Basel - Es ist wieder einmal soweit: Der FC Bayern hat vor einem Gruppenspiel in der Champions League die Rolle des Goliaths inne. Die Gastgeber des FC Basel bekleiden vor dem 2. Spieltag der Gruppe E im St. Jakob-Park (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) klar die Rolle des Außenseiters.

Die Schweizer Hausherren sind gegen den deutschen Rekordmeister aber fast schon zum Punkten verdammt. Denn zum Auftakt setzte es beim rumänischen Meister und vermeintlichen Hauptkonkurrenten im Kampf um das Minimalziel Platz 3, dem CFR Cluj, ein vermeidbares 1:2.

Der FC Basel lässt sich davon aber nicht beirren und träumt sogar vom großen Coup. "Den AS Rom können wir auch schlagen. Und wir haben alleine in den drei Heimspielen noch die Möglichkeit, neun Punkte zu holen", erklärte der ehemalige Dortmunder Stürmer Alexander Frei.

Bei den Bayern läuft zumindest in der "Königsklasse" alles nach Plan. Beim 2:0 gegen Rom machten sie ihren Anspruch auf Platz 1 in der Gruppe deutlich. Doch ein erneuter "Dreier" in Basel würde nicht nur weiter für klare Verhältnisse sorgen, sondern er würde auch den Frust aus der Bundesliga etwas vergessen machen.


Personelle Situation:

Arjen Robben und Franck Ribery suchen als Flügelzange weltweit wohl ihresgleichen. Doch sowohl der Niederländer als auch der Franzose fehlen den Münchenern. Dabei haben sie den Spielen, in denen es nicht so gut lief, oft die entscheidende Wendung gebracht. Für Kapitän Mark van Bommel ist der Ausfall der beiden Top-Stars aber keine Ausrede. Er weiß aber, dass es "für jeden von uns wieder eine Herausforderung wird."

Passen muss weiterhin auch Diego Contento. Auf der linken Seite dürfte wie schon gegen Mainz wohl wieder Daniel Pranjic die Aufgabe übernehmen. Eine andere Alternative wäre der Einsatz von Holger Badstuber auf Außen. Dafür könnte Anatoliy Tymoshchuk in die Innenverteidigung rücken - für Martin Demichelis hat Trainer van Gaal nach dessen Eskapaden ja nicht mehr so viel über.

Im Sturm sieht es nach einer Denkpause für Miroslav Klose aus. Mario Gomez ist nach Äußerungen van Gaals auf der abschließenden Pressekonferenz wohl auch weit von einer Nominierung von der Startelf entfernt. Spielt Klose nicht, ist meist Hamit Altintop mit auf dem Platz, der in der vergangenen Saison Ribery in der Champions League gut vertreten hat. Olic wäre dann alleinige Spitze, Thomas Müller würde dahinter als Spielgestalter agieren.

Basels Trainer Thorsten Fink kann fast aus dem Vollen schöpfen. Lediglich der ehemalige Cottbus-Spieler Cagdas Atan ist mit Magen-Problemen fraglich - er war nach schwachen Leistungen aber eher nicht für die erste Elf vorgesehen. Fink wird wohl wieder der Anfangsformation aus dem Zürich-Spiel und damit wie immer einem 4-4-2 vertrauen.


Form:

Bei den Bayern läuft es in dieser Saison in der Bundesliga noch schleppender als im Vorjahr. Zwei Siege, zwei Niederlagen, zwei Remis. Schlechter ist der Rekordmeister bislang nur in der Saison 1977/78 gestartet. Erschreckend ist, dass die Bayern-Spieler bislang erst fünf Tore geschossen haben. Von den eigentlichen Stürmern Klose, Olic und Gomez hat bislang noch keiner getroffen.

Beim 1:2 am letzten Spieltag gegen Tabellenführer Mainz offenbarten die Münchener dabei zum ersten Mal in dieser Saison auch eklatante spielerische Schwächen - phasenweise war es eine wahre Fehlpassgala von Schweinsteiger und Co.

Ganz anders der FC Basel. Zwar sind auch die "Bebbis" nur langsam in Fahrt gekommen, spätestens nach dem 4:1 beim großen Rivalen, dem FC Zürich, sind sie wieder ganz die Alten. Laufstark, spielfreudig, mit viel Ballbesitz - so kennt man den FCB in der Schweiz. Der Rückstand zu den Zürichern auf Platz 1 beträgt nur noch zwei Punkte. Die Bayern liegen schon zehn Zähler hinter Mainz zurück...


Zahlen und Fakten:

Der FC Basel und Bayern München treffen erstmals in der Champions League aufeinander. Die einzigen Pflichtspielbegegnungen der beiden Teams, in der 1. Runde des Messepokals 1962/63, gewannen die Münchner.

Bayern verlor nur eine der vier Europapokalpartien gegen ein Team aus der Schweiz (drei Siege) - im Landesmeistercup 1987/88 in Neuchatel (1:2), durch das 2:0 im Rückspiel zog der FCB ins Viertelfinale ein.

Die Eidgenossen konnten keines ihrer letzten sieben CL-Spiele gewinnen (sechs Niederlagen, ein Remis), die letzten drei wurden alle verloren. Der letzte Sieg der Basler datiert vom 18. März 2003, als sie am letzten Spieltag der 2. Gruppenphase gegen Juventus Turin gewannen (2:1).


Das sagen die Protagonisten:

Thomas Müller: "Wir müssen ruhig bleiben und weiter an uns glauben. Und dann werden wir auch wieder kommen - und wenn, dann hoffe ich, dass wir gewaltig kommen!"

Philipp Lahm: "Der Druck ist jetzt enorm hoch. Wenn wir in der Champions League ein Zeichen setzen und nach dem Sieg gegen Rom mit sechs Punkten starten könnten, wäre das Gold wert."

Louis van Gaal: "Ich hoffe, dass wir morgen einen Schritt weiter setzen können, nicht nur in der Champions League sondern auch für die Bundesliga. Wenn wir in einem großen Stil gewinnen, kann das der Wendepunkt sein."

Thorsten Fink: "In wichtigen Spielen sind meine Jungs immer da. Aber wir haben nur eine Chance, wenn wir 100 Prozent abrufen."

Marco Streller: "Wir haben unsere Hausaufgaben in Zürich gemacht. Jetzt kommt der Nachtisch."


Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Basel: Costanzo - Inkoom, Abraham, Ferati, Safari - Shaqiri, Huggel, Yapi, Stocker - Streller, Frei

München: Butt - Lahm, van Buyten, Badstuber, Pranjic - Schweinsteiger, van Bommel - Kroos, Müller, Altintop - Olic

Schiedsrichter: Craig Thomson (Schottland)

Aus Basel berichtet Michael Reis