Stuttgart – Ein Startelfdebüt kann kaum besser ausfallen als das des Leon Goretzka: Mit seinem ersten Pflichtspieltor im Trikot des FC Bayern München und einer Vorlage avanciert der Nationalspieler zum Matchwinner beim 3:0 des Rekordmeisters in Stuttgart. "Ich wollte ein gutes Spiel machen und ich denke, das ist mir ganz gut gelungen", beschied der 23-Jährige bescheiden nach dem souveränen Auswärtssieg.

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Ganz gut gelungen – das war noch untertrieben. Goretzka war im Angriffsspiel der Münchener der Dreh- und Angelpunkt. Wenn es in der zähen ersten Hälfte gefährlich wurde, dann zumeist über den Neuzugang, der im Sommer vom FC Schalke 04 zum FCB gewechselt war. Stuttgart bekam den auffälligsten Bayern-Akteur zu keiner Zeit in den Griff. „Ich war sehr motiviert, denn ich habe das erste Mal von Beginn an gespielt. Ich wollte meinen Mitspieler beweisen, dass ich der Mannschaft helfen kann“, bekundete Goretzka im Anschluss an seine Galavorstellung.

Goretzka überzeugt in den Zwischenräumen

Geholfen hat er dem Team vor allem durch seine Offensivqualitäten: Immer wieder stieß der Mittelfeldmann in den Strafraum der Stuttgarter vor und sorgte dort für Torgefahr. So auch in der 37. Minute: Am Sechzehner bekam Goretzka den Ball, schaltete blitzschnell und schlenzte nach einer Körpertäuschung die Kugel unhaltbar ins VfB-Gehäuse. Nach etwas mehr als einer Stunde war er dann nicht als Vollstrecker, sondern als Vorbereiter zur Stelle: Nach Kimmichs Hereingabe ließ er die Kugel clever zu Lewandowski abprallen, der dann aus der Distanz zum 2:0 erfolgreich war.

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Gerade diese Aktionen waren vorher abgesprochen – im zentralen Mittelfeld galt es für Goretzka Löcher zu reißen und Räume zu finden. „Wir haben uns mit dem Trainerteam auf das Spiel vorbereitet und angeschaut, wo der Gegner Lücken hat. Da habe ich mich dann auch aufgehalten. Ich bin froh, dass mir das heute gut gelungen ist“, erklärte der Rechtsfuß im Anschluss bei „Sky“. Lob für seinen Auftritt gab es auch von den Kollegen. „Leon ist ein sehr guter Spieler mit einer großartigen Athletik. Er versucht immer, in den Strafraum vorzustoßen. Genau das brauchst du gegen einen Gegner wie Stuttgart. Er wird in Zukunft noch öfters für uns treffen“, hatte Thomas Müller warme Worte für den Debütanten parat.

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Gute Auge: Leon Goretzka schlenzt den Ball an zahlreichen Verteidigern vorbei ins lange Eck
Gute Auge: Leon Goretzka schlenzt den Ball an zahlreichen Verteidigern vorbei ins lange Eck © imago / Sportfoto Rudel

James und Tolisso nur auf der Bank

Allein, dass er im Star-Ensemble der Münchener von Beginn an spielen durfte, ist ein Ausdruck seiner Klasse: Statt Goretzka saßen weitere prominente Spieler wie James Rodriguez oder Weltmeister Corentin Tolisso auf der Bayern-Bank. Eine Rolle, die der Ex-Schalker beim Eröffnungsspiel gegen Hoffenheim noch inne hatte – und die dem ehrgeizigen Mittelfeldmann gar nicht schmeckte. "In erster Linie habe ich mich gefreut, dass ich heute von Anfang an ran durfte. In meiner bisherigen Karriere war ich es nicht gewohnt, von der Bank zu kommen", so Goretzka, der seinen neuen Teamkollegen ebenfalls schmeichelte: „Ich kann der Mannschaft nur ein Kompliment machen. Sie haben mich super aufgenommen. Und nur wenn man sich wohlfühlt, kann man auch Leistung bringen.“ 

Welche Leistung das war, davon konnten sich alle Experten am Samstagabend ein genaues Bild machen. Seine erste Duftmarke im Bayern-Dress hat Goretzka eindrucksvoll setzen können. Und wer seine Bewährungschance derart imposant nutzt, der dürfte beim Rekordmeister wenig Sorgen haben, was weitere Einsatzmöglichkeiten anbetrifft. Angekommen – das ist Leon Goretzka beim FC Bayern München jedenfalls schon nach kürzester Zeit. Der VfB Stuttgart kann ein Lied davon singen.