Berlin - Nein, besonders glücklich wirkte Franck Ribery nach dem Pflichtsieg gegen Hertha BSC nicht. Dabei hatte Europas Fußballer des Jahres 2013 an diesem Samstagnachmittag im eiskalten Berliner Olympiastadion einen Bundesliga-Rekord eingestellt. Kein anderer Franzose kann mehr Einsätze in Deutschlands Oberhaus vorweisen als Ribery.

Mit seinem 185. Bundesliga-Spiel zog er mit dem früheren Stuttgarter und Hoffenheimer Matthieu Delpierre gleich. In punkto Tore hat der 31-Jährige ohnehin schon lange die Nase vorn. Sage und schreibe 64 Mal erzielte Ribery einen Bundesligatreffer - kein anderer Franzose kommt auch nur in die Nähe dieser Marke.

FCB-Offensive mit vertauschten Rollen

In seinen insgesamt 287 Pflichtspielen erzielte der schnelle Dribbelkünstler sogar 99 Tore. Doch der Jubiläumstreffer blieb dem kleinen Franzosen in Berlin versagt. Von den insgesamt 15 Torschussversuchen der Bayern kam lediglich einer von Ribery.

Das aber lag vor allem an der ungewöhnlichen personaltaktischen Aufstellung von Pep Guardiola. Der Bayern-Coach brachte mit Ribery, Arjen Robben, Thomas Müller, Mario Götze und Robert Lewandowski nominell zwar fünf Offensivkräfte in der Anfangself. Doch richtig weit vorne agierten nur drei dieser fünf Spieler.

Müller und Lewandowski agierten dabei wie klassische Flügelstürmer, was zumindest für den Polen eher ungewöhnlich ist. Arjen Robben hingegen, dem diese Rolle wesentlich vertrauter ist, gab einen offensiven Zentrumsspieler, den man am ehesten vielleicht als klassischen "Zehner" definieren könnte - immerhin entspricht das der Nummer, die der Niederländer hinten auf seinem Trikot trägt.

Robben: "Du musst halt immer Räume finden"

"Wir haben diesmal ein bisschen anders gespielt", beschrieb Robben hernach das Experiment: "Ich war hinter den beiden Spitzen und ich glaube, das hat ganz gut funktioniert." Aber wird Robben in dieser Position nicht seiner größten Stärke beraubt - von der rechten Seite nach innen ziehen zu können?

"Nein, du hast schon die Bewegungsfreiheit", erklärte der 30-Jährige sichtlich entspannt, "du musst halt immer die Räume finden." So wie beim 1:0-Siegtreffer, als Müller per Hacke auf Robben vorlegte und der diesmal direkt aus dem Zentrum zu einem seiner gefürchteten Linksschüsse ansetzte.

Defensiver Ribery sehr einsatzfreudig

Ribery hingegen spielte in der Münchner Mittelfeldraute meist auf der linken Halbposition, wechselte sich in der Defensive oft mit Mario Götze als Verstärkung für Xabi Alonso ab - sowohl Götze als auch der Franzose dürften selten in ihrer Profikarriere so defensiv agiert haben.

Ribery machte in dieser ungewohnten Rolle durchaus keine schlechte Figur. Er hatte die zweitmeisten Ballkontakte und gewann die drittmeisten Zweikämpfe auf dem Platz. Zudem absolvierte er die meisten Sprints aller Spieler und legte in seinem Team die zweitgrößte Gesamtdistanz zurück.

Doch Ribery kam eben nur zu einem einzigen Torschuss, Nebenmann Götze sogar auf keinen einzigen. Das kann beide, die in der Offensive sicherlich zu den stärksten Spielern der Welt gehören, naturgemäß nicht befriedigen. "Wir wollten die Stärke von Arjen und Franck im Eins-gegen-eins mal nicht auf der Seite, sondern diesmal in der Mitte haben", erläuterte Pep Guardiola sein Konzept, "in der ersten Halbzeit hat das ganz funktioniert". Im zweiten Durchgang hingegen, als Götze und Robben die Position wechselten und Hertha zeitweilig dem Ausgleich nahe war, ging dieser Plan nicht auf. "Das war keine gute Entscheidung von mir", gestand der Bayern-Trainer.

"Fünf Spieler gleichzeitig vorne geht nicht"

Letztlich, erklärte Guardiola, wolle er gerne alle seine fünf Offensivkünstler Lewandowski, Götze, Müller, Ribery und Robben bringen. "Aber fünf Spieler gleichzeitig vorne geht nicht." Deswegen habe er das System entsprechend anpassen müssen.

Torschütze Robben sah es verständlicherweise gelassen: "Wir sind flexibel und können mehrere System spielen - das macht einfach Spaß." Und auch Ribery bringt offensichtlich die nötige Disziplin auf, sich in erster Linie auf die ungeliebte Defensivarbeit zu konzentrieren, wenn es von ihm verlangt wird.

Aus Berlin berichtet André Anchuelo