Gelsenkirchen - Er war ein Stückweit das Sinnbild der Krise des FC Schalke 04 – und wie kein Zweiter hat er sich beim ersten Bundesligasieg der Saison zurück ins Rampenlicht geschossen: Neuzugang Breel Embolo glänzte beim 4:0-Erfolg über Mönchengladbach mit einem Doppelpack und bekam das breite Lachen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Im Schnellverfahren wird der 19-Jährige zum Hoffnungsträger für bessere Zeiten.

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Als Breel Embolo gegen Gladbach in der 90. Minute ausgewechselt wurde und den Platz verließ, klatschte er seine Mitspieler auf der Bank ab. Dabei kam er auch an Christian Heidel vorbei – und der Sportvorstand sprang auf und drückte Embolo kurz, aber herzlich an sich. Für ihn waren die ersten beiden Treffer des Neuzugangs aus Basel gleich eine doppelte Bestätigung. Zum einen war der Stürmer in diesem Sommer Schalkes "Königstransfer". Zum anderen hatte Heidel auch in den letzten, schwierigen Wochen keine Gelegenheit ausgelassen, ein Loblied auf Schalkes Nummer 36 zu singen.

Gerade einmal eine Woche vor der Befreiung für Embolo und die Königsblauen hatte der 19-Jährige nach der Schalker Niederlage in Hoffenheim – der fünften Pleite in Serie - noch bittere Tränen vergossen. Heidel hatte das imponiert: "Breel hat das Herz an der richtigen Stelle. Man sieht seine Verbindung zum Verein. Er ist auf einem richtig guten Weg, sich beim FC Schalke 04 zu positionieren."

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Warme Worte für den Youngster, weil wohl auch Heidel gespürt hat, dass Embolo der Wechsel vom FC Basel aus der Schweizer Liga in die Bundesliga doch schwerer gefallen war als erhofft. Viel Geld hatten sich die Knappen den Wechsel kosten lassen; Breel Embolo gilt als Rekordtransfer der Vereinsgeschichte. Bei seiner Vorstellung hatte er sich noch ganz cool und selbstbewusst präsentiert: "Schalke ist genau der richtige Schritt für mich." Doch der schwache Saisonstart der Knappen, die Verunsicherung auf dem Platz – all das zog auch den talentierten Offensivspieler mit nach unten. Breel Embolo spielte bis zur Partie in Hoffenheim nie mehr als 45 Minuten. Und wenn er spielte, wirkte er manches Mal wie ein Fremdkörper, dem irgendwie die Bindung zum Spiel und zu seinen Mitspielern fehlte. Torgefahr und Effektivität strahlte Embolo eher wenig aus.

Was man dem Schweizer mit kamerunischen Wurzeln aber nicht absprechen konnte: Er arbeitete, er lief und kämpfte, er steckte nie auf. Vor allem Heidel zeigte sich öffentlich beeindruckt, "wie er ackert und in jeden Zweikampf geht. Er ist ein Spieler, der vorne für drei läuft." Eine Tatsache, die der Manager auch jetzt nach Embolos Doppelpack noch einmal unterstrich: "Ich kenne seine Werte. Er führt bis zu 35 Zweikämpfe pro Spiel, zieht nie einen Fuß zurück und opfert sich für seine Mannschaft auf. Er ist als Stürmer unser erster Verteidiger und macht das überragend."

Embolo antwortet auf die Kritik

Die Rückendeckung von Heidel war Breel Embolo in der torlosen Zeit ebenso eine Hilfe wie die Unterstützung von Markus Weinzierl und der Mitspieler. Denn einfach weglächeln konnte auch der smarte 19-Jährige die Kritik nicht einfach, die von außen auf ihn einprasselte, wie er jetzt gestand: "Das war etwas Neues für mich, eine neue Erfahrung. Aber der Trainer hat mir das Vertrauen gegeben und die Mannschaft stand hinter mir." Embolo antwortete auf die Kritik auf seine Weise: Erst traf er, dann hielt er sich beim Jubeln die Ohren zu. "Es wurde von außen so viel geredet und geschrieben. Wir sind immer ruhig geblieben, haben zusammengehalten und viel gearbeitet", erklärte er im Interview nach der Partie.

Worte, die der Stürmer auf dem Platz mit Leben erfüllt hatte. Einen Treffer hatte er selbst erzielt, einen weiteren eingeleitet – und sein zweites Tor war dann das Sinnbild schlechthin für eine Mannschaft und einen Spieler, die an diesem Nachmittag unbedingt wollten. Weder Gladbachs Torwart Yann Sommer noch Verteidiger Andreas Christensen konnten Embolo stoppen. Er gewann das intensive Laufduell, lag schon am Boden, rappelte sich wieder auf und vollendete. Eine Energieleistung, die dem Youngster nach Abpfiff vor der Nordkurve zum ersten Mal Sonderapplaus der Fans einbrachte. Ein Torjäger, der für seine Treffer richtig malocht – so wird man auf Schalke zum Publikumsliebling.

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Und im Schnellverfahren auch zum Hoffnungsträger. Klaas-Jan Huntelaar konnte bislang nicht wirklich überzeugen, Franco Di Santo spielt in den Planungen von Markus Weinzierl keine große Rolle. Also bleibt bei vielen Anhängern Embolo als der Mann, der ganz vorne die Last der Schalker Offensive tragen soll. Eine Erwartungshaltung, die mit dem Doppelpack des Schweizers neue Nahrung bekommen hat. Wohl auch deshalb fand Christian Heidel vor der Länderspielpause noch einmal mahnende Worte an das königsblaue Umfeld: "Manch einer erwartet wohl, dass Breel hier gleich Torschützenkönig wird. Aber er ist erst 19 Jahre alt. Er hat in seinem Alter jedes Recht, Bälle auch mal zu verstolpern."

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte