Köln - Vor zwei Wochen wurde Medhi Benatia als Neuzugang beim FC Bayern präsentiert. Freundlich und zurückhaltend gab sich der Marokkaner bei seiner Vorstellung, ohne das nötige Selbstbewusstsein aus den Augen zu verlieren: "Ich weiß, dass ich Großes leisten kann". Von der PK ging es für den Toptransfer vom AS Rom jedoch nicht auf den Trainingsplatz, sondern in den Kraftraum. Der 27-Jährige laborierte noch an einer Wadenverletzung. Nun ist er fit und voller Tatendrang: "Für das Stuttgart-Spiel möchte ich bereit sein".

Die Länderspielpause ist rum, der FC Bayern hat längst die Vorbereitung auf das kommende Bundesliga-Duell gegen den VfB Stuttgart gelegt. Mit an Bord ist nun auch Neuling Benatia. Am Montagabend trainierte der Kapitän der marokkanischen Nationalmannschaft erstmals mit der Mannschaft an der Säbener Straße.

Chance auf einen Startelf-Einsatz

Der etwas verspätete Trainingseinstig war jedoch alles anderes als ungünstig, im Gegenteil. Benatia konnte sich in Ruhe auskurieren und in seiner neuen Heimat einleben. Nun pocht er auf sein Bundesliga-Debüt, das könnte am Samstag gegen den VfB Stuttgart (ab 15 Uhr im Live-Ticker) schon der Fall sein. Die angespannte Personallage beim FCB macht es möglich.

Blitztransfer Xabi Alonso setzte bisher mit dem Mannschaftstraining aus. Der Spanier hatte bei seiner Bundesliga-Premiere auf Schalke einen Schlag auf den Fuß bekommen. Auch Arjen Robben laboriert noch an Sprunggelenksproblem. Für beide kommt eine Einheit zu früh. Rafinha befindet sich nach seinem Bänderriss im Aufbautraining, ist für Samstag eher keine Option. "Die ganze Konzentration ab dem heutigen Training gilt dem VfB Stuttgart und der persönlichen Fitness", sagte Sportdirekter Mathias Sammer im am Montag im Gespräch mit "FCB-TV".

Flexibilität ist Benatias hohes Gut

So könnte Benatia am Samstag bereits in der ersten Elf stehen, wo genau, ist noch offen: "In Udine haben wir in einer Dreierkette gespielt, da habe ich den rechten Part eingenommen. In Rom bei der Viererkette war ich ebenfalls der rechte Mann in der Innenverteidigung", sagte er. Fällt Alonso aus, ist die Rechtsverteidigerposition aller Voraussicht nach vakant, da Kapitän Philipp Lahm wahrscheinlich mit dem zuletzt stark aufspielenden Sebastian Rode dann die Doppelsechs bilden wird.

Eine mögliche Dreierkette ließ Guardiola zuletzt beim Supercup in Dortmund spielen, in der Bundesliga schenkte der Katalane jedoch stets einem vierten Abwehrmann das Vertrauen. Benatia bietet dem Meister-Coach nun eine weitere Option, die Guardiola nun schneller ziehen könnte als gedacht.

Robustes Umschalten in den Zweikampfmodus

Seine Athletik und Zweikampfstärke sind echte Trümpfe. Gerade der Biss im direkten Duell mit dem Gegner macht Benatia für die kommenden Aufgaben wertvoll. Eigentlich sei er ein zurückhaltender und freundlicher Mensch, sagte er dem "kicker". Doch rollt der Ball, kenne er "keine Freunde mehr". Auf dem Platz sei er "unerbittlich und werde eklig", beschreibt Benatia seine Spielweise selbst.

Bleibt nur abzuwarten, inwieweit er sich in der laufenden Trainingswoche an die Startelf heranspielen kann. Fakt ist: Guardiola setzt nur auf fittes Personal und hat mehrere Varianten im Kopf. Dass es aber manchmal auch ganz schnell gehen, hat das Blitz-Debüt von Alonso gezeigt.

"Er ist sehr robust, dabei trotzdem schnell und beweglich. Hat ein sauberes Passspiel, eine gute Technik und gutes Kopfballspiel in der Defensive und Offensive", beschrieb Sammer ihn bei der Vorstellung. Fähigkeiten, die Benatia nun unter Beweis stellen will - am besten schon Samstag gegen Stuttgart.

Yannik Schmidt