Zusammenfassung

  • Schalkes Naldo traf bereits zum sechsten Mal gegen den BVB
  • Der Brasilianer freut sich riesig über den Derbysieg
  • Jetzt will Naldo mit Schalke zum Pokalfinale nach Berlin

Gelsenkirchen - Als Naldo den Freistoß nach 82 Minuten mit 126 km/h zum 2:0 in die Maschen des Dortmunder Tores hämmerte, war das Derby entscheiden – und ganz Schalke feierte auch seinen Abwehrchef.

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Der 35-Jährige traf nicht nur gegen seinen Lieblingsgegner schon zum insgesamt sechsten Mal und stellte zugleich seine persönliche Saison-Bestmarke von sieben Treffern ein, sondern überzeugte auch einmal mehr als bester Zweikämpfer auf dem Platz. Naldo gewann stolze 89 Prozent seiner direkten Duelle. Im Interview nach dem Derbysieg präsentierte sich der Brasilianer trotzdem ganz bescheiden – und mit neuen Zielen für Schalke.

Frage: Naldo, wie fühlt sich der Derbysieg über den BVB an?

Naldo: Ich freue mich wie ein kleines Kind. Aber besonders freut es mich für unsere Fans. Wir wissen, was dieser Sieg für alle Schalker bedeutet. Und wir wissen, was die Fans von uns erwarten, vor allem in einem Derby. Sie wollen uns auf dem Platz kämpfen sehen. Und wir haben gekämpft und für Dortmund kaum eine Chance zugelassen. Die Mannschaft hat das überragend gemacht, jeder Einzelne. Wir sind fast über die gesamte Zeit sehr konzentriert aufgetreten.

"Gegen Dortmund haben wir wieder die Mentalität gezeigt, die uns so stark macht. Wir haben über 90 Minuten unser Maximum herausgeholt."

Frage: War es das Ziel, Dortmund kämpferisch den Schneid abzukaufen?

Naldo: Das Ziel war, ganz anders aufzutreten als noch beim HSV. Da haben wir richtig enttäuscht. Aber gegen Dortmund haben wir wieder die Mentalität gezeigt, die uns so stark macht. Wir haben über 90 Minuten unser Maximum herausgeholt. Das war wieder ganz anders als noch bei der Niederlage in Hamburg. Aber es gibt in der Saison immer mal einen schwachen Moment. (lacht) Zum Glück war der gegen den HSV, nicht jetzt gegen Dortmund. Und darum haben wir gegen den BVB auch ganz verdient gewonnen.

Frage: Ganz Schalke hat ausgelassen gefeiert und Domenico Tedesco hat sogar in der Nordkurve bei den Fans mitgefeiert.

Naldo: Die Fans wissen auch, wie wichtig dieser Trainer für uns ist. Vom ersten Tag an haben wir das Gefühl, dass er perfekt auf Schalke passt. Er ist sonst kein Typ, der selbst öffentlich viel feiern möchte. Aber beim ersten Derbysieg seit 2014 ist das schon ein guter Grund. Wir haben hochverdient gewonnen und da gehört der Trainer natürlich auch dazu. Das wissen die Fans auch zu schätzen.

Frage: Der Trainer bleibt offiziell noch vorsichtig, was die Qualifikation für die Champions League betrifft – Sie auch?

Naldo: Vorsichtig bin ich immer. Aber langsam können wir uns unseren Traum erfüllen, wieder in der Champions League zu spielen. Der Derbysieg war auch für die Tabelle besonders wichtig, da Leverkusen auch gewonnen hat. Auf den fünften Rang haben wir jetzt acht Punkte Vorsprung. Natürlich ist der Trainer immer noch sehr vorsichtig, aber bei nur noch vier Spieltagen sieht das schon sehr gut aus für uns.

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Frage: Sie haben dieses Mal per Freistoß zum 2:0 getroffen, nachdem Sie schon im Hinspiel den 4:4-Ausgleich erzielt haben. Sind Treffer gegen den BVB auch für Sie etwas Besonderes?

Naldo: Ja, gegen Dortmund sind es immer besondere Tore. (lacht) Vor allem, wenn du ein Schalker bist. Das 4:4 im Hinspiel war schon überragend. Aber der Derbysieg jetzt zuhause freut mich wirklich riesig. Dass ich dabei noch mit dem Freistoß getroffen habe, schon mein siebtes Tor in dieser Saison – klasse. Aber das Leben geht weiter. Ob ein gutes oder ein schlechtes Spiel, ich bleibe immer auf dem Boden. Wir müssen auch jetzt analysieren, was wir Mittwoch noch verbessern müssen.

Video: Naldos dritter Frühling

Frage: Am Mittwoch steht das Pokal-Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt auf dem Programm. Allzu viel dürfte da vorher nicht zu verbessern sein, oder?

Naldo: (lacht) Ich denke auch, so viel wird es nicht zu korrigieren geben. Wenn wir diese Mentalität und diese Aggressivität zeigen wie im Derby, dann wird es für jeden Gegner schwer.

Frage: Das Pokal-Endspiel ist ein durchaus lohnenswertes Ziel.

Naldo: Wir wollen auf jeden Fall nach Berlin fahren! Und wenn wir unsere Leistung am Mittwoch abrufen, dann schaffen wir das auch. Wir müssen uns ganz auf unsere Leistung konzentrieren. Aber es wird sehr hart. Frankfurt ist in der Defensive sehr gut und sehr konterstark. Und sie haben schon das letzte Pokalfinale in Berlin gespielt. Sie wissen, was das bedeutet und werden alles dafür tun. Aber wir auch!

"Ich habe den Ball super getroffen. Dann ist es für den Torwart auch wirklich schwer."

Frage: Lassen Sie uns nochmal über Ihren Freistoß-Hammer sprechen, den Sie da ins Dortmunder Tor genagelt haben…

Naldo: Bei der Entfernung musst du mit viel Kraft schießen. Ich freue mich natürlich, dass ich endlich mal wieder mit einem Freistoß getroffen habe. Ich habe den Ball super getroffen. Dann ist es für den Torwart auch wirklich schwer. Mein letztes Freistoßtor war in der vergangenen Saison gegen die Bayern. (lacht) Wir bekommen insgesamt leider nicht so viele Freistöße, eher Elfmeter.

>>> Video-Rückblick auf das Derby-Hinspiel

Frage: Dann schießen Sie doch auch mal einen Elfmeter. Am Mittwoch im Pokal könnte es sogar nötig werden, falls es zum Elfmeterschießen kommt.

Naldo: Im Training schieße ich auch immer Elfmeter. Wenn man mich braucht, bin ich da. Aber wir haben da schon genug Qualität an Elfmeterschützen. Und ich hoffe nicht, dass es am Mittwoch ins Elfmeterschießen geht. Ich hoffe, wir können in 90 Minuten alles klar machen. Aber wenn der Trainer mich zum Punkt schickt, dann bin ich bereit.

Naldo hämmert den Ball zum 2:0 in die Maschen des Dortmunder Tores
Naldo hämmert den Ball zum 2:0 in die Maschen des Dortmunder Tores © gettyimages / Christof Koepsel/Bongarts/

Frage: In der Bundesliga haben Sie Ihr Konto mit dem Derbytor jetzt auf sieben Treffer geschraubt. Wollen Sie etwa Schalkes besten Torjäger Guido Burgstaller noch jagen?

Naldo: (lacht) Das wird nicht einfach, Guido hat ja schon zehn Tore gemacht. Das Wichtigste ist für mich auch immer, defensiv zu denken. Das ist die erste Aufgabe. Aber wenn die Möglichkeit besteht, ein Tor zu machen, dann versuche ich meiner Mannschaft natürlich auch so zu helfen. Ich habe schon einmal in einer Saison für den VfL Wolfsburg sieben Tore gemacht. Damals haben wir übrigens auch den DFB-Pokal geholt, das ist doch ein gutes Omen.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte