und hoffentlich auch Tore folgen zu lassen. Sie haben meine Leistungskurve bereits angesprochen: Mein Ziel ist es, dass die stabiler wird, dass ich auch mal fünf, sechs Partien in Folge sehr gut spiele. Das möchte ich unbedingt hinbekommen.

bundesliga.de: Sie sind in Ihrer bisherigen Karriere dreimal ab- und zweimal aufgestiegen. Wie schnell kann man nach solchen emotionalen Ausnahmezuständen wieder zum Tagesgeschäft übergehen?

Klaus: Vor allem ein Abstieg verfolgt dich den ganzen Sommer. Die Sommerpause ist dann im Eimer, weil man ständig grübelt, wie man das hätte verhindern können. Vor zwei Jahren, beim Abstieg mit 96, ging es allerdings noch einigermaßen, weil ich damals die U21-EM spielen durfte. Das hat wenigstens etwas abgelenkt. Wunderbar war, dass wir den direkten Wiederaufstieg geschafft haben. Das war ein überragendes Gefühl. Jeden Morgen stehst du mit diesem Gefühl und dem Wissen es geschafft zu haben auf und kannst den Sommer wirklich genießen.

Gegen den BVB legt Felix Klaus einen mustergültigen Auftritt hin © imago

bundesliga.de: Sie tragen eine Kette mit Kreuz und ein Kreuz als Tattoo. Ist das für Sie eher ein modisches Symbol oder auch ein Statement in Sachen Glauben, der Ihnen in solchen bitteren Ausnahmesituationen Trost spendet?

Klaus: Das hat für mich mit Mode überhaupt nichts zu tun, sondern ist absolut ein Statement. Mein Papa ist sehr religiös und hat mir von klein auf den Glauben an Gott vermittelt. Und ich kann ohne Übertreibung sagen, dass ich seit dieser Zeit täglich bete.

bundesliga.de: Sie haben auf dem Unterarm auch einen Anker tätowiert. Wofür steht der?

Klaus: Der Anker ist für mich ein Symbol der Hoffnung. Ich habe an dieser Stelle zudem auch noch ein Herz tätowiert, sodass ich "Glaube, Liebe, Hoffnung" immer mit mir trage.

bundesliga.de: Ihr Vater war selbst Profi, ist er Ihr erster Kritiker?

Klaus: Auf jeden Fall. Ich rufe meinen Papa nach jedem Spiel an, um mit ihm gemeinsam meine Leistung zu analysieren. Auch, wenn er mich schlecht gesehen hat, sagt er mir das ganz offen und ehrlich. Ich bin dann aber in keiner Weise sauer, sondern froh, dass er mir Tipps gibt, sodass ich es im nächsten Spiel besser machen kann.

Das Interview führte Andreas Kötter