Zusammenfassung

  • Jung-Trainer Domenico Tedesco hat die Königsblauen zurück in die Erfolgsspur geführt

  • Erstmals seit März 2016 steht S04 wieder auf einem Champions-League-Platz

  • Voller Fokus und taktische Kniffe als Erfolgsrezept

Gelsenkirchen - Die Zweifel an Domenico Tedesco sind längst verflogen, der Ärger um die Flucht des Weltmeisters Benedikt Höwedes ist verraucht: Beim FC Schalke 04 ist es ungewöhnlich ruhig. Heimlich, still und leise pirschen sich die Königsblauen unter Domenico Tedesco an die Spitze der Fußball-Bundesliga heran - und reden gar nicht darüber.

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"Es wäre fahrlässig, auch nur einen minimalen Gedanken an irgendetwas anderes zu verschwenden als an Hamburg", sagte Tedesco vor dem Heimspiel am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) gegen den HSV: "Ansonsten hast du keine Chance und wirst dein blaues Wunder erleben." Mit einem Sieg gegen Hamburg könnte der Tabellenvierte noch weiter nach oben klettern und in Regionen vorstoßen, die für Tedescos Vorgänger unerreichbar waren.

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Kaum Erfahrung? Kein Problem

Der 32-Jährige, vor seiner Verpflichtung mit der Erfahrung von nur elf Wochen in der 2. Bundesliga ausgestattet, hat den Traditionsklub auf Kurs gebracht - trotz schwieriger Voraussetzungen. Denn Schalke verlor im Spätsommer nicht nur seinen langjährigen Kapitän Höwedes, sondern Masse und Klasse gleichermaßen. Nach 17 Abgängen ging der Trainerneuling mit einem Minikader von 22 Spielern in seine erste Bundesligasaison. Tedesco stand deutlich weniger Qualität zur Verfügung als seinen Vorgängern Markus Weinzierl, Andre Breitenreiter, Roberto di Matteo und Jens Keller.

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Doch der Musterschüler, der die Ausbildung beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) 2016 mit einer makellosen 1,0 abschloss, hat in wenigen Wochen geschafft, was die anderen vergeblich versuchten - er hat Schalke ein klares taktisches Konzept gegeben, das aus einer keineswegs überragenden Mannschaft das Optimum herausholt. "Unser Wiedererkennungswert ist, dass wir hohe Ballgewinne erzielen wollen, das Spiel über Pressing oder eine gewisse Ballzirkulation dominant gestalten wollen", erklärte Tedesco seine Philosophie: "Wir möchten den Gegner permanent stressen, egal ob daheim oder auswärts, egal ob Bayern oder Unterhaching, und den Gegner auf dem falschen Fuß erwischen."

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Goretzka nach vorn, Meyer als Sechser

Dabei greift er auch zu überraschenden Mitteln: Den dribbelstarken Offensivspieler Max Meyer, der seine Lieblingsposition als Zehner sah, schulte er zum Sechser um. Seitdem ist der U21-Europameister wieder Stammspieler und ein wichtiger Grund für die verbesserte Spielkultur der Königsblauen. Confed-Cup-Sieger Leon Goretzka rückte im Mittelfeld weiter nach vorne und tat sich prompt nicht nur als unermüdlicher Antreiber, sondern auch als Torschütze hervor. Gegen den HSV allerdings muss Tedesco wahrscheinlich wieder auf den Nationalspieler verzichten, dessen Stressreaktion im Unterschenkel "noch nicht komplett verheilt" ist.

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Doch selbst ohne den besten Feldspieler weiß sich der Coach zu helfen. Beim 1:0 in Freiburg stellte er den erst 19-jährigen US-Amerikaner Weston McKennie auf die Goretzka-Position. Seit sechs Pflichtspielen ist Schalke mittlerweile ungeschlagen und bewegt sich wieder in Champions-League-Regionen. Ein "blaues Wunder", das nach der verkorksten letzten Saison nur die größten Optimisten für möglich hielten.

SID