München - "Weltklasse ist eben schwer zu ersetzen", sagte Sportvorstand Matthias Sammer nach der bitteren 0:2-Niederlage des FC Bayern München daheim gegen Borussia Mönchengladbach. Der FCB hat nicht nur drei Punkte verloren, sondern auch Torjäger Arjen Robben. Die einstige Flügelzange mit Franck Ribery ist damit für die kommenden Wochen gesprengt. Ein Loch, das nur schwer zu füllen ist.

"Es war kein angenehmer Abend für uns. Aber was noch viel unangenehmer ist, ist dass Arjen verletzt ist. Das ist mindestens genauso schlimm wie die Niederlage", so der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Der Bayern-Boss wusste genau, wie schwer der Ausfall von Robben in den nächsten Wochen wiegen könnte.

Nicht nur, dass der Niederländer den Kampf um die Torjägerkrone aufgrund des Bauchmuskelrisses wahrscheinlich verloren hat. Es kommt noch viel schlimmer. Die Flügelzange mit dem fast wieder fitten Franck Ribery ist für die nächsten Wochen ebenfalls hinfällig. Schon im Spiel gegen Gladbach war das zu spüren. "Das sind Spieler, die etwas aufreißen können", so Kapitän Philipp Lahm.

Guardiola: "Ohne Franck und Arjen war es schwer"

Auch Coach Pep Guardiola war der Meinung, dass man zwar alles versucht habe, "aber ohne Franck und Arjen war es schwer". Ein Blick in die Statistik verrät: Mit "Robbery" sind die Bayern nicht zu bezwingen. Alle zwölf Spiele (saisonübergreifend sogar 14) hat der FCB in dieser Saison für sich entschieden, wenn die beiden Flügelspieler gemeinsam auf dem Platz wirbelten. Die Torausbeute von 41:4 untermauert die Wichtigkeit der Offensivspieler.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Bayern ohne die beiden Stars in dieser Spielzeit "nur" acht Siege und vier Remis holten, dazu noch zwei Niederlagen einstecken mussten. Fehlte einer der beiden, sank der Punkteschnitt der aktuellen Saison von drei auf 1,8.

Bestätigt sich die Ausfallzeit von mindestens sechs Wochen, dann würde Robben im Viertelfinale des DFB-Pokals am 8. April bei Bayer Leverkusen fehlen, außerdem in den beiden Spielen im Viertelfinale der Champions League am 15. und 21. April gegen den FC Porto.

Müller sieht das Problem gelassen

Pure Verzweiflung macht sich beim Tabellenersten der Bundesliga aber noch lange nicht breit, dafür sind die Süddeutschen in der Breite zu gut aufgestellt. "Natürlich ist es bitter, wenn sie ausfallen. Aber wir haben genügend gute Spieler, die das auffangen können", so Thomas Müller. Die Frage nach der fehlenden Schnelligkeit auf den Außenbahnen hängt für den Weltmeister nicht zwangsläufig mit den Ausfällen zusammen. Müller erkennt nach Pleiten vielmehr ein allgemeines Muster: "Wenn man nicht gewinnt, wird alles infrage gestellt."

Der Blick auf die Tabelle lindert den Ausfall zwar, da Wolfsburg gepatzt hat und der Vorsprung mit zehn Punkten immer noch komfortabel ist. So sei "eigentlich nicht viel passiert", resümiert Lahm. Tabellarisch hat der FCB-Kapitän Recht. Im Falle von Robben trifft das nicht zu. Bayerns Trost: Ribery kehrt nach der Länderspielpause zurück. Ein Weltklasse-Flügelspieler ist immer noch besser als gar keiner.

Yannik Schmidt