Zusammenfassung

  • Der FC Schalke 04 legt die nächste Aufholjagd hin

  • Die Königsblauen sind jetzt seit elf Spielen ungeschlagen

  • Trainer Tedesco lobt die Entwicklung seiner Mannschaft

Frankfurt - Die entscheidende Szene schilderte Ronaldo Aparecido Rodrigues, genannt Naldo, so: "Nach dem 1:2 haben wir alle zur Bank geschaut und den Trainer gesehen, der alle nach vorne gepusht hat." Vielleicht verdeutlicht diese Aussage des erfahrensten Schalke-Spielers nach dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt am besten die enge Verbindung, die mittlerweile zwischen Mannschaft und ihrem Trainer Domenico Tedesco herrscht.

Und Naldo, dieser 35 Jahre alte Abwehrrecke, rannte nach dem Wink des Trainers dann nach vorne. Und was dann passierte, war wie ein Deja-vu: Naldo traf in der fünften Minute der Nachspielzeit zum 2:2. Vor drei Wochen gelang diesem Naldo in der Nachspielzeit schon einmal der Ausgleich für seine Schalker - damals zum 4:4 nach 0:4 Rückstand in der vierten Minute der Extrazeit beim Derby in Dortmund.

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In Frankfurt lagen die Schalker am Samstag nach 66 Minuten durch Tore von Luka Jovic (2.) und Sebastien Haller (brillanter Absatzkick) 0:2 zurück. Trainer Tedesco fand dann nach Franco di Santo (55.) in Breel Embolo (68.) auch den letzten verbliebenen Stürmer auf seiner Ersatzbank, den er neben Guido Burgstaller in den Angriff beordern konnte. Dieser Embolo traf nach Vorlage von Burgstaller zum Ausgleich (82.), dann winkte Tedesco alle nach vorne - und wieder wurde Schalke belohnt, wieder traf Naldo: Seit Samstag spricht ganz Schalke nun von einer neuen Tradition: Schluss ist erst, wenn Naldo trifft!

Trainer Tedesco aber musste den Ausgleich vor einem Bildschirm in den Katakomben verfolgen: Wiederholt hatte der Trainer gestenreich die Entscheidungen des Unparteiischen Robert Kampka kritisiert, bevor dieser ihn aus dem Innenraum verwies. Erst nach dem Schlusspfiff durfte der 32-Jährige wieder auf den Rasen sprinten und mit seinen Spielern und den Fans feiern wie nach einem Sieg. Schalkes Sportvorstand Christian Heidel lobte: "Die Mannschaft hat eine außergewöhnliche Mentalität entwickelt in den vergangenen Monaten. Das ist nicht erst seit heute so."

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Seit elf Spielen ist das Tedesco-Schalke ungeschlagen, obwohl es - wie in Dortmund und Frankfurt - einige Male nah an einer Niederlage war. Zufall ist das nicht. Naldo schwärmt: "Wahnsinn, dass wir nach 0:2 noch zum 2:2 gekommen sind. Es ist wichtig, dass wir immer an uns glauben. Unsere Mannschaft ist einfach geil. Der Trainer macht das überragend." Auch Breel Embolo ist begeistert. Der Schweizer kommt nach langer Verletzungspause langsam wieder in Fahrt und lobte den Teamspirit in der Kabine. Domenico Tedesco analysierte: "Die Jungs entwickeln sich gut, das ist einfach ein guter Haufen." Er sagte aber auch mahnend, noch laufe die Hinrunde: "Am Dienstag haben wir noch ein Pokalspiel gegen den 1. FC Köln." Und Naldo, der drei Jahre älter ist als sein Trainer, stellte klar: "Wenn wir weiterkommen, können die Jungs auch etwas trinken."

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Bis dahin wollen die Königsblauen den Schwung dieser überragenden Vorrunde mit ins Pokalspiel nehmen, in der Liga überwintert Schalke auf einem Champions-League-Rang. Nach der letzten Mittelmaß-Saison wächst in der Mannschaft, im Verein und bei den Fans von Woche zu Woche mehr der Glaube an eine erfolgreiche Saison mit dem jungen Trainer, den Christian Heidel für Markus Weinzierl installierte.

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Der mutige Trainer veränderte seit Sommer die Schalker Statik auf und neben dem Platz: Tedesco entzog Benedikt Höwedes die Kapitänsbinde, der Weltmeister wechselte verärgert zu Juventus Turin. Spielmacher Maximilian Meyer beorderte er auf die Sechserposition - Meyer und der Mannschaft tut das richtig gut. Der U 21-Europameister gehörte auch in Frankfurt zu den besten Schalkern. Aber all das würde nicht so wirken, gäbe es neben den Siegen nicht solche Erlebnisse wie in Dortmund und Frankfurt. Der FC Schalke überwintert in dieser Saison auch dank des 32 Jahre jungen Domenico Tedesco mit viel Selbstvertrauen und Hoffnung.

Tobias Schächter