Zusammenfassung

  • Schalke ist seit zehn Bundesliga-Spielen ungeschlagen. Innerhalb einer Saison ist das für S04 die längste Serie seit knapp elf Jahren. Der Clubrekord liegt bei 14 Bundesliga-Partien ohne Niederlage.

  • Zum zweiten Mal in den letzten acht Spielzeiten überwintert Schalke vor dem BVB.

  • Tedesco hat das richtige Händchen für die stärksten Positionen seiner Spieler.

Köln – Auch, wenn für den FC Schalke 04 in dieser Bundesliga-Hinrunde noch eine Partie aussteht, haben die Knappen ein Etappenziel bereits erreicht: Schalke wird in diesem Jahr auf jedem Fall vor Borussia Dortmund überwintern. In den letzten acht Spielzeiten war das sonst nur 2014/15 der Fall. Noch wichtiger ist allerdings, dass die Mannschaft von Domenico Tedesco mit einem Sieg in Frankfurt als Tabellenzweiter ins neue Jahr starten würde.

Der Schalker Aufschwung hat sicherlich viele Gründe, beginnt aber ohne Zweifel beim neuen Trainer. Domenico Tedesco hat dem königsblauen Spiel seine Handschrift verliehen und seine Spieler setzen die Ideen des 32-Jährigen immer besser um. Dabei lässt sich Schalke auch von widrigen Umständen nicht aus der Bahn werfen und ist enorm schwer zu schlagen. Die letzte Niederlage musste S04 am 6. Spieltag bei 1899 Hoffenheim hinnehmen.

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Die Serie von zehn ungeschlagenen Spielen ist die beste seit 2008. Damals waren es elf Partien ohne Niederlage. Diese Marke könnte Schalke schon am Samstag in Frankfurt knacken – und selbst der ewige Rekord ist in greifbarer Nähe. 1977 blieb der Ruhrpottclub in 14 Bundesliga-Partien ohne Niederlage.

Schalker Schützenfest gegen den FC Bayern

Damals spielte das wahrscheinlich beste Schalke-Team seit Bundesliga-Gründung einen aufregenden Fußball und verpasste die Deutsche Meisterschaft nur um einen Punkt. Unter anderem fügte S04 dem FC Bayern München in dieser Spielzeit die höchste Bundesliga-Niederlage aller Zeiten zu. Das Team um Klaus Fischer, Rüdiger Abramczik, Klaus Fichtel und die Kremers-Zwillinge fegte die Münchner im Olympiastadion mit 7:0 vom Feld.

Ein Bild für die Geschichtsbücher: Die Chronologie des Schalker 7:0-Erfolgs in München
Ein Bild für die Geschichtsbücher: Die Chronologie des Schalker 7:0-Erfolgs in München © imago / Simon

Es sind also große Fußstapfen, in die das aktuelle Team tritt und es wäre ein Ritterschlag, wenn Fährmann, Goretzka und Co. den seit fast 30 Jahren bestehenden Clubrekord einstellen würden. Dabei ist der Stil ein völlig anderer als vor 30 Jahren. Stand das Schalke-Team des leider viel zu früh verstorbenen Trainers Friedel Rausch mit einer Tordifferenz von 77:52 für Spektakel-Fußball, spielt die aktuelle Mannschaft deutlich pragmatischer. Rechnet man die derzeitige Bilanz bis zum Saisonende hoch, hätte S04 nach 34 Spieltagen ein Torverhältnis von 55:40.

Naldo ist Schalkes Fels in der Brandung

Ein wesentlicher Grund für die solide Abwehrarbeit ist Routinier Naldo, der derzeit seine beste Phase seit dem Wechsel nach Gelsenkirchen hat. Da war es ein wichtiges Signal, dass der Brasilianer seinen Vertrag unlängst bis 2019 verlängert hat. Mit der zentralen Rolle in der Dreierkette hat Domenico Tedesco die optimale Position für Naldo gefunden. Dasselbe gilt auch für Max Meyer, der sich unter Tedesco vom Sorgenkind zum Leistungsträger entwickelt hat. Der einst als Spielmachertalent gefeierte räumt nun robust als Sechser ab – und das macht er richtig gut.

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Selbst Franco Di Santo, der nach seinem Wechsel aus Bremen bislang vergeblich sein Glück auf Schalke suchte, ist auf dem Weg zu der Form, die Schalke 2015 bewog, den Argentinier zu verpflichten. Gegen Augsburg machte der 28-Jährige seine 100. Bundesliga-Partie und eines seiner besten Spiele für Schalke. Die Krönung war sein sehenswertes Hacken-Tor zum 1:0 (>>> zum ausführlichen Spielbericht).

Sollte Tedesco weiterhin so ein gutes Händchen beweisen, würde es nicht überraschen, wenn Breel Embolo, Schalkes Königstransfer der vergangenen Saison, nach seiner langwierigen Verletzung in der Rückrunde groß aufdrehen würde. Das würde die Optionen in der Offensive und die Chancen auf die Einstellung der Rekordserie noch weiter erhöhen. Anders als 1977 wäre 2018 aber wohl kein Schalker mit der Vizemeisterschaft unzufrieden.

Florian Reinecke