Zusammenfassung

  • Die Bayern feiern erst auf dem Rasen, dann in der Kabine.
  • Karl-Heinz Rummenigge lobt den Charakter der Mannschaft.
  • Thomas Müller hat Lust auf weitere Titel.

Augsburg - Die Stars des FC Bayern München bildeten ein Spalier und die mitgereisten Fans forderten lautstark den Vater des Erfolgs. Begleitet von den "Jupp, Jupp, Jupp"-Sprechchören genoss auch Trainer Jupp Heynckes die Meistergesänge vor der Gästekurve. Die Glückwünsche für die sechste Deutsche Meisterschaft in Folge gab er nach dem 4:1-Erfolg beim FC Augsburg aber an sein Team weiter.

"Der Trainer ist letztendlich verantwortlich für das Ganze und Große, aber in erster Linie sind die Fußballer die Protagonisten", sagte Heynckes. "Ich habe ein sehr gut funktionierendes Trainerteam. Alle machen ihren Job überragend. Das ist ein Erfolg aller." Stellvertretend dafür holte sich der 72-Jährige vor dem Gästeblock zwei langjährige Erfolgsgaranten an seine Seite. Zunächst mit Geburtstagskind Franck Ribéry, der seine achte Deutsche Meisterschaft feierte, dann mit Arjen Robben kostete Heynckes Arm und Arm seinen vierten Meistertitel als Trainer aus.

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Und nachdem die Spieler auf dem Rasen schon eine Meister-Polonaise angestimmt hatten, setzte sich die Party in den Katakomben fort. "Campeones, Campeones", schallte es durch die geschlossene Kabinentür. Drinnen wurde mit Sekt und Bier auf den Erfolg angestoßen. "Wir sind auch nur Menschen und freuen uns über das, was wir geleistet haben", sagte Müller.

Mit Mentalität zum Meisterstück

Allein in den vergangenen Jahren wurde der Trophäenschrank des Rekordmeisters reichlich gefüllt. "Was wir hier seit sechs Jahren erleben, ist einfach ein Traum. Ich genieße das", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. "Wir haben in der Kabine gerade mal gezählt und sind auf 15 Titel in den letzten sechs Jahren gekommen, inklusive dieses sechsten Titels.

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Um die insgesamt 28. Deutsche Meisterschaft – die 27. seit Bestehen der Bundesliga – unter Dach und Fach zu bringen, war in Augsburg noch mal eine Energieleistung gefragt. Nachdem die Bayern in der ersten halben Stunde von aggressiv auftretenden Augsburgern "ziemlich auf die Knochen" (Rummenigge) bekam und auch durch ein Eigentor von Niklas Süle (18.) in Rückstand geriet, bewiesen die Münchner Moral und siegten dank teilweise sehenswerter Treffer von Corentin Tolisso (32.), James Rodriguez (38.), Arjen Robben (62.) und Sandro Wagner (87.) standesgemäß.

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Die Partie war zugleich ein Sinnbild der gesamten Saison. "Die Mannschaft hat das großartig gemacht, wir waren im Herbst fünf Punkte hintendran, jetzt marschieren wir vorneweg", zollte Rummenigge dem Team Respekt. "Was die Mannschaft an Charakter zeigt, ist unglaublich und erstklassig."

"Wir haben noch ein bisschen was vor" Thomas Müller

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Als Heynckes die Mannschaft im Oktober bei damals fünf Punkten Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund übernahm, gab es durchaus Zweifel an einer Fortsetzung der Meisterserie. "Wir mussten im Oktober erstmal vor unserer eigenen Haustüre kehren und unsere Mannschaft wieder in die Form bringen, dass wir auch wieder Spiele gewinnen", erinnerte sich Müller.

Müller erfolgshungrig

Mit dem ersten Titel der Saison in der Tasche ist der Erfolgshunger wieder neu geweckt. "Natürlich wollen wir in den ausstehenden Wettbewerben ganz weit kommen. Wir haben schon das Gefühl, dass da was drin ist", sagte Müller und richtete umgehend den Blick auf das Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Sevilla am Mittwoch. "Wir haben noch ein bisschen was vor. Es wird schon noch gefeiert werden, aber wir wollen vielleicht dann erst im Mai feiern."

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Einen Vorgeschmack darauf lieferte jedenfalls die improvisierte Kabinenparty. "Wir haben in der Kabine schon bei guter Musik angestoßen", sagte Heynckes, der sich allerdings für die Rückfahrt nach München noch auf eine lautere Beschallung einrichten musste - das kündigte jedenfalls Müller an: "Ich denke schon, dass wir im Bus über die erlaubte Dezibelgrenze gehen."

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz