Zusammenfassung

  • James Rodriguez hat seinen Rückstand aufgeholt und greift voll an
  • Renato Sanches steht erstmals im Kader und brennt auf Einsätze
  • Trotz des Ausfalls von Corentin Tolisso hat Niko Kovac viele Optionen

München - Die Reise zur Nationalmannschaft Kolumbiens hatte James Rodriguez abgesagt, um sich voll und ganz auf den FC Bayern München zu konzentrieren. "Das zeigt, dass er hier Fuß fassen und spielen möchte", befürwortete sein Trainer Niko Kovac die Entscheidung. Mit Köpfchen agierte James bei seinem dritten Jokereinsatz, mit seinem ersten Kopfballtor im Trikot der Bayern zum 3:1-Endstand gegen Bayer Leverkusen meldete er Ansprüche an. Nicht nur auf ihn wird es in den kommenden Wochen ankommen.

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In der 42. Minute wurde James für den Torschützen Corentin Tolisso eingewechselt. Der französische Weltmeister hatte sich im Zweikampf mit Kevin Volland schwer am rechten Knie verletzt. Am späten Samstagabend bestätigten sich die Befürchtungen: Tolisso erlitt einen Kreuzband- und Außenmeniskusriss und muss mehrere Monate pausieren.

James greift wieder an

Der langfristige Ausfall des vielseitigen Mittelfeldspielers ist auch sportlich ein herber Rückschlag sowohl für ihn selbst, als auch für den Rekordmeister. Sein sehenswerter Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 gegen Leverkusen war sein fünfter in den vergangenen neuen Bundesliga-Einsätzen. Für das zentrale Mittelfeld bieten sich Kovac aber noch diverse Optionen. Allen voran James.

Nachdem er bei der WM mit langwierigen Wadenproblemen zu kämpfen hatte und auch während der Vorbereitung immer mal wieder kürzer treten musste, greift James jetzt wieder voll an. "Er ist etwas später von der Weltmeisterschaft zurückgekommen und hatte etwas Nachholbedarf. Das hat er jetzt aufgeholt", sagt Kovac. "Er wird mit Sicherheit in den nächsten Spielen spielen."

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Seinen Wert für die Bayern hat die Leihgabe von Real Madrid in der Vorsaison mehrfach unter Beweis gestellt. Der 27-Jährige kann mit seiner Klasse den Unterschied ausmachen, in 23 Bundesligaspielen erzielte er sieben Tore und bereitete elf weitere vor. Den klassischen Zehner, den James gerne verkörpert, gibt es in Kovac‘ bevorzugter 4-1-4-1-Grundordnung allerdings nicht. Gegen Leverkusen rückte James nach der Auswechslung von Serge Gnabry daher auf die linke Außenbahn. Genauso ist er auch eine Option für den rechten Flügel.

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Eine weitere Alternative für eine der Halbpositionen im Mittelfeld stellt Neuzugang Leon Goretzka dar, der vor der Länderspielpause beim 3:0-Sieg in Stuttgart überzeugte, gegen Leverkusen wegen Hüftproblemen pausieren musste. Nach Vereinsangaben handelte es sich dabei aber um eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Sanches brennt auf Einsätze

Mit Renato Sanches rückte dafür ein weiterer Kandidat fürs Zentrum erstmals in dieser Saison in den Kader. Nach einer Leihe an Swansea City ist der Portugiese zurück an der Säbener Straße - und brennt auf Einsätze. "Was wir in der Vorbereitung von Renato gesehen haben, war richtig gut. Er hatte leider das Pech, dass er dann zwei Wochen ausgefallen ist", sagt Kovac. "Er wird seine Möglichkeiten bekommen, das ist ganz klar. Wir fliegen jetzt nach Lissabon, da wird er nicht als Reiseführer dabei sein."

Am Mittwoch geht es zum Auftakt der Champions League in Sanches‘ Geburtsstadt gegen seinen Jugendklub Benfica. "Meine ganze Kindheit habe ich in Lissabon verbracht", sagte Sanches zuletzt in einem Interview mit FCB.tv. "Alles hat mit meinen Freunden auf der Straße angefangen. Ich habe immer mit meinen Kumpels Fußball gespielt. Und deswegen bin ich so geworden wie ich bin."

"Ich habe keine Schwäche. Ich bin stark!" Renato Sanches

Obwohl der erhoffte Durchbruch bei den Bayern bislang noch nicht gelungen ist, geht der 21-Jährige selbstbewusst in sein drittes Jahr beim Rekordmeister. "Ich fühle mich sehr gut bei Bayern. Ich bin vorbereitet, um dieses Jahr hier zu spielen", sagt Sanches. Der neue Trainer sei auch eine Chance für ihn. "Er ist ein Trainer, der die Spieler pusht, damit bin ich sehr zufrieden, denn ich fühle, dass ich die Erwartungen erfüllen kann." Auf dem Platz zählen "Ambition, Entschlossenheit und Siegeswillen" zu seinen Stärken - und: "Ich habe keine Schwäche. Ich bin stark!"

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Trotz des Ausfalls von Tolisso verfügt Trainer Kovac weiterhin über ein Überangebot an Mittelfeldspielern, das von den zuletzt gesetzten Javi Martinez auf der Sechs, sowie Thiago und Thomas Müller auf den Achterpositionen komplettiert wird. Durch den mehrwöchigen Ausfall von Außenverteidiger Rafinha (Innenbandteilriss im Sprunggelenk) ist in der Defensive Kovac‘ Improvisationstalent gefragt. Eine Option wäre eine taktische Variante mit einer Dreierkette, auf die er als Trainer von Eintracht Frankfurt regelmäßig gesetzt hat. In der Vorbereitung ließ er auch Gnabry als Außenverteidiger auflaufen.

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In Aufstellungsfragen hat der Bayern-Coach bislang jedenfalls ein glückliches Händchen bewiesen. "Das ist ein bisschen Erfahrung, ein bisschen Bauchgefühl. Man kann nicht immer alles erklären", verriet Kovac vor dem Spiel gegen Leverkusen. "Analytisch gehen wir die Woche an, aber wenn es drum geht, muss der Bauch entscheiden. Da kann ich mich im Moment auch auf die Bäuche meiner Kollegen im Staff verlassen."

Aus München berichtet Maximilian Lotz