Zusammenfassung

  • Sandro Wagner kehrt zurück zu seinen Wurzeln

  • Robert Lewandowski erhält einen starken Backup

  • Zwei ähnliche Spielertypen mit unterschiedlichen Charaktären

München - Das kommt nicht oft vor. Der FC Bayern München verstärkt sich im Winter mit einem Neuzugang, in diesem Fall mit einem echten Kracher: Sandro Wagner! Der gebürtige Münchener trifft in Robert Lewandowski auf einen echten Superstar. bundesliga.de erklärt, warum Wagner mehr ist als ein Backup und wo die kleinen, aber feinen Unterschiede zwischen den beiden Sturmkanten liegen.

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Von 1995 bis 2008 lief Sandro Wagner bereits für den FC Bayern auf. Er liebt den Verein über alles, hat daraus selbst keinen Hehl gemacht, als er bei anderen Vereinen unter Vertrag stand. Für den gebürtigen Münchener, dessen Frau und drei Kinder immer noch in der bayrischen Landeshauptstadt leben, ist es eine Rückkehr in die alte Heimat. Nach Stationen in Duisburg, Bremen, Kaiserslautern, Berlin, Darmstadt und zuletzt Hoffenheim wurde Wagner im Juni gar zum deutschen Nationalspieler. Er kehrt nun als gereifter und erfahrener Mittelstürmer zurück zu seinem Jugendverein - und trifft auf den polnischen Superstar Robert Lewandowski.

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Lewandowski bekommt mit Wagner aber nicht einfach nur den lang ersehnten Backup für das Sturmzentrum, er bekommt weit mehr: Der ehemalige Hoffenheimer ist sowohl auf auch als neben dem Platz eine enorme Verstärkung für den Polen. Beide Sturmspitzen sind robust im In-Fight, jederzeit anspielbar und eiskalt vor der Kiste. Wagner, der als klassischer Wandspieler bislang starke 22 Torschussvorlagen gab, kann in der laufenden Saison sogar zwei Assists verbuchen und hat damit zwei mehr als sein neuer Sturmkollege. Und auch in der Luft glänzt der deutsche Nationalspieler mit Top-Werten: Vier seiner sechs Pflichtspieltore für Hoffenheim markierte Wagner per Kopf. Lewandowski kann es zwar auch per Kopf, trifft in dieser Saison aber lieber mit dem Fuß. 14 seiner 15 Bundesliga-Tore erzielte er so.

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Wegen ihrer dauerhaften Präsenz in den gegnerischen Strafräumen müssen beide Stürmer aber auch einiges einstecken. Der 1,94-Mann Wagner war bei der TSG der meistgefoulte Spieler mit 26 Fouls, ganz ähnlich wie Lewandowski, der 24 Mal nur mit unfairen Mitteln gestoppt werden konnte. Die neuen Kollegen teilen aber auch gerne aus und waren in der Hinrunde die Akteure in ihren Teams, die am meisten zum Foul gegriffen haben. Voll reinhängen, kratzen und beißen: Stilmerkmale, für die beide Strafraumstürmer bekannt sind.

Auch im Hinblick auf die anstehenden Aufgaben im neuen Jahr ist der Wagner-Wechsel Gold wert: Neben der Bundesliga-Rückrunde ist der FC Bayern auch in der Champions League gefordert. Und nach dem 2:1-Sieg gegen Borussia Dortmund tanzt der FCB im Jahr 2018 auch auf der dritten Hochzeit namens DFB-Pokal.

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Lewandowski, der in der vergangenen Spielzeit 53 Pflichtspiele für den FCB und die polnische Nationalmannschaft absolvierte, soll behutsamer eingesetzt werden und in den entscheidenden Momenten topfit sein. Wagner darf sich also trotz der klaren Rangordnung berechtigte Hoffnungen auf nicht wenige Einsätze für seinen neuen alten Club machen. Dass der bullige und bisweilen launige Mittelstürmer sich in einer von starken Persönlichkeiten geprägten Hierachie unterordnen kann, hat er bereits in der Nationalmannschaft gezeigt.

Sandro Wagner als junger Mann im Bayern-Trikot
Sandro Wagner als junger Mann im Bayern-Trikot © gettyimages / Lars Baron

Abseits des Geschehens auf dem Rasen sorgt Wagner immer wieder für Schlagzeilen - jedoch nicht im negativen Sinne. Der 30-Jährige sagt, was er denkt, frei raus und immer meinungsstark. Entweder hasst man ihn oder man liebt ihn. Durch seine mentale Stärke können jungen Spieler sich an ihm hochziehen. Kurz: Er ist eine starke Persönlichkeit. Und damit ein kleiner Gegenentwurf zum sachlichen Lewandowski. Der Pole polarisiert weit weniger und gibt seine Antworten zumeist auf dem Platz.

Der FC Bayern hat sich mit Sandro Wagner schließlich einen echten Typen geangelt, jemanden, der sich dennoch unterordnen kann und auch auf dem Platz für mächtig Wirbel sorgt.

Dennis Flügge