Zusammenfassung

  • Beim FC Bayern werden Erinnerungen an die Triple-Saison 2013 wachen
  • Wie damals setzt Jupp Heynckes auf einen festen Kern an Schlüsselspielern
  • Dem erfahrenen Trainer gelingt es, alle im Team mitzunehmen

München - An einer Fußgängerbrücke vor der Allianz Arena hängt seit einigen Tagen ein großes rotes Banner mit der Aufschrift "Deutscher Meister 2018". Das wichtigste Saisonziel hat der FC Bayern München schon erreicht, doch der erfolgshungrige Rekordmeister sieht es zugleich als Etappenziel auf dem Weg zu weiteren Titeln. Vieles erinnert dabei an die Triple-Saison 2012/13 - nicht nur weil der Trainer damals wie heute Jupp Heynckes heißt.

"Ich wünsche ihm idealerweise, dass er das wiederholt, was ihm 2013 schon einmal gelungen ist", sagt FCB-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. "Aber es wird schwer. Da machen wir uns gar keine Gedanken."

Am Dienstagabend haben Heynckes und sein Team einen weiteren Schritt Richtung Triple gemacht - mit dem eindrucksvollen 6:2-Sieg im Pokal-Halbfinale gegen Leverkusen. Am 19. Mai winkt in Berlin also Titel Nummer zwei.

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Heynckes schiebt Vergleiche beiseite

Erfolgscoach Heynckes schob zuletzt aber jegliche Gedankenspiele rund um eine mögliche Wiederholung des Triples beiseite. "Vergleiche mag ich nicht", betonte Heynckes am Montag. Dennoch sind gewisse Parallelen zur erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte nicht von der Hand zu weisen. "Das jetzige Team ist auf einem ähnlichen Weg", erkennt auch Heynckes. "Dass alle absolut motiviert und fokussiert sind, stimmt mich optimistisch, dass wir unter Umständen noch etwas Großes erreichen können."

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So wie vor fünf Jahren. Da machten die Bayern den Meistertitel in der Bundesliga bereits einen Spieltag früher perfekt - ohne dass in den restlichen Saisonspielen ein Spannungsabfall erkennbar war. Im Gegenteil: Mit fünf Siegen und einem Unentschieden spielten die Bayern damals die Saison in der Liga souverän zu Ende und holten sich für die Pokalwettbewerbe damit das nötige Selbstvertrauen. Heynckes‘ aktueller Plan sieht ähnlich aus: "Dass wir unsere Spiele in der Liga gewinnen, ist wichtig für den weiteren Saisonverlauf."

Erfolgsfaktor Rotation

Ein entscheidender Faktor ist dabei die Rotation. Die im Vergleich zum Spiel gegen Sevilla auf sieben Positionen veränderte Elf feierte am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach einen überzeugenden 5:1-Erfolg. Zugleich stellt Heynckes energisch fest: "Eine zweite Garnitur gibt es bei mir nicht!"

Heynckes vertraut wie schon vor fünf Jahren auf einen festen Kern an Schlüsselspielern. Die Sechserposition mit Javi Martinez, die hängende Spitze mit Thomas Müller und die Flügelzange mit Arjen Robben und Franck Ribéry sind in den wichtigen Spielen damals wie heute sogar noch mit den gleichen Spielern besetzt. Mit James Rodriguez und Robert Lewandowski sind weitere Erfolgsgaranten hinzugekommen, die in der Liga zuletzt Verschnaufpausen bekamen. "Das ist super, wie der Trainer das macht. Das funktioniert gerade sehr gut und ich sehe das als riesigen Vorteil, dass wir hintendran auch gute Spieler haben", sagt Sandro Wagner.

"Auch die Mitarbeiter, die schon länger dabei sind, sagen, dass sie es selten erlebt haben, dass es so gut passt." Sandro Wagner

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Der Stürmer, der zuletzt regelmäßig traf und so seinen Teil zum gesunden Konkurrenzkampf beitrug, schwärmt von der guten Stimmung im Team. "Auch die Mitarbeiter, die schon länger dabei sind, sagen, dass sie es selten erlebt haben, dass es so gut passt", sagt Wagner. Das ist vor allem Heynckes‘ Verdienst, der viel Wert darauf legt, alle mitzunehmen. "Er hat für jeden eine Umarmung oder ein gutes Wort übrig, wenn er morgens in die Kabine kommt. Er kümmert sich um jeden einzelnen", sagt Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Und Rummenigge ergänzt: "Wir haben einen tollen Kader dieses Jahr und wir haben mit Jupp Heynckes einen Mann, der das ganze Mosaik perfekt zusammengefügt hat."

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An seiner Arbeitsweise habe sich im Vergleich zu seinen früheren Engagements nichts verändert, räumte Heynckes ein - nur: "Wenn man so viel Erfahrung hat wie ich, nimmt man vieles gelassener und unaufgeregter hin", erklärte der 72-Jährige. "Die Zeit ist so schnelllebig und unkontrollierbar, dass man einen kühlen Kopf bewahren muss." Auf dem Weg zu den heißbegehrten weiteren Trophäen kann das nur hilfreich sein.

Aus München berichtet Maximilian Lotz

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