München - Ein launiger Spruch geht Thomas Müller eigentlich immer über die Lippen. Aber nicht am Mittwochabend. "Lasst uns noch ein bisschen abwarten", bremste der Stürmer des FC Bayern München nach dem verheißungsvollen Neustart unter Trainer Jupp Heynckes. "Wir können nach so kurzer Zeit nicht irgendwelche Pauschalaussagen treffen." Es sei daher noch zu früh, irgendwelche Geschichten zu produzieren. Dennoch bieten die ersten Ansätze genug Stoff für eine Erfolgsstory.

Mit der Rückkehr von Erfolgscoach Heynckes sei "schon ein kleiner Ruck durch die Mannschaft gegangen", stellte Müller fest. Dass er selbst von dem Trainerwechsel am meisten profitiert, wollte Müller aber so nicht stehen lassen: "Ich hoffe, der Verein ist der größte Profiteur." Die Formkurve des Nationalspielers zeigte in den vergangenen beiden Spielen dennoch klar nach oben. Und mit seiner Körpersprache gab er dem Team die Richtung vor.

Müller erfüllt Heynckes‘ Erwartungen

Genau das erwartet Heynckes auch von ihm: "Es ist notwendig, dass die etablierten Spieler vorangehen und er ist Kapitän." In Abwesenheit des verletzten Manuel Neuer trägt Müller aktuell die Binde. Bereits vor dem Bundesligaspiel gegen den SC Freiburg hatte Heynckes den 28-Jährigen in dessen Position gestärkt: "Thomas kann sich vom Intellekt her und von dem, was er bisher geleistet hat, als Führungsspieler hervortun."

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Offenbar hat Heynckes mit diesen Worten genau Müllers Nerv getroffen, denn auf dem Platz zahlt er das Vertrauen des Trainers mit Leistung zurück. Schon gegen Freiburg war er am Führungstor beteiligt, setzte Eigentorschütze Julian Schuster so entscheidend unter Druck, dass er vom Stadionsprecher sogar als Torschütze gefeiert wurde. Gegen Celtic Glasgow sorgte er beim 3:0-Sieg für den wichtigen Führungstreffer. Es war sein 40. Tor in der Champions League, zugleich traf Müller als erster deutscher Spieler in diesem Wettbewerb im zehnten Jahr in Folge.

"Wieder der Müller, den ich kenne"

Vom Chef gab es ein Sonderlob. "Thomas hat auch am Samstag schon relativ gut gespielt", sagte Heynckes am Mittwochabend. "Heute hat er ein sehr gutes Spiel gemacht, nicht nur weil er das erste Tor erzielt hat. Er hat sehr viel gearbeitet, war viel unterwegs und hat nach hinten Löcher gestopft. Da habe ich ein Stückweit wieder den Thomas Müller gesehen wie ich ihn kenne."

Auch weil er seine Rolle als hängende Spitze etwas anders interpretiert als zuvor. Derselbsternannte Raumdeuter erhält wieder mehr Freiräume. "Ich bin nicht komplett befreit von allen Aufgaben, sondern muss auch defensiv wieder in die Grundordnung", erklärte Müller. Gegen Celtic ließ er daher auch mal auf die Sechserposition fallen oder wechselte sich mit Arjen Robben auf dem rechten Flügel ab. "Wenn es die Möglichkeit gibt, soll ich natürlich vorne mit reinstoßen. Das ist eine Stärke von mir. Dennoch muss man auch schauen, dass der Laden gut organisiert ist." 

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Die richtige Balance zwischen Angriff und Verteidigung zu finden, ist für Heynckes essentiell. Auch wenn angesichts von sechs Punkten und 8:0-Toren nur Udo Lattek 1970 mit zwei Siegen und 10:0-Toren einen besseren Start als Bayern-Trainer hinlegte, sah Heynckes noch Verbesserungspotenzial. "Wir waren nachlässig", spielte der 72-Jährige auf die Schlussphase gegen Celtic an, in der seine Mannschaft - wie schon in der ersten Hälfte gegen Freiburg - zu viele gefährliche Konterchancen zuließ. "Diese Dinge müssen angesprochen und abgestellt werden."

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Gerade auch mit Blick auf die nächsten Gegner. Nach dem Bundesliga-Gastspiel beim Hamburger SV wartet im DFB-Pokal und in der Liga der Doppelpack gegen Vizemeister RB Leipzig. Wiederum eine Woche später steigt der Klassiker bei Borussia Dortmund. "Die Zeit zwischen September und Christkind ist immer extrem intensiv. Da gibt es ein wichtiges Spiel nach dem anderen und eigentlich keine Zeit zum Durchschnaufen", weiß auch Müller. Umso wichtiger ist die tägliche Arbeit. "Wir müssen noch an der Feinabstimmung arbeiten, wann wir nach vorne marschieren und wann wir mal ein bisschen Luft holen." Nur so finden die Bayern auch noch die Zeit, an ihrer Erfolgsstory weiterzuschreiben.

Aus München berichtet Maximilian Lotz