München - Der Klassiker bei Borussia Dortmund gewinnt für den FC Bayern München zusätzlich an Bedeutung. Verfolger RB Leipzig hat nach Punkten zum Tabellenführer aufgeschlossen und der BVB hat mit der 5:2-Gala eine torreiche Kampfansage Richtung Süden geschickt. Eine Niederlage beim BVB am kommenden Spieltag würde den Abstand zum Rivalen aus dem Ruhrgebiet auf drei Punkte verringern. Entsprechend intensiv fällt daher in München die Vorbereitung auf das Topspiel und die Analyse des verpassten Siegs gegen die TSG Hoffenheim aus.

Robert Lewandowski richtete den Fokus trotz der Länderspielpause schnell auf das Duell mit seinem früheren Club. "Wir haben jetzt das Spiel gegen Dortmund und es ist für uns wichtig Punkte zu holen", sagte der polnische Nationalspieler. Denn liegengelassen haben die Bayern nach ihrem Selbstverständnis schon etwas zu viel in dieser Saison. Mit dem dritten Remis hat die Mannschaft von Carlo Ancelotti bereits häufiger Punkte abgegeben als in der gesamten Hinrunde der Vorsaison, in der die Münchner bis auf zwei Spiele alle Partien gewannen.

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"Jede Saison ist anders", sagt Lewandowski. "Wir können nicht immer zehn Punkte Vorsprung haben. In dieser Saison gibt es zwei, drei Mannschaften, die um die ersten drei Plätze kämpfen." Das Spitzenspiel gegen die weiterhin ungeschlagenen Hoffenheimer hat den Bayern nochmals vor Augen geführt, dass der ersehnte fünfte Meistertitel in Serie alles andere als ein Selbstläufer wird. Lewandowski sah in dem Ergebnis auch etwas Gutes: "Es ist wahrscheinlich besser, einmal unentschieden zu spielen als wieder zu gewinnen, denn dann denkst du, alles ist okay."

Ribery steht vor Comeback

Vor allem im Tempo sieht der Stürmer Nachholbedarf: "Wir haben manchmal zu langsam nach außen gespielt." Gegen Dortmund könnte mit Franck Ribery wieder deutlich mehr Bewegung ins Flügelspiel der Bayern kommen. Der zu Saisonbeginn so stark aufspielende Franzose, der nach überstandener Oberschenkelverletzung bereits vergangene Woche ins Mannschaftstraining zurückkehrte, steht vor seiner Rückkehr. Das bestätigte Trainer Ancelotti bei einer Fanshop-Eröffnung am Sonntag.

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Auch bei Jerome Boateng besteht trotz der Absage der Länderspielreise Hoffnung, dass er seine Knie- und Adduktorenprobleme bis zum Spitzenspiel auskuriert. "Da wollen wir zeigen, dass wir gut drauf sind und Dortmund auch in Dortmund schlagen können", sagte Boateng - trotz des jüngsten Dämpfers gegen die TSG. "Wir müssen weiter an uns arbeiten, man hat gegen Hoffenheim gesehen, dass es da noch viel zu tun gibt." Mängel sah der Innenverteidiger vor allem "im Umschaltspiel, in der Aggressivität. Wir haben nicht zusammengespielt und haben zu viele Fehler gemacht."

Rummenigge muntert torlosen Müller auf

© imago / DeFodi

Dennoch waren die Chancen auf einen späten Siegtreffer reichlich vorhanden, doch vor allem Thomas Müller bleibt weiterhin vom Pech verfolgt. "Der Ball ging leider an den Pfosten und dementsprechend groß ist meine Krawatte", trauerte Müller seiner Großchance kurz vor Schluss hinterher.

Aufmunterung für den in dieser Saison noch torlosen Stürmer gab es von höchster Stelle. "Ich habe ihm gesagt, dass ich als Europas Fußballer des Jahres auch mal zehn Spiele ohne Tor hatte", sagte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. "Da muss man einfach arbeiten, arbeiten, arbeiten und dann schießt er irgendwann wieder drei. Das wird er demnächst haben, das kann ich ihm jetzt schon voraussagen." Das letzte Spiel im Signal-Iduna-Park dürfte Müller jedenfalls noch in bester Erinnerung sein, schließlich traf er im Supercup gegen den BVB zum 2:0-Endstand.

Auch für Lewandowski fielen die Begegnungen mit seinem Ex-Club zumeist torreich aus. Abgesehen vom 0:0 im bislang letzten Bundesligaduell beider Teams traf Lewandowski in den Ligaspielen seit seinem  Wechsel zum FC Bayern 2014 gegen die Schwarz-Gelben immer, im Hinspiel der Vorsaison sogar doppelt. "Ich hoffe", sagt Lewandowski, "dass wir nach der Länderspielpause wieder Gas geben und auch wieder gewinnen." Um zumindest einen der Verfolger wieder etwas mehr auf Distanz zu halten.

Aus München berichtet Maximilian Lotz