Wolfsburg - Nein, es war nicht der Abend des Rekordmeisters. Zum ersten Mal in dieser Saison musste sich der FC Bayern in der Bundesliga geschlagen geben. Und wie! Der VfL Wolfsburg entzauberte die Bayern mit 4:1 und verringerte damit den Abstand zum Tabellenführer auf "nur" noch acht Punkte. Noch keine akute Gefahr für die Meisterschaft, doch die Bayern gehen selbstkritisch mit der Pleite um.

„Wolfsburg war besser und hat im richtigen Moment die Tore gemacht. Gratulation. Wir müssen jetzt analysieren, was passiert ist, und uns auf das nächste Spiel fokussieren“, erklärte ein sichtlich geknickter Bayern-Trainer Pep Guardiola. Es war die erste Niederlage für den Katalanen, bei der die Bayern noch nicht als Meister feststanden. In der Vorsaison hagelte es die erste Pleite erst am 29. Spieltag beim 0:1 in Augsburg.

Selbst Alonso lässt sich anstecken

Es schien so, all ob, die Bayern nicht ganz bei der Sache gewesen wären. Eigentlich nicht nachzuvollziehen, schließlich war es das Topspiel gegen den unmittelbaren Konkurrenten. Besonders in der ersten Halbzeit offenbarte das Starensemble ungewohnte Schwächen von denen sich sogar das „Metronom“ Xabi Alonso mit diversen Fehlpässen anstecken ließ. In der Offensive kamen die Bayern überhaupt nicht zum Zuge und operierten immer wieder mit langen Bällen. Stürmer Robert Lewandowski und auch Thomas Müller wurden von der VfL-Defensive kalt gestellt.

Neuer: "Wir haben noch viel zu tun“

„Es ist kein guter Rückrundenstart für uns, das ist klar. Wir hatten uns was anderes vorgestellt und auch vorgenommen. Es ist keine Katastrophe, aber wir wissen, dass wir noch viel zu tun haben“, stellte Torwart Manuel Neuer sachlich fest. Besonders bei den schnellen Kontern der Wolfsburger hatten die Bayern große Probleme. „Wir waren von Beginn an nicht aggressiv genug und dann passieren solche Konter. Der Trainer hatte uns davor gewarnt und uns darauf eingestellt, aber wir konnten es nicht umsetzen. Eindeutiger geht es nicht, wenn man so schlecht spielt wie wir“, legte Jerome Boateng nach. Auch Arjen Robben lobte die Leistung der Wolfsburger: „Sie haben uns eiskalt bestraft. Die Wölfe waren sehr aggressiv und haben die Kontersituationen sehr gut ausgenutzt.“

Einziger Lichtblick bei den Bayern, zumindest in der zweiten Halbzeit, war der Spanier Juan Bernat, der auch das zwischenzeitliche 3:1 der Bayern schoss und somit in seinem 18. Bundesliga-Spiel seinen ersten Treffer erzielte. Nur nach dem Anschlusstreffer keimte bei den Bayern kurz Hoffnung auf, doch nachdem VfL-Keeper Diego Benaglio einen Robben-Freistoß entschärfen konnte und der überragende Kevin de Bruyne zum 4:1 traf, war das Spiel gelaufen.

Keine Panik, aber Selbstkritik

Trotz der überraschend hohen Niederlage verfallen die Bayern aber angesichts des immer noch satten Vorsprunges von acht Punkten nicht in Panik. Der Tabellenführer weiß die Niederlage aber sehr gut einzuschätzen. „Vielleicht ist es ganz gut, dass es heute passiert ist, damit wir wach werden. So ein Spiel darf uns nicht nochmal passieren. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen“, so Boateng einsichtig. „Es war nicht unser Tag. Wir haben bei unseren Angriffen oft die Ordnung verloren und haben uns relativ einfach auskontern lassen“, schob Kapitän Bastian Schweinsteiger nach, der sich nach der gestrigen Niederlage an das 1:5-Debakel aus dem Jahre 2009 erinnert haben dürfte. Schweinsteiger war der einzige Spieler im Kader der Bayern, der damals in Wolfsburg auf dem Rasen stand. Anschließend wurde der VfL Deutscher Meister...

Angesichts des verpatzten Rückrundenstarts freuen sich die Bayern darüber, dass sie diese Scharte bereits am Dienstag im Heimspiel gegen den FC Schalke 04 wieder auswetzen können.  „Wir müssen das Spiel schnell wegstecken und nach vorne schauen. Die englische Woche kommt jetzt gerade richtig. Es wäre schlimm, wenn wir acht Tage auf das nächste Spiel warten müssten. Jetzt müssen wir die Kurve kriegen.“ Ganz so schnell will Arjen Robben das Debakel allerdings nicht abhaken: „Die Niederlage müssen wir knallhart analysieren und daraus unsere Lehren ziehen. Es ist gut, dass wir direkt Dienstag wieder spielen dürfen. Da müssen wir reagieren und in unseren Rhythmus kommen.“ Auch Teamkollege Boateng sieht sich und seine Mannschaft gegen die Königsblauen in der Pflicht: Jeder weiß, dass gegen Schalke eine große Steigerung nötig ist, um das wettzumachen.

Aus Wolfsburg berichtet Alexander Barklage