Gelsenkirchen - Mit dem 2:0-Erfolg über den SC Freiburg hat der FC Schalke 04 den sechsten Sieg in Folge gefeiert und seinen eigenen Vereinsrekord eingestellt. Fünf Mal spielte man dabei zuletzt sogar zu Null - das gab’s vorher noch nie. Das Geheimnis des Schalker Erfolges liegt in der Effizienz und könnte in dieser Saison tatsächlich zur Vize-Meisterschaft führen. Die Fans allerdings haben noch ein ganz anderes Ziel vor Augen.

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Am kommenden Spieltag muss der FC Schalke 04 beim Hamburger SV antreten. Gewinnt man auch an der Elbe, wäre das gleichbedeutend mit dem siebten Schalker Sieg in Folge. Und damit ein historischer Erfolg, denn das hat der Klub in seiner nunmehr 114-jährigen Vereinshistorie zuvor noch nie erlebt. Wie das gelingen kann, hat Daniel Caligiuri am Samstag nach dem 2:0-Sieg über Freiburg auf einen relativ einfachen Nenner gebracht: "Wir wollen wieder zu Null bleiben und unsere Effektivität weiter ausspielen." Womit der Außenspieler das aktuelle Schalker Erfolgsgeheimnis nahezu perfekt auf den Punkt gebracht hat.

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Es ist wahrlich kein Zauberfußball, den die Königsblauen in den letzten Wochen zeigen. Kein kreatives Offensivspektakel, keine erdrückende Dominanz – aber ausgesprochen erfolgreich, so dass Platz zwei in der Tabelle längst mehr ist als eine Momentaufnahme. Die letzte Niederlage liegt fast zwei Monate zurück. Anfang Februar verlor Schalke knapp mit 1:2 beim FC Bayern München und startete im Anschluss eine imposante Siegesserie. Sechs Siege in Folge gelangen dem Klub zuvor erst zweimal, in den Spielzeiten 2004/05 und 2006/07.

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Dabei gewinnt die alte Huub-Stevens-Formel "Die Null muss stehen" wieder richtig an Bedeutung. Denn eine starke Defensivleistung und ein kompaktes Auftreten in der Arbeit gegen den Ball sind die Grundlagen der Schalker Erfolge. "Man muss wissen, wo die eigenen Stärken sind", meint Domenico Tedesco. Unter ihm steht die intensive Defensivarbeit klar im Vordergrund. Laufarbeit, Zweikampfstärke, körperlicher Einsatz, robuste Spielweise, Mentalität und Leidenschaft – das sind die Tugenden, die der Trainer einfordert und die die Profis oft vorbildlich umsetzen. Intensives Pressing mit dem Ziel, das Aufbauspiel des Gegners zu unterbinden und ihn zu Fehlern zu zwingen, predigt der Trainer seiner Mannschaft. Die logische Konsequenz: Erstmals in der Historie feierte der S04 jetzt fünf Zu-Null-Siege in Folge. Seit stolzen 462 Minuten und damit seit fast acht Stunden ist Ralf Fährmann ohne Gegentor.

Hinten sicher, vorne effizient – das ist das Erfolgsmotto unter Tedesco. Der 2:0-Sieg über den SC Freiburg am Samstag war für Schalker Verhältnisse fast schon ein Torfestival. Die Spiele zuvor gegen Hertha, Mainz und Wolfsburg gewannen die blau-weißen Minimalisten jeweils mit dem knappsten aller Ergebnisse – aber das 1:0 brachte eben jeweils die maximale Ausbeute dank einer fast schon brutalen Effizienz. Denn viele Chancen erspielt sich die Mannschaft in der Regel nicht und gibt auch entsprechend wenige Torschüsse ab. Die 15 Versuche gegen Freiburg stechen dabei heraus und sind eher untypisch; zuvor waren es mal acht (Berlin), mal neun (Leverkusen) oder auch mal nur sechs Torschüsse (Mainz). Auch den Ballbesitz überlässt man im Zweifelsfall dem Gegner, verlegt sich gerade bei eigener Führung lieber auf gelegentliche Konter aus einer stabilen Deckung heraus.

Alle neun Strafstöße verwandelt

Das Ergebnis sind bereits 15 Saisonsiege, wenn auch manchmal "dreckig herausgespielt", wie es Daniel Caligiuri nach dem 1:0-Erfolg in Wolfsburg formulierte. Hier half übrigens ein Eigentor des Gegners zum Sieg, sonst kann auch wie jetzt gegen Freiburg nach lange sehr überschaubarer Leistung ein erfolgreicher Elfmeter mal den Weg weisen. Denn auch hier beweist Königsblau Effizienz: Alle neun Strafstöße in dieser Saison wurden verwandelt.

Daniel Caligiuri verwandelt den Elfmeter zum 1:0 für Schalke
Daniel Caligiuri verwandelt den Elfmeter zum 1:0 für Schalke © gettyimages / Martin Rose

Was für Schalke zählt, ist der Ertrag, der den Verein auf Rang zwei der Tabelle und ganz nah an das große Ziel Champions-League-Teilnahme herangeführt hat. Mit jedem Sieg wächst das Selbstvertrauen, bestätigt Torjäger Guido Burgstaller: "Wenn du weißt, du hast jetzt sechs Mal in Folge gewonnen, dann geht alles ein bisschen leichter." Entsprechend gelassen kontert Tedesco auch Vorwürfe, die Taktik seines Teams biete zu wenig Unterhaltungswert: "Die Kritik, wir würden unansehnlichen Fußball spielen, trifft uns nicht."

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So sehen es auch die Fans, die ihre Mannschaft enthusiastisch wie lange nicht mehr feiern. Dabei ist der Weg zurück unter die Besten Europas und die Aussicht auf die deutsche Nummer zwei hinter den Bayern für die Anhänger nur die eine Seite der Medaille. Schon nach dem Sieg gegen Freiburg machten sie klar, dass für sie jetzt der Derbysieg in den Fokus rückt. Nach dem spektakulären und historischen 4:4-Remis im Hinspiel soll am übernächsten Spieltag ein Erfolg im heimischen Stadion gegen Borussia Dortmund untermauern, wer zurzeit die Nummer eins im Pott ist. Vorher soll beim Hamburger SV noch schnell Seriensieg Nummer sieben klar gemacht werden. Dann ginge es mit neuem Vereinsrekord ins Derby – besser ginge es kaum…

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte