München - "Gut aus den Startlöchern kommen" - diesen frommen Wunsch liest man in so gut wie jedem Trainerinterview vor der Saison. Den Übungsleitern graut es davor, die neue Spielzeit mit einem Negativerlebnis zu beginnen. Am Wochenende geht es endlich wieder los und das erste Pflichtspiel steht für die Bundeslisten im DFB-Pokal an. Doch wie wichtig ist ein guter Start wirklich für eine erfolgreiche Saison? bundesliga.de hat in der Datenkiste gestöbert und weiß mehr.

Blickt man sich auf die Geschichte der Bundesliga, ist ein Fehlstart auf keinen Fall ein gutes Omen. Nur acht Mal in der langen Ligahistorie hat ein späterer Meister gleich am ersten Spieltag eine Pleite wegstecken müssen. In 83 Prozent der Fälle kommt der spätere Titelträger nicht aus dem Kreis derer, die gleich zu Beginn patzen.

Stuttgart und die Fehlstarts

In den vergangenen 19 Spielzeiten schafften nur noch zwei Teams dieses "Kunststück". Der VfB Stuttgart ging in der Saison 06/07 0:3 zuhause gegen den 1. FC Nürnberg unter und, wie man es in den letzten Jahren von den Schwaben gewohnt ist, startete eine Aufholjagd. Am Ende sprang der sensationelle Titelgewinn heraus.

Und das zweite Team? Genau, den BVB erwischte es zu Beginn in der letzten Saison ebenfalls kalt. 0:2 hieß es vor heimischer Kulisse gegen den späteren Vizemeister aus Leverkusen.

Ein Fehlstart in der Bundesliga bedeutet also zwar im Allgemeinen nichts Gutes, doch einige Ausnahmen gab es, gerade in jüngerer Vergangenheit. Im DFB-Pokal ist eine Titel-Saison nach frühem Scheitern noch um einiges unwahrscheinlicher. In den letzten 32 Jahren schied nur ein einziger späterer Meister in der ersten Pokalrunde aus.

Dortmund scheitert bei Wolfsburg II

Und auch das ist noch gar nicht so lange her: 2001/02 war VfL Wolfsburgs zweite Mannschaft Endstation für den späteren Liga-Triumphator…Borussia Dortmund! Die "Schwarz-Gelben" sind auch hier die Ausnahme von der Regel. Der BVB nahm den VfL damals auf die leichte Schulter, schonte Stars wie Marcio Amoroso, Tomas Rosicky und Jan Koller fast das ganze Spiel mussten sich mit 0:1 geschlagen geben. Schalkes Christoph Metzelder stand damals noch für die Borussia auf dem Platz.

Am Ende gab es trotz der Enttäuschung im Pokal ja das Happy End für Dortmund - zumal das Spiel damals gar nicht das erste Pflichtspiel der Saison war, sondern erst seit 2007/08 vor der Bundesliga stattfindet. Zuvor mussten die Teams zwischen Spieltag 4 und 5 im Pokal ran.

BVB ist das Ausnahmeteam

Seitdem der Pokal auch das erste Saisonspiel ist, haben sich die späteren Meister überhaupt keine Blöße mehr gegeben. Alle Titelträger seit 2007/08 überstanden die erste Runde schadlos - auch wenn für den BVB in der letzten Saison dann in Runde 2 in Offenbach Schluss war.

"Als Borusse kann man dem Pokal mit den Erfahrungen der letzten Jahre nicht optimistisch entgegenblicken", fasst Borussias Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Gemütslage im Lager der Dortmunder zusammen. "Das wird eine sehr schwere Aufgabe in Sandhausen, und ich wäre heilfroh, wenn wir einigermaßen ungeschoren aus der Sache rauskommen", erklärte Watzke weiter. Das Auftreten eines selbtbewussten Meisters hört sich anders an.

Lässt man also die Statistiken von Liga und Pokal Revue passieren, gilt für alle Bundesligisten: Ein guter Saisonstart ist eigentlich Pflicht, wenn man am Ende oben stehen will. Für alle - außer für den Meister. Denn vielleicht hoffen Watzke und der BVB ja tief im Unterbewusstsein doch auf ein frühes Ausscheiden oder einen verkorksten Ligastart: Geschadet hat es dem BVB in letzter Zeit ja sicher nicht.

Christoph Gschoßmann