Köln – Das erste Saisondrittel ist vorbei und die beiden Aufsteiger FC Ingolstadt und SV Darmstadt 98 haben die Erwartungen bisher eindrucksvoll übertroffen. Am Sonntag kommt es zum direkten Duell. Wie gut sind die beiden Neulinge wirklich? Und wer hat die besseren Karten?

Als "krassester Außenseiter" seit Tasmania Berlin wurde der SV Darmstadt 98 noch vor der Saison betitelt. Nun haben die Lilien nach zwölf Spielen schon deutlich mehr Zähler (14) auf dem Konto als die legendäre Tasmania in der gesamten Saison 1965/66 gesammelt hat (8). Das Polster zu den direkten Abstiegsrängen ist nach einem furiosen Start mit vier Spielen ohne Niederlage zuletzt zwar auf sechs Punkte geschrumpft, doch wer hätte das in diesen Sommer schon für möglich gehalten?

Lilien setzten auf Standards, Konter und Kampf

Das Erfolgskonzept ist denkbar simpel: Darmstadt setzt auf eine solide Grundordnung rund um Abwehrchef Aytac Sulu. Nur die Top-4 der Tabelle und der FC Ingolstadt haben bisher weniger Tore kassiert. Beachtlich: Lediglich zehn Großchancen haben die Lilien ihren Gegnern in der laufenden Saison gestattet. Hier war nur der FC Bayern besser (4). Besonders gut gelungen ist Trainer Dirk Schuster auch die Integration der Neuzugänge Konstantin Rausch, Luca Caldirola, Peter Niemeyer und Sandro Wagner. Alle waren bei ihren früheren Clubs schon aussortiert, konnten den Lilien aber sofort weiterhelfen.

Nach vorne setzt Schuster auf Standardsituationen. 54 Mal kam die Mannschaft nach einem ruhenden Ball schon zum Torschuss. Das ist hinter Schalke Ligaspitze. Dazu baut man auf Konter: Immer wieder ist es der pfeilschnelle Marcel Heller, der von seinen Mitspielern auf Reisen geschickt wird. Fünf Tore hat er bereits auf dem Konto. Heller weiß aber auch: „Wir müssen immer mehr tun, denn die Anderen sind uns überlegen. Aber mit dem, wie wir kämpfen kompensieren wir das ganz gut“, verrät er im Interview mit bundesliga.de.

Schanzer mit zweitbester Abwehr der Bundesliga

Die Grundphilosophie der beiden Aufsteiger ist dabei recht ähnlich: Auch der FCI ist in der Defensive schwer zu überwinden, hat nach Bayern sogar die zweitbeste Abwehr der Bundesliga. Nur neun Gegentreffer waren es bisher für die Mannschaft von Coach Ralph Hasenhüttl. Zum Vergleich: Der Ligaschnitt liegt bei 17. Und wenn die Viererkette um Kapitän Marvin Matip schon mal was durchlässt, gibt es immer noch Ramazan Özcan. Der Schlussmann wehrt 85 Prozent der Bälle auf sein Gehäuse ab – so viel wie kein anderer Stammkeeper.

Da reicht es auch, wenn die Schanzer bisher die wenigsten Treffer erzielt haben. Was zählt ist schließlich die Effizienz – und die ist rekordverdächtig: Mit nur sieben geschossenen Toren hat zu diesem Zeitpunkt der Saison noch nie eine Mannschaft 16 Punkte erreicht. Im Gegensatz zu Darmstadt haben es die Neuzugänge - Markus Suttner mal ausgenommen - jedoch sehr schwer bei Ingolstadt. Die Mannschaft besteht zu großen Teilen aus dem Gerüst der letzten Aufstiegssaison und ist hervorragend eingespielt, gerade auch was das intensive Pressing der Stürmer betrifft.

Wer übernimmt die Initiative?

Beim Aufeinandertreffen am Sonntag wird es vor allem interessant sein, wer die Initiative übernimmt, denn beide zählen zu den Mannschaften mit den geringsten Spielanteilen und der schlechtesten Passqoute. Ingolstadt wirkt in der Spielanlage insgesamt etwas reifer, für Darmstadt spricht jedoch die Heimschwäche des FCI (bisher nur zwei Tore vor eigener Kulisse). Möglich aber auch, dass die erste Bundesliga-Partie zwischen den Schanzern und der Lilien nach einer Standardsituation entschieden wird. Denn hier stehen auf beiden Seiten genügend Experten auf dem Platz.

Von Karol Herrmann

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