München - Den Fußballer Baichung Bhutia kennt in Deutschland kein Mensch. Trotzdem bringt der Offensivspieler eine Eigenschaft mit, die ihn selbst für Rekordmeister Bayern München sehr interessant macht: Bhutia ist Inder.

Er war sogar der erste indische Fußball-Profi in Europa, als er 1999 zum FC Bury in die dritte englische Liga wechselte. Bhutia hat es dort nicht geschafft, in 37 Spielen traf er drei Mal, ehe er die Insel 2002 wieder verließ. Trotzdem hat Andreas Jung ganz genau hingehört, als er Bhutia am Montag in Delhi traf.

"Da steckt großes Potenzial drin"

Jung ist im Vorstand der Bayern für den Bereich Marketing zuständig und für den Trip der Mannschaft auf den Subkontinent mitverantwortlich. Für Indien und das Abschiedsspiel für den ehemaligen Nationalmannschaftskapitän Bhutia nehmen die Münchner bei der Rückreise aus dem Trainingslager in Katar einen Umweg von 4.400 Flugkilometern auf sich. "Asien ist grundsätzlich ein wichtiger Markt und speziell Indien ist ein Markt mit großer Zukunft. Da steckt großes Potenzial drin", sagt Jung.

Das gilt sowohl sportlich wie wirtschaftlich. Einen zweiten Bhutia würden sie gerne entdecken, die Bayern. Einen, der es in Deutschland schaffen könnte. Einen Japaner haben sie mit Takashi Usami schon. Japan hat 130 Millionen Einwohner, die Entwicklung eines indischer Kickers in München würde von potenziell 1,2 Milliarden Landsleuten verfolgt.

Kampf um die besten Fotos

Wie sehr sich die Inder für deutsche Spitzenfußballer begeistern, wurde am Montagnachmittag bei der Ankunft in Delhi klar. Philipp Lahm und Co. durften am Flughafen den Staatsgäste-Ausgang benutzen, am Bus warteten sechs Kameras und ein Dutzend Journalisten. Bei der Pressekonferenz im noblen Oberoi-Hotel prügelten sich die über 30 Fotografen beinahe um die besten Fotos von Trainer Jupp Heynckes, Lahm und Bastian Schweinsteiger.

Doch auch die wissen, dass Indien ein Fußball-Entwicklungsland ist und verfolgen dort derzeit noch ganz andere Ziele. "Das Spiel ist für unseren Partner Audi sehr wichtig", sagt Jung. Der indische Automobilmarkt dürfte in wenigen Jahren der mit der weltweit größten Wachstumsrate sein. Und in Delhi findet derzeit die Motorshow statt, bei der Audi die Stars aus der Bundesliga gerne präsentiert.

"Die Reise ist gut zu verkraften"

Heynckes' Belange stehen hinter diesen Überlegungen zurück. "Sportliche Beweggründe waren es sicher nicht", sagt Sportdirektor Christian Nerlinger schmunzelnd über den Sinn der Reise. Die "Bhangra Boys" sind kein ernsthafter Testspielgegner, wenngleich Heynckes betont, er wolle die Mannschaft bringen, die am 20. Januar zum Rückrundenauftakt bei Borussia Mönchengladbach beginnen soll. "Ich war noch nicht in Indien und bin gespannt auf die Kultur und die Menschen dort. Aber letztlich denke ich doch als Trainer und hoffe, dass auch dieses Spiel für uns wertvoll ist", sagt er.

Dass er lieber noch zwei, drei Tage unter den paradiesischen Bedingungen in Doha hätte trainieren lassen, kann Heynckes gut verbergen. "Das sind eben die Zwänge, die man beim FC Bayern hat. Das muss man hinnehmen, das tue ich. Ich denke, dass die Reise gut zu verkraften ist", sagt er. Für Kapitän Lahm gehört ein Abenteuer wie das in Delhi "einfach dazu. Jeder Spieler lernt hier, mit so etwas umzugehen. Beim FC Bayern habe ich schon mit 14, 15 Reisen gemacht, die andere in meinem Alter nicht gemacht haben."

Lahm war Ende Mai 2008 nicht dabei, als die Bayern in Kalkutta Oliver Kahn verabschiedeten. Auf den Straßen sangen und tanzten Tausende Fans, im Stadion jubelten den Münchnern 120.000 euphorische Zuschauer zu. Ein ähnlich entfesseltes Publikum muss der FCB diesmal nicht fürchten: Delhi ist anders als Kalkutta keine Fußballstadt, und das Nehru-Jawaharlal-Stadion hat auch "nur" 60.000 Plätze.

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