München - Sieg verpasst, aber trotzdem gewonnen: Der FC Bayern München hat dank der Niederlage von Verfolger RB Leipzig seine Tabellenführung ausgebaut. Doch das 1:1 gegen den FC Schalke 04 sorgte beim Rekordmeister nicht für Zufriedenheit. "Wir haben uns mehr erhofft", gab Kapitän Philipp Lahm zu. "Wir wollten drei Punkte vorlegen, das ist uns nicht gelungen."

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Obwohl das momentane Leistungsniveau nicht den eigenen Ansprüchen der Münchener entspricht, sind sie von einer Krise mit Blick auf die nackten Zahlen weit entfernt. "Es ist aktuell nicht so dramatisch", unterstrich auch Lahm. Schließlich habe man aus den vergangenen drei Partien sieben Punkte geholt. "Aber, dass wir uns das anders vorstellen und wir besser Fußball spielen wollen, ist klar."

Bayern bekommen die Kuh nicht vom Eis

Mit dem Remis gegen die Knappen endete für den Liga-Primus eine Serie von sieben Siegen in Folge. In vier dieser Partien gewann der FCB allerdings mit nur einem Tor Unterschied. Gelang es dem Team von Trainer Carlo Ancelotti in den ersten beiden Duellen dieses Jahres "am Ende noch die Kuh vom Eis" zu bekommen, wie es Torhüter Manuel Neuer formulierte, so war dieses Glück im Spiel gegen S04 nun aufgebraucht. "Schalke hätte in der ersten Hälfte das eine oder andere Tor mehr machen können, wenn sie es gut zu Ende gespielt hätten", äußerte Neuer sogar.

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Den Bayern ist die Leichtigkeit der vergangenen Jahre etwas abhanden gekommen. "Wir hätten uns gewünscht, dass wir spielerisch schon weiter sind", sagte Neuer und setzte zu einer bemerkenswert offenen Analyse an: "Es geht um die Sachen, die uns ausgezeichnet haben. Dieses selbstbewusste Passspiel. Dass die Bälle mit einer guten Konzentration ankommen und dass wir den Ball mit Tempo in unseren eigenen Reihen zirkulieren können. Dass wir den Gegner so in Bedrängnis bringen, dass er die Ordnung verliert und wir zu Torchancen kommen - das fehlt."

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Lewa allein reicht nicht

Selbst der formstarke Top-Torjäger Robert Lewandowski, der gegen Schalke seinen 15. Saisontreffer erzielte, reichte den Münchnern diesmal nicht, um den Unterschied auszumachen. In den 39 Spielen zuvor, in denen der Pole einnetzte, gab es 39 Siege - auch diese Serie endete am Samstag. Bezeichnend, dass am Ende mit Javi Martínez ein Innenverteidiger in Mittelstürmer-Position die größte Chance auf das Siegtor auf dem Fuß hatte.

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Zwar dominierte die Ancelotti-Elf mit 57,3 Prozent Ballbesitzphasen einmal mehr das Geschehen, doch im Herausspielen von Großchancen tat sie sich gegen die dicht gestaffelte Gäste-Abwehr schwer. "Es geht nicht immer nur um Ballbesitz oder die Spielweise mit Ball, sondern auch ums Umschalten und darum, alles dafür zu tun, um in einer vernünftigen Ordnung zu stehen", nannte Neuer eine weitere Schwachstelle.

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Auch Coach Ancelotti sah in der Rückwärtsbewegung seiner Mannen Nachholbedarf. "Die beiden Linien im Mittelfeld und in der Abwehr waren nicht so eng zusammen. Sie haben nicht gut zusammengearbeitet. Das ist keine Frage der Qualität, aber daran müssen wir arbeiten", sagte der Italiener.

Lahm nimmt Team in die Pflicht

Für Bayern geht es in den kommenden Wochen auch darum, dass die Saisonziele nicht in Gefahr geraten. Die jüngsten Auftritte dienen daher als Warnung. "Aktuell ist überhaupt nichts passiert", erklärte Lahm. "Aber die Mannschaft muss sich bewusst sein, dass man so wie wir die letzten drei Mal agiert haben in den nächsten Wochen nicht agieren kann. Sonst sind wir ganz schnell in mehreren Wettbewerben auf einmal raus."

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Mitte Februar steigt gegen Premier-League-Spitzenclub FC Arsenal das Hinspiel im Achtelfinale in der Champions League. In der Bundesliga ist der Rekordmeister zudem zweimal auswärts gefordert - in Ingolstadt und Berlin. Bereits am Dienstag geht es gegen Wolfsburg um den Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals. "Wir nehmen uns natürlich einen Sieg vor", sagte Neuer mit Blick auf das Entscheidungsspiel. "Aber grundsätzlich müssen wir hart dafür arbeiten, dass wir eine Runde weiterkommen."

Aus München berichtet Maximilian Lotz