Wie oft hat man solche Spiele schon gesehen mit Bayern-Beteiligung, fragte einer kurz vor Mitternacht beim Glühwein danach an einer Bude außerhalb des Stadions. Der FC Bayern München gewann am Freitagabend beim FSV Mainz 05 mit 2:1, Arjen Robben hatte in der 90. Minute den Siegtreffer für den Herbstmeister erzielt - in der allerletzten Minute also gegen einen mutigen und stolz trotzenden Gegner.

Nein, ein typischer Bayern-Sieg war das aber trotzdem nicht. Es war kein 4:0 mit 30 Torchancen für die Bayern (Analyse), wie es unter dem Trainer Pep Guardiola üblich ist. Es war aber auch kein typischer Bayern-Dusel-Erfolg, wie man ihn aus den Jahrzehnten zuvor immer wieder von Mannschaften des Rekordmeisters erlebt hatte. Die Bayern gewannen in Mainz nicht unverdient, auch wenn die Mainzer diesen einen Punkt wahrlich verdient gehabt hätten. Doch diese Bayern-Mannschaft hat "große, große Qualität" und vor allem eine "große Mentalität", wie Trainer Guardiola nach dem Spiel analysierte (Stimmen zum Spiel).

Kein Hinrundenspiel verloren

Souverän in die nächste Runde der Champions-League eingezogen sind die Bayern und keines ihrer 17 Vorrundenspiele in der Liga haben sie verloren - dabei nur drei Mal unentschieden gespielt und nur vier Gegentore kassiert. 45 Punkte und nur vier Gegentore in 17 Spielen (Bayern-Rekorde)? Nein, sagte Guardiola, diese Bilanz habe er in dieser Halbserie nach der Weltmeisterschaft nicht für möglich gehalten.

Doch die Bayern haben eben nicht nur einen aberwitzig breiten Kader – Freitagnacht fehlten wichtige Spieler fast in Mannschaftsstärke – aber trotzdem stand eine Weltauswahl auf dem Platz. Erstaunlich ist trotz der vielen Titelgewinne der letzten Jahre immer noch der Hunger nach mehr, der die Spieler anzutreiben scheint. Jetzt sei man aber froh über die Pause, alle seien ein bisschen müde, sagt Guardiola. Auch der FC Bayern kann das Durchschnaufen in der Winterpause gut gebrauchen. Denn Titel werden erst wieder im Kalenderjahr 2015 vergeben und vor allem der Gewinn der Champions-League steht ganz oben auf der Liste von Pep Guardiola in seinem zweiten Jahr beim FCB. Bis jetzt sei es eine gute erste Periode gewesen in dieser Saison, sagte Guardiola und drohte der Konkurrenz gleich einmal für die zweite: "Wir können noch mehr", sagte er, vor allem wenn alle Spieler fit seien.

"Mainz hätte den Punkt verdient"

Am Freitag hatte aber selbst Torschütze Arjen Robben Mitleid mit den starken Mainzern: "Mainz hätte den Punkte verdient gehabt", sagte der Niederländer und meinte das auch so. So schwer haben sich die Münchner selten gegen einen Gegner getan in dieser Saison. Dabei gingen die Mainzer mit der Bürde von acht Spielen ohne Sieg und dem Ausfall von vielen wichtigen Spielern in die Partie (Baumgartlinger, Bell, Hofmann, Moritz, Bungert, Noveski). Doch nach dem Abpfiff wurden die Nullfünfer trotz der Niederlage von ihren Fans gefeiert, als hätten sie das Spiel gewonnen. Und vielleicht ist das das wichtigste Signal für die Rückrunde nach nun neun Spielen ohne Sieg, auch wenn die Enttäuschung über die verpasste Überraschung groß war.

"Die Mannschaft kann stolz sein, weil sie viel Herz, Mut und Leidenschaft gezeigt hat. Leider haben wir uns wieder mal nicht belohnt", sagte der Mainzer Trainer Kasper Hjulmand. Er hatte seinen Plan durchgezogen und die Bayern zunächst schon in deren Hälfte attackiert und später dann etwas tiefer. Der Mut wurde belohnt mit dem Führungstor von Elkin Soto (22.), das allerdings Bastian Schweinsteiger schon zwei Minuten später mit einem schönen Freistosstor egalisierte.

"Da stand halt Neuer im Tor"

Hjulmand ging aus diesem Spiel wie aus der gesamten Vorrunde: mit zwiespältigen Gefühlen. Einerseits konnte er stolz sein, weil seine Mannschaft mit der neu formierten Innenverteidigung Wollscheid/Jara nur zwölf Torschüsse des Gegners zugelassen und außerdem immer wieder mutig nach vorne gespielt hatte. Yunus Malli hätte in der 50. Minute frei vor Bayern-Torwart Manuel Neuer das 2:1 erzielen müssen – "aber da stand halt Neuer im Tor", wie Malli nach der Glanzparade des Weltmeisters achselzuckend feststellen musste.

Tobias Schächter