München - Thomas Müller jubelte zunächst noch etwas verhalten. Doch spätestens beim Abklatschen mit seinen Teamkollegen war auch bei ihm die Freude über sein Führungstor angekommen. Mit seinem ersten Treffer seit April ebnete Müller dem FC Bayern München den Weg zu einer 4:0-Gala gegen den 1. FSV Mainz 05 - auch weil er von Teamkollege Arjen Robben tatkräftige Unterstützung erhielt.

Der Niederländer gab Müllers Torschuss in der 11. Minute die entscheidende Richtungsänderung. "Ich glaube, es war schon wichtig, dass ich ihn berühre, denn sonst hat Rene Adler den Ball", sagte Robben. Und auf die Frage, wem denn nun das Tor gehöre, antwortete er scherzhaft: "Mir natürlich!" Den Fans der Bayern, war es egal. Sie stimmten auf der Südtribüne Sprechchöre für ihren Liebling Müller an.

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Für Robben war Müller, der für James Rodriguez in die Mannschaft rückte und von Trainer Carlo Ancelotti auf der Zehnerposition aufgeboten wurde, "auch der Schlüssel" für den letztlich ungefährdeten und vor allem überzeugend herausgespielten Sieg des Rekordmeisters. "Mit Thomas hat man viel mehr Bewegung", analysierte Robben. "Er ist wie ein zweiter Stürmer, er geht in die Lücke, in die Tiefe und reißt dadurch Räume für andere auf." Müllers Mitwirken übte auch einen positiven Einfluss auf Robbens Leistung aus. Nur zwölf Minuten nach dem Führungstor legte der Flügelstürmer das 2:0 für die Bayern nach - und das in der Bundesliga sogar erstmals seit zweieinhalb Jahren mit seinem schwächeren rechten Fuß.

Müller macht Robben besser

"Wenn er auf dem Platz steht, spiele ich auch besser", sagte Robben über Müller. "Das hört sich komisch an, denn das hat nichts mit den anderen zu tun. Wir haben viel Qualität. Jeder Spieler hat seine eigene Qualität. Mit Thomas funktioniert es immer gut." Die lobenden Worte seines Nebenmanns in der Offensive nahm Müller dankend wahr: "Das freut mich, dass er das sagt. Aber es ist für uns beide keine neue Erkenntnis."

Für die Münchner ist es auch nichts Neues, dass ein Tor von Müller gleichbedeutend mit einem Punktgewinn ist. Alle 76 Bundesligaspiele, in denen der 28-Jährige traf, hat der FC Bayern nicht verloren. Viel wichtiger als sein persönliches Erfolgserlebnis, waren Müller hinterher die drei Punkte - und die Art und Weise. "Wir hatten viel Spielfreude, haben mannschaftsdienlich gespielt. Heute gibt es wenig zu kritisieren", sagte Müller.

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Einziges Manko blieb die Chancenverwertung, trotz der zwei weiteren Tore von Top-Torjäger Robert Lewandowski (50., 77.) verhinderte allein drei Mal das Aluminium einen noch höheren Bayern-Sieg. Dennoch gaben die Bayern mit ihrer Galavorstellung auf dem Rasen die richtige Antwort auf die erste Saisonniederlage bei der TSG 1899 Hoffenheim in der Vorwoche. "Wir waren alle nicht so zufrieden", sagte Müller rückblickend. Daher hatte sich die Mannschaft vor der Partie gegen Mainz auch noch mal besonders eingeschworen. "Wir haben natürlich auch miteinander gesprochen, weil wir alle ehrgeizig sind und den Erfolg wollen." Der unbedingte Siegeswille war den Münchnern in jeder Minute anzumerken.

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Als Beleg des gelungenen Teamworks dient der Fakt, dass alle 13 eingesetzten Feldspieler an mindestens einem Torschuss direkt beteiligt waren, also die Vorlage gaben oder selbst abzogen. Für Müller war der gelungene Auftritt am Samstag ein Schritt in die richtige Richtung: "Wir wollen schauen, dass wir die Leistung in die nächsten Wochen mitnehmen können. Dann haben wir Spaß, Erfolg und ein bisschen mehr Ruhe. Das tut uns gut." Bestätigen wollen die Bayern ihren gegen Mainz gezeigten Aufschwung in der Englischen Woche in den Spielen beim FC Schalke 04 und gegen den VfL Wolfsburg. "Wir werden am Dienstag und am Freitag sehen, ob es ein Knotenlöser war", sagte Müller.

Aus München berichtet Maximilian Lotz