Zusammenfassung

  • Im Revierderby am Sonntag geht es um die Vorherrschaft im Ruhrgebiet.

  • Nach sechs Siegen in Serie verlor Schalke zueltzt in Hamburg.

  • Der BVB zeigte sich hingegen gut erholt vom 0:6 in München und bezwang Stuttgart mit 3:0.

Köln – Unabhängig von der Tabellensituation ist jedes Revierderby eine ganz besondere Partie. Am kommenden Wochenende erhält das ewig junge Duell zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund aber durch die Ausgangslage noch einmal eine besondere Würze – schließlich empfängt der Tabellenzweite den Dritten. Nach der Partie könnten die Rollen allerdings vertauscht sein, denn der BVB würde mit einem Sieg auf Schalke am ewigen Rivalen vorbeiziehen. Andererseits könnten die Knappen den Vorsprung im Tableau bis auf vier Zähler ausbauen. Kurzum: Es ist für beide Clubs ein Schlüsselspiel auf dem Weg in die Champions League. Und in solchen Spielen kommt es ganz besonders auf die herausragenden Akteure an. Wir stellen Euch die fünf Duelle vor, die im Derby über Sieg und Niederlage entscheiden werden.

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Naldo vs. Michy Batshuayi

Der Brasilianer Naldo ist der Alterspräsident der Schalker und der uneingeschränkte Chef der königsblauen Dreierkette, die in dieser Saison nur schwer zu überwinden ist. Darüber hinaus ist der 35-Jährige immer für ein Tor gut. In dieser Saison sind es bereits sechs Treffer. Im Derby wird er aber vor allem in der Defensive gefordert sein, denn er bekommt es mit dem zweitbesten Torjäger der Rückrunde zu tun: Michy Batshuayi war für den BVB in neun Spielen sieben Mal erfolgreich. Nur Robert Lewandowski traf in diesem Jahr noch öfter. Dabei brilliert der Belgier vor allem am Boden. Alle seine Treffer erzielte er mit dem Fuß – vier mit links, drei mit rechts. Und genau da könnte die Chance für den BVB liegen, denn Naldo ist zwar mit 73 Prozent gewonnenen direkten Duellen der beste Zweikämpfer der Liga, aber seine Quote am Boden liegt "nur" bei 69 Prozent. Dortmund sollte Batshuayi also flach anspielen, denn in der Luft ist Naldo praktisch nicht zu überwinden.

Video: Alle Tore von Michy Batshuayi

Bastian Oczipka vs. Christian Pulisic

Wenn Schalke oder BVB in der Bundesliga zum Abschluss kommen, haben Bastian Oczipka und Christian Pulisic sehr oft ihre Füße im Spiel. Die beiden waren bei ihren Mannschaften jeweils am häufigsten an einem Torschuss beteiligt. Oczipka trat insgesamt 78 Mal als Schütze oder Passgeber in Erscheinung, Pulisic immerhin 72 Mal. Am Sonntag werden die beiden häufig direkt die Klingen kreuzen. Dabei spricht die Effektivität für den Dortmunder, denn Pulisic war nicht nur an vielen Torschüssen, sondern auch an vielen Toren beteiligt. Vier Tore und fünf Assists stehen für den US-Amerikaner zu Buche. Oczipka kann hingegen erst eine Torvorlage vorweisen. Auffällig ist, dass die Flanken von Pulisic wesentlich gefährlicher sind. Mit seinen 48 Hereingaben bereitete er zwölf Torschüsse (ein Tor) vor. Nach Oczipkas 52 Flanken kam der FC Schalke hingegen erst sechs Mal direkt zum Abschluss. Dafür ist der Außenverteidiger im Zweikampf stärker: 58 Prozent der direkten Duelle hat er gewonnen, bei Pulisic sind es 42. Man darf gespannt sein, wer am Sonntag die Nase vorn hat.

Daniel Caligiuri vs. Marcel Schmelzer

Daniel Caligiuri ist derzeit in absoluter Topform. Der vielseitige Rechtsfuß war in den letzten sechs Partien an vier Toren direkt beteiligt (zwei Tore, zwei Vorlagen). Mit fünf Toren und sieben Assists spielt er schon jetzt die beste Bundesliga-Saison seiner Karriere. Einer seiner Treffer bleibt dabei besonders im Gedächtnis: Im legendären Hinspiel erzielte er kurz vor Schluss das 4:3 und ermöglichte dadurch den Wahnsinn in der Nachspielzeit. Mit Marcel Schmelzer trifft Caligiuri nun auf einen Spieler, dessen Zweikampfquote für einen Verteidiger zwar ausbaufähig (51 Prozent), aber dessen Passquote mit 85 Prozent dafür überaus stark ist. Caligiuri, der allerdings auch deutlich offensiver agiert, bringt lediglich 73 Prozent seiner Abspiele zum Mitspieler. Dafür könnte der Schalker dem Dortmunder mit seinen Tempoläufen weh tun, denn in der Spitzengeschwindigkeit ist Schmelzer (33,1 km/h) Caligiuri (34,6 km/h) deutlich unterlegen.

Video: Marcel Schmelzer, der Derby-Experte

Leon Goretzka vs. Marco Reus

Leon Goretzka und Marco Reus sind für die genialen Momente bei ihren Clubs zuständig. Dabei agiert der Schalker Goretzka mehr aus der Tiefe, während Marco Reus in der Offensive praktisch überall zu finden ist. Seit Marco Reus am 22. Spieltag sein Comeback nach seinem Kreuzbandriss gab, hat er mit drei Treffern schon bewiesen, wie wichtig er für den BVB ist. Aber auch Goretzka weiß, wie man die Kugel im Netz versenkt: Trotz seiner defensiveren Rolle steht er auch schon bei vier Saisontreffern. Im direkten Duell spricht die Statistik eher für Goretzka, denn der Schalker gewann bislang 55 Prozent seiner Zweikämpfe, während die Quote bei Reus bei 45 Prozent liegt. Im Abschluss ist hingegen der Dortmunder deutlich effektiver: Im Schnitt landet jeder vierte Torschuss des 28-Jährigen im Netz. Zudem hat er seine beiden Großchancen jeweils genutzt. Goretzka braucht hingegen fast neun Versuche für einen Treffer. Dennoch sollte der BVB den Schalker am Sonntag nicht unbedingt in Tornähe zum Schuss kommen lassen. 

Guido Burgstaller vs. Sokratis

Guido Burgstaller ist mit zehn Treffern und drei Vorlagen der Schalker Topscorer in dieser Saison. Damit hat der Österreicher bereits die dritte Saison in Folge zweistellig getroffen (zweieinhalb Spielzeiten davon für Nürnberg in der 2. Bundesliga). Der 28-Jährige ist ein klassischer Strafraumstürmer und hat neun seiner Tore innerhalb seines bevorzugten Jagdreviers erzielt. Dortmunds Sokratis will verhindern, dass er sich im BVB-Sechzehner am Sonntag allzu heimisch fühlt. Der Grieche ist mit einer Quote von 69 Prozent der beste Dortmunder Zweikämpfer. Dabei greift der Innenverteidiger nur selten zu unfairen Mitteln. Sowohl in der Statistik der Gelben Karten (3:6) als auch bei den Fouls am Gegner (31:34) hat Burgstaller mehr auf dem Kerbholz. Um den bulligen Angreifer gegen Sokratis in Szene zu setzen, sollten ihn seine Mitspieler die Bälle eher nicht in die Tiefe schicken, denn die Endgeschwindigkeit eindeutig für den BVB-Verteidiger (34,0 zu 31,8 km/h). In Sicherheit sollte Dortmund sich deshalb aber nicht wiegen, denn wenn "Burgi" im Strafraum an den Ball kommt, ist seine Höchstgeschwindigkeit egal. Dann wird es richtig gefährlich.

Video: Das Derby in der Taktik-Analyse