Marrakesch - Die letzte Warnung kam vom "Kaiser" höchstpersönlich. Außenseiter Raja Casablanca spiele "leichtfüßigen Sambafußball", sagte Franz Beckenbauer mit Blick auf den Gegner von Bayern München im Endspiel der Club-WM am Samstag (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker). Dort will, nein, muss der deutsche Rekordmeister das erfolgreichste Jahr seiner Geschichte mit dem fünften Titel und als offiziell "beste Vereinsmannschaft der Welt" krönen. Alles andere, verdeutlichte Sportvorstand Matthias Sammer noch einmal, wäre "eine totale Katastrophe".

 Zu klar ist die Favoritenstellung der Münchner gegen den Qualifikanten Raja, der mit seinem Durchmarsch von den Playoffs bis ins Finale ganz Marokko in einen Fußball-Taumel gestürzt hat. Die Bayern wollen der unbändigen Leidenschaft und dem gefährlichen Konterfußball des marokkanischen Meisters "mit Herz, Verstand und Siegeswille" begegnen, wie Trainer Pep Guardiola am Vorabend des Spiels betonte.

 Lahm will den doppelten WM-Triumph

Der Spanier forderte, seine Stars müssten sich "hundertprozentig fokussieren auf unseren Traum und unser Spiel, um für diesen Verein den Titel zu gewinnen".

Dann könnte Kapitän Philipp Lahm schon mal für die "echte" WM 2014 üben, wenn der Spielführer der Nationalmannschaft in Marrakesch die Trophäe aus den Händen des FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter empfängt. "Wenn man Weltmeister wird, ist man die beste Mannschaft der Welt, ob mit dem Verein oder der Nationalmannschaft. Am liebsten gewinnt man beides...", sagte Lahm am Freitagabend.

"Für Raja wird der Sprit noch reichen"

Erst, wenn die von den Bayern zur "Mission5" ausgerufene Marokko-Reise erfolgreich beendet ist, dürfe die Mannschaft an Weihnachten denken, gab Guardiola die Richtung vor. Mit den 3,65 Millionen Euro für den Turniersieg im Gepäck ließen sich am Tag vor Heiligabend in der noblen Maximilianstraße in München, der Adresse Nummer eins für den wohlhabenden Kicker, noch die letzten Weihnachtsgeschenke besorgen.

"Der Urlaub kommt uns schon gelegen, irgendwann muss man auch mal durchatmen können", sagte Müller über die zweiwöchige Winterpause nach anstrengenden Monaten. Für Raja werde "der Sprit aber auf jeden Fall noch reichen".

Arroganz für Rummenigge kein Thema

Blatter indes kann seine Sympathie für "Nobody" Raja nicht verbergen. Die Grün-Weißen hätten im Halbfinale gegen Atletico Mineiro sein "Herz bewegt", gestand er: "Sie werden auch vor dem Champions-League-Sieger keine Angst haben." Mit einem mutigen Gegner rechnen auch die Bayern um Coach Guardiola, der das 3:1 von Raja gegen Mineiro am Mittwoch im Stadion verfolgt hatte.

Er berichtete seinen Spielern von einem Gegner, der "sehr laufstark ist sowie taktisch relativ klug und diszipliniert" spielt. Und von der hitzigen Atmosphäre im Grand Stade de Marrakech, das zum Finale auch König Mohammed VI. besuchen will. Mit dem Außenseiter habe im Finale "kein Mensch gerechnet", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: "Das muss Warnung genug sein. Wir werden sicher nicht den Fehler machen, arrogant ins Spiel zu gehen."

Hauptsache gewinnen

Dass Guardiola seinen Stars am Donnerstag frei gab und auch das geplante Training am Freitagmorgen absagte, deute nicht auf Überheblichkeit hin. Doch Respekt hin oder her: "Alle wollen den Titel", sagte Rummenigge.

Triple, europäischer Supercup und Club-Weltmeister - fünf Trophäen, da kann man schon mal nach Worten suchen. "Ich weiß gar nicht - wie nennt man fünf Titel? Quintle?", fragte Rummenigge: "Ich weiß es nicht, das Wort kenne ich nicht." Den Bayern dürfte es egal sein - Hauptsache, sie gewinnen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

München: Neuer - Rafinha, Boateng, Dante, Alaba - Lahm - Müller, Kroos, Thiago, Ribery - Mandzukic. - Trainer: Guardiola

Casablanca: Askri - El Hachimi, Oulhaj, Benlamalem, Karrouchy - Guehi, Erraki - Moutaouali, Chtibi, Hafidi - Iajour. - Trainer: Faouzi Benzarti